Tennis : Es sieht nicht gut aus für Blau-Weiss Neuss

Schlimmer als die Niederlage gegen Reutlingen trifft den Tennis-Bundesligist der drohende Ausfall von Spitzenspieler Attila Balasz.

Dem TC Blau-Weiss Neuss droht nach nur einem Jahr der erneute Abstieg aus der Tennis-Bundesliga. Im vermeintlichen „Endspiel“ um den Klassenerhalt kassierte der Immer-Noch-Rekordmeister eine vernichtende 1:5-Schlappe gegen den bisherigen Tabellenletzten TV Reutlingen. Mindestens ebenso schlimm dürfte die Neusser der drohende Ausfall ihres Spitzenspielers Attila Balasz treffen, der am Sonntag wegen Leistenbeschwerden nur zum Doppel antrat.

Das Problem: Der Ungar hat für das in dieser Woche laufende Challenger-Turnier in Pullach bei München gemeldet. Tritt er bei den Isar Open wegen Verletzung nicht an, ist er automatisch für das nächste Wochenende gesperrt, an dem die letzten beiden Bundesliga-Spiele am Samstag und Sonntag im Doppelpack ausgetragen werden. „Jetzt wird es für uns ganz schwer. Ich weiß im Moment überhaupt noch nicht, wen wir in den letzten Spielen einsetzen können,“ sagt der Neusser Teamchef Marius Zay mit Blick auf die Partien beim Noch-Meister TC Blau-Weiss Halle am Samstag und dem Heimspiel gegen Blau-Weiss Krefeld am Sonntag.

Denn ohne Attila Balasz sind die Neusser nur die Hälfte wert. Weil am Sonntag auch noch Uladzimir Ignatik wegen Ellbogenbeschwerden ausfiel, konnte Zay eine nur bedingt konkurrenzfähige Formation auf die heiße Asche an der Jahnstraße schicken. Dass die beiden Tschechen Zdenek Kolar (ATP 242) und Vaclav Safranek (ATP 238) den Italienern Lorenzo Sonego (ATP 116) und Andrea Arnaboldi (ATP 199) unterlegen sein würden, stellte allein schon von den Positionen auf der Weltrangliste keine Überraschung dar. Im Endeffekt waren sowohl Kolar (2:6, 3:6) als auch Safranek (2:6, 2:6) ohne eine echte Chance. „Sie waren auch müde von den Turnieren in dieser Woche,“ suchte Trainer Clinton Thomson nach einer Erklärung, die freilich nur halbherzig befriedigen konnte. Beide Niederlagen wären allerdings zu verschmerzen gewesen, hätte nur Botic Van De Zandschulp eine halbwegs akzeptable Leistung abgerufen. Doch der Niederländer, in der Vorwoche noch der strahlende Held beim Überraschungscoup in Mönchengladbach, zeigte gegen Michael Berrer mal wieder die dunkle Seite seines „enfant terrible-Gemüts“. Gegen den 38-Jährigen, der mal die Nummer 42 der Welt war, aber längst nicht mehr im Turnierzirkus aktiv ist, fand der 22-Jährige beim 1:6, 3:6 überhaupt keine Einstellung. „Klar hat Berrer kein besonders schönes Tennis gespielt, aber darauf kommt es in der Bundesliga auch nicht an. Das hat Botic offenbar noch nicht begriffen,“ schimpfte BW-Vorsitzender Abraam Savvidis.

Wie (und dass) es anders geht, zeigte ausgerechnet Bernabe Zapata Miralles im Duell der spanischen Sandplatzwühler gegen Jordi Samper-Montana. Nach 6:4 gewonnenem ersten Satz drohte er angesichts eines 3:4-Rückstandes (mit Aufschlagverlust) auf die Verliererstraße zu geraten. Doch dann gab der 21-Jährige in den drei Spielen bis zum 6:4-Happyend keinen einzigen Punkt mehr ab und bewahrte den Gastgebern so wenigstens die Chance auf ein Unentschieden, das im nun fünf Klubs umfassenden Abstiegskampf Gold wert gewesen wäre.

Ernste Mienen an der Jahnstraße: Während Bernabe Zapata Miralles  (oben) den einzigen Punkt für den TC Blau-Weiss Neuss in den Einzeln holte, steht Zdenek Kolar und Trainer Clinton Thomoson (rechtes Bild v.l.) die ganze Ratlosigkeit in den gesichtern geschrieben. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Doch diese Hoffnung machte schon die Doppelaufstellung zunichte. Was immer Marius Zay geritten haben mag, den körperlich angeschlagenen Attila Balasz mit dem mental labilen Botic Van De Zandschulp auf den Center-Court zu schicken, wird wohl das Geheimnis des Neusser Teamchefs bleiben. Gegen das Italien-Duo Sonego/Arnaboldi versagten beide jedenfalls kläglich (3:6, 2:6). Und weil auf dem Nebenplatz Kolar/Safranek ihre anfängliche Souveränität und schließlich auch das Match gegen Berrer/Samper-Montana im Champions-Tiebreak verloren, und weil Ex-Meister Kurhaus Aachen überraschend mit 4:2 in Köln gewann, steht Neuss wieder auf einem Abstiegsplatz, von Schlusslicht Reutlingen durch kümmerliche zwei Matchpunkte getrennt. Es sieht nicht gut aus für Blau-Weiss.