Tennis-Bundesliga TC Blau-Weiss Neuss

Tennis: Ein Abstieg träfe Blau-Weiss zur Unzeit

Vorsitzender Abraam Savvidis sieht Bundesliga-Rekordmeister auf dem Weg aus der Talsohle – doch die Zukunft ist ungewiss.

 An der  Jahnstraße schlug mal das Herz des Deutschen Mannschaftstennis: Zehn Mal zwischen 1983 und 1994 wurde  der TC Blau-Weiss Neuss Deutscher Meister, so oft wie kein anderer Verein in der Bundesliga. Es gab Zeiten, da stand das komplette deutsche Daviscup-Team in Neusser Diensten, von den späteren Weltranglisten-Ersten Gustavo Kürten und Rafael Nadal ganz zu schweigen.

Zeiten, die spätestens mit dem Tod des langjährigen Mäzens Ernst-Ludwig Hansmann vor vier Jahren Geschichte sind. Zwischenzeitlich drohte aus dem einstigen Aushängeschild ein Sorgenkind zu werden. Die Mitgliederzahl, die früher jenseits von 500 lag, hatte sich mehr als halbiert, die Pächter im Klubhaus gaben sich die Klinke in die Hand, die Aschenplätze gammelten vor sich hin und wurden von der Konkurrenz als „nicht Bundesliga-tauglich“ eingestuft.

Zeiten, die in den Augen von Abraam Savvidis gleichfalls der Vergangenheit angehören. „Wir sind auf einem guten Weg der Konsolidierung,“ sagt der Vorsitzende. Das betrifft die Klubfinanzen wie die Zahl der Tennisspieler. Savvidis spricht von 50 neuen Mitgliedern, die in den vergangenen Monaten den Weg an die Jahnstraße gefunden hätten. Für ihn besteht da ein enger Zusammenhang mit der Tennisschule „Ewige Liebe“ von Marius Zay und Clinton Thomson. Junge Leute fänden die ohnehin cool, sagt er, und die anfängliche Skepsis der älteren Mitglieder gegenüber dem eher unorthodox wirkenden Duo sei dem Respekt davor gewichen, „was die Jungs so leisten.“

Das betrifft nicht zuletzt die Bundesliga, in der der TC  Blau-Weiss offiziell mit dem Namenszusatz „Ewige Liebe“ unterwegs ist. Und in der er sich, geht es nach dem Vorsitzenden, „wieder auf Dauer etablieren“ möchte. „Mittelfristig möchten wir gerne wieder oben angreifen,“ sagt Savvidis. Doch zwölf Monate nach dem direkten Wiederaufstieg droht der erneute Abstieg, läuft es ganz schlecht, lässt der sich nicht mal mit einem Sieg in den beiden Saisonspielen am Samstag und Sonntag vermeiden.

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Ein Abstieg träfe die Neusser zum vielleicht ungünstigsten Zeitpunkt. „Die Bundesliga ist unser goldenes Kind, sie ist doch das einzige, was uns noch von anderen Tennis-Klubs in Neuss und Umgebung unterscheidet,“ sagt der Vorsitzende. Und ob der Aus- (oder Auf-)bau eines Hockey- und Tenniszentrums an der Jahnstraße, wie er im städtischen Sportkonzept vorgesehen ist, ohne Bundesliga Sinn macht, ist eine spannende Frage. Auch für Abraam Savvidis.  „Wir stehen dem Konzept positiv gegenüber, auch, was die Zusammenarbeit mit unserem Nachbarklub HTC Schwarz-Weiß angeht,“ stellt der BW-Vorsitzende klar. Die ist nämlich Bedingung, damit die Stadt überhaupt Investitionen tätigt.

Allerdings kursieren in Neuss Gerüchte, wonach es nicht um Kooperation oder Fusion zwischen den nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegenden Vereinen geht. Sondern darum, dass der kleinere (Blau-Weiss) vom größeren (Schwarz-Weiß) geschluckt wird. Die sind auch Abraam Savvidis zu Ohren gekommen. „Ich höre immer öfter den Satz: Ihr werdet doch sowieso von Schwarz-Weiß übernommen,“ sagt der Vorsitzende. Was für Gespräche mit Sponsoren und Unterstützern nicht unbedingt  förderlich sei.

Ein erneuter Abstieg – es wäre der vierte inklusive des finanziell bedingten Rückzugs 1994 – sicher ebenso wenig. Auch wenn für Savvidis klar ist: „Den Verein, unsere Spielbetriebs GmbH und unsere Teamleitung trifft da keine Schuld. Wenn wir absteigen, war das eine Verkettung unglücklicher Umstände.“ Und das zur Unzeit.