Tennis : Blau-Weiss geht mit Zuversicht ins Endspiel

Für die Partie am Sonntag gegen Abstiegs-Konkurrent TV Reutlingen hofft Teamchef Marius Zay auf seine zuletzt siegreiche Formation.

Endspielstimmung an der Jahnstraße: Mit einem Sieg am Sonntag ab 11 Uhr gegen Mitaufsteiger TV Reutlingen könnte der TC Blau-Weiss Neuss ein weiteres Jahr in der Tennis-Bundesliga so gut wie fest buchen. Doch Marius Zay bleibt vorsichtig: „Erstens sind danach noch zwei Spieltage, und man weiß nie, was da alles noch passiert,“ sagt der Teamchef des Immer-Noch-Rekordmeisters der Liga, „und zweitens wird Reutlingen mit allem anreisen, was Rang und Namen hat. Dagegen müssen wir erst mal punkten.“

Die Ausgangslage ist relativ eindeutig: Die Neusser haben durch ihre beiden Siege am vergangenen Wochenende in Aachen und Mönchengladbach vier Zähler auf ihrem Konto, Reutlingen und Aachen nach jeweils zwei Unentschieden deren zwei. Gewinnt Blau-Weiss, muss Reutlingen seine letzten beiden Partien in Köln und gegen Weinheim möglichst deutlich gewinnen, um die Neusser noch zu überflügeln (falls diese in Halle und gegen Krefeld punktlos bleiben). Aachen kann noch in Köln, in Gladbach und gegen Halle Punkte holen. „Durch den  unerwarteten Sieg in Gladbach haben wir es jetzt selbst in der Hand,“ sagt Zay und findet das „keine schlechte Ausgangsposition.“

Logisch, dass er da mit Blick auf den Sonntag gerne dem Grundsatz „never change a winning team“ folgen möchte. Freilich stehen hinter der Umsetzung noch Fragezeichen: Uladzimir Ignatik klagt über Probleme mit dem Ellbogen. „Wir setzen uns Samstag zusammen und besprechen, was geht und was nicht. Ein Risiko werden wir nicht eingehen,“ kündigt Zay an. Worauf der Teamchef keinen Einfluss hat, ist, wie weit Botic Van De Zandschulp beim mit 25.000 Dollar dotierten Future-Turnier des TC Essen-Bredeney kommt. Am Freitagabend traf er auf den an drei gesetzten Peter Torebko (Ergebnis stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest). Erreicht der Niederländer das Finale am Sonntag, wäre das ein herber Verlust für Blau-Weiss: „Er hat in Gladbach unglaublich gespielt, sowohl in seinem Einzel gegen Matteo Donati als auch hinterher im Doppel,“ sagt Zay, hat aber auch Verständnis für die Turnierverpflichtungen des 22-Jährigen: „Er braucht halt dringend Punkte für die Weltrangliste.“ Und die werden in der Bundesliga nicht vergeben.

Sicher aus dem „winning team“ sind Spitzenspieler Attila Balasz und Zdenek Kolar. Weitere Optionen – falls Ignatik und Van De Zandschulp ausfallen – sind Vaclav Safranek, Bernabe Zapata Miralles und Adrian Ungur. „Wir bekommen auf jeden Fall ein starkes Team beisammen, aber am liebsten wäre mir die Aufstellung der letzten beiden Spiele,“ sagt Zay.

Wozu das gegen Reutlingen reicht, ist die überaus spannende Frage. „Die wissen, dass das für sie die letzte, aber auch die große Chance auf den Klassenerhalt ist,“ sagt der Neusser Teamchef mit Blick auf seinen schwäbischen Kollegen Rainer Renz. Der hat Erfahrung im Abstiegskampf: Nach dem ersten Aufstieg im Jahre 2005 retteten sich die Reutlinger zwei Mal als erster Nicht-Absteiger, bevor es sie 2008 dann zusammen mit dem Solinger TC erwischte. Nach dem Wiederaufstieg ging es 2014 mit 5:13 Punkten direkt wieder nach unten, Neuss, am Ende zwei Zähler besser, setzte sich im Heimspiel mit 4:2 durch.

Damit das nicht wieder so kommt, haben die Reutlinger Spitzenspieler Matteo Berretini, der durch seinen Turniersieg im schweizerischen Gstaad bis auf Platz 54 der Weltrangliste kletterte, und Lorenzo Sonego (ATP 116) bei der ATP um ihre Freigabe für die Bundesliga gebeten, weiß Zay. Kommen sie zur Jahnstraße, rückt der bisherige Spitzenspieler Andrea Arnaboldi (ATP 199) an Position drei. Hinter dem italienischen Trio rechnet der Neusser Teamchef entweder mit Jordi Samper-Montana (Spanien, ATP 390) oder mit Michael Berrer, der sich inzwischen aus dem Turnierzirkus verabschiedet hat. „Und die müssen wir erst mal schlagen,“ sagt Zay.