Tennis : BW Neuss erkämpft den zweiten Sieg in Folge

Nach zwei Siegen am Wochenende – 5:1 in Aachen, 4:2 in Gladbach – steigen die Chancen auf den Verbleib in der Tennis-Bundesliga.

Unverhofft kommt oft, selbst für so einen erfahrenen Tennis-Haudegen wie Marius Zay. „Drück’ die Daumen, dass wir wenigstens ein Doppel gewinnen,“ sagte der Teamchef des TC Blau-Weiss Neuss, nachdem Attila Balasz und Botic Van De Zandschulp mit ihren beiden Siegen über Guillermo Garcia Lopez und Matteo Donati für einen 2:2-Zwischenstand im Gastspiel des Bundesliga-Aufsteigers beim Gladbacher HTC gesorgt hatten.

90 Minuten später fand der 35-Jährige überhaupt keine Worte mehr. Uladzimir Ignatik und Zdenek Kolar, beide in ihren Einzeln gegen Jiri Vesely und Daniel Gimeno-Traver mehr oder weniger chancenlos, hatten gerade ihr Doppel gegen Vesely und Tim Sandkaulen gedreht: Nach 2:6, 6:3 triumphierten sie vor 923 Zuschauern an den Holter Sportstätten im Champions-Tiebreak mit 10:8 und sorgten so für die große Überraschung des sechsten Spieltags.

Denn sie bescherten den Neussern den zweiten Sieg in Folge nach dem Wiederaufstieg in die Tennis-Bundesliga nach dem 5:1 in Aachen am Freitagabend. Der bedeutet zwar noch nicht den Klassenerhalt, belässt dem Immer-Noch-Rekordmeister aber die große Chance, nicht auf direktem Wege wieder ins Unterhaus zu müssen. Ein weiterer Sieg am Sonntag, wenn sich Mitaufsteiger TV Reutlingen ab 11 Uhr an der Jahnstraße vorstellt, wäre schon mehr als die halbe Miete. Die Schwaben sind ebenso wie Kurhaus Lambertz Aachen (1:5 gegen GW Mannheim) noch sieglos, erspielten sich aber durch ein 3:3 gegen den Rochusclub ihren zweiten Punkt. Dabei profitierten sie allerdings davon, dass die Düsseldorfer wie so oft in der vergangenen Jahren nur mit einer „Verlegenheits-Mannschaft“ auflaufen, wenn sie für der Klassenerhalt in trockenen Tüchern ist: Matwe Middelkoop gab im Einzel gegen Michael Berrer im zweiten Satz, zum Doppel an der Seite von Hans Podlipnik-Castillo trat der Niederländer erst gar nicht an und servierte dem Tabellenletzten so zwei kampflose Punkte.

Um so wichtiger, dass die Blau-Weissen in Mönchengladbach über sich hjnauswuchsen. „Das war sensationell,“ befand Marius Zay über die Vorstellung seiner Spieler. Er hatte das Team, das am Freitag die ersten Punkte eingefahren hatte, unverändert gelassen. „Das hatten sich die Jungs einfach verdient,“ meinte der Teamchef und sah sich vor allem durch das Auftreten von Botic Van De Zandschulp und Attila Balasz darin bestätigt, die richtige Taktik gewählt zu haben. Van de Zandschulp „zerlegte“ Matteo Donati mit 6:4, 6:1. „Er wurde hinten raus immer stärker, so habe ich ihn noch nie spielen gesehen,“ lobte Zay den Niederländer, der in der vergangenen (Aufstiegs-)Saison Publikumsliebling an der Jahnstraße war, aber auch ein bisschen als enfant terrible gilt.

Was man von Atiila Balasz ganz und gar nicht sagen kann. Der Ungar entpuppt sich als neuer „Mister Zuverlässig“ auf Neusser Seite. Gestern setzte er sich gegen Guillermo Garcia Lopez mit 6:3, 6:7 und 10:7 durch und bezwang dabei erneut einen Kontrahenten, der genau 100 Plätze vor ihm in der Weltrangliste steht (167/67). „Das war ein unglaublicher Fight. Er hatte einen sehr guten Start – dass er dieses Niveau gegen ein Klassemann wie Garcia Lopez nicht durchgängig spielen kann, war zu erwarten,“ sagt Zay. Doch im Champions-Tiebreak steigerte sich der 29-Jährige noch einmal, „da haben beide Tennis vom Feinsten gespielt,“ meinte der blau-weisse Teamchef.

Der allerdings mitansehen musste, wie Uladzimir Ignatik (2:6, 3:6 gegen Jiri Vesely) und Zdenek Kolar (2:6, 2:6 gegen Daniel Gimeno-Traver „chancenlos“ waren. Um so erstaunlicher, dass die beiden im Doppel den siegbringenden Punkt einfuhren, nachdem Ballasz/Van De Zandschulp mit einem glatten 6:2, 6:2 über Garcia Lopez/Gimeno-Traver die Vorlage gegeben hatten. Und die Gladbacher ins tiefe Tal der Tränen stürzten. „Unser Ziel, noch einmal oben anzugreifen, ist jetzt passé,“ sagte Teamchef Hendrik Schmidt nach der ersten Saisonniederlage des Deutschen Meisters von 2016, der jetzt nur noch zwei Punkte vor dem TC Blau-Weiss Neuss in der Tabelle rangiert.

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