Jüchen : Telefonzellen werden abgebaut

Drei Telefonhäuschen will die Deutsche Telekom in der Gemeinde Jüchen abbauen. Deren Unterhalt pro Monat überstieg die Einnahmen deutlich. Manche der drei Telefonzellen wurden gar nicht mehr genutzt.

Windgeschützt knutschen, vor Regen flüchten — zwei Möglichkeiten, die Telefonzelle an der Stadionstraße zu nutzen. Alles andere wird schwierig, denn wer aus dieser gelben Box heraus telefonieren will, der muss ein Handy besitzen.

Anders ist das in dem gelben Häuschen nicht mehr möglich: Das Telefon mit Hörer und Wahlmöglichkeit fehlen ebenso wie ein Telefonbuch. Ein Zeichen der Zeit, denn dieser öffentliche Fernsprecher wird, gemeinsam mit zwei weiteren Exemplaren, jetzt von der Deutschen Telekom abgebaut.

Das Duell "öffentliches Telefon" gegen Handy hat das Mobilfunktelefon für sich entschieden. Nach einer aktuellen Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien besitzen 83 Prozent aller 14-jährigen Deutschen ein Handy, viele haben sogar zwei Geräte. Dies und die "Vollversorgung mit Telefonanschlüssen im Festnetz" haben nach Angaben der Deutschen Telekom "die Telefonie-Bedürfnisse der Bürger" stark verändert. Die Folge: Öffentliche Telefone werden immer weniger genutzt, die Einnahmen schrumpfen.

So auch in Jüchen: Die beiden öffentlichen Telefonzellen in Jüchen, an der Stadionstraße 74 (am Schulzentrum und Hallenbad) und an der Kölner Straße 44 sowie ein Telefonhäuschen an der Bahnhofstraße 78 in Hochneukirch sollen abgebaut werden.

Darüber haben sich die Telekom und die Gemeindeverwaltung verständigt. Diesen Plänen stimmten jetzt die Mitglieder im Hauptausschuss zu, ehe auch der Gemeinderat entscheiden wird. Alle drei Telefonzellen waren so wenig genutzt worden, dass sie nur Einnahmen zwischen null und 20 Euro lieferten. Doch allein der Unterhalt für ein öffentliches Telefon liegt deutlich höher: Rund 100 Euro sind pro Monat für Strom, Wartung und Reinigung fällig.

"Wir werten regelmäßig die Auslastung unserer Telefonzellen aus. So sehen wir genau, wo die Kunden unser Angebot annehmen und wo nicht", so eine Sprecherin der Deutschen Telekom. Öffentliche Telefone seien dennoch kein Auslaufmodell: "Mit dem Deutschen Städtebund haben wir vereinbart, dass diese Versorgung überall dort, wo sie notwendig und wirtschaftlich vertretbar ist, bestehen bleibt." Aufgerüstet werden sollen die Telefonzellen etwa als Multimedia-Stationen.

(NGZ/rl)