Reitsport : Team Neuss holt (nur) WM-Silber

Die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen zeigten gestern eine fantastische Kür im Finale – und landeten bei der Weltmeisterschaft im französischen Le Mans hinter der Schweiz dennoch nur auf Rang zwei. Das sorgte im deutschen Lager für ziemliches Unverständnis.

Die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen zeigten gestern eine fantastische Kür im Finale — und landeten bei der Weltmeisterschaft im französischen Le Mans hinter der Schweiz dennoch nur auf Rang zwei. Das sorgte im deutschen Lager für ziemliches Unverständnis.

Dass Team Neuss legte im französischen Pferdesportzentrum Boulerie Jump eine fantastische Kür hin. Foto: Daniel Kaiser

Enttäuschte Gesichter gestern Nachmittag in Le Mans: Die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen haben bei den Weltmeisterschaften im französischen Le Mans eine geniale Performance in den Sand gelegt und die bis dato führende Schweiz dennoch nicht einholen können.

Die Mannschaft von Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz erhielt 8,707 Punkte vom achtköpfigen Richtergremium. Dieses Resultat war im französischen Pferdesportzentrum Boulerie Jump noch nicht einmal der Tagessieg. Denn die Schweiz, die am Finaltag nicht ganz so sauber wie im vorherigen Durchgang geturnt hatte, erhielt 8,819 Zähler. Das bedeutete für die Eidgenossen mit totalen 8,424 Punkten den Titel — im Übrigen der erste seit 18 Jahren. 1994 hatte die Equipe in Den Haag zuletzt triumphiert.

Bemerkenswert: In diesen Zeiten gehörten Jessica Schmitz und Monika Winkler-Bischofberger zu den jeweiligen Teams, die sich auf den Championaten duellierten. In Le Mans trafen die beiden Frauen, die eine lange Brieffreundschaft führen, als Longenführerinnen aufeinander.

8,346 lautete das Endergebnis für die Rheinländerinnen. Das war deutlich weniger, als sich das Team im Vorfeld erhofft hatte. Und ebenfalls weniger, als die zahlreichen Anhänger (über 100 heimische Fans waren angereist) und das deutsche Betreuerteam vor Ort angesichts der genialen Darbietung ausgerechnet hatten.

Betretene Gesichter in der Kiss-and-Cry-Area bei der Verkündung des Ergebnisses, bedrückte Stimmung im Anschluss vor der Halle bei Turnerinnen, Eltern und Betreuern. "Ich gratuliere der Schweiz von Herzen, kann das Ergebnis aber nicht ganz nachvollziehen", kommentierte Jessica Schmitz. Dem stimmte auch Bundestrainerin Ulla Ramge zu, die vor allem unüblich niedrige Pferdenoten für Arkansas als nicht gerechtfertigt ansah.

Der 14 Jahre alte Westfalen-Wallach hatte mit Wertnoten um die sieben Punkte deutlich weniger erhalten als bei allen anderen Turnieren dieser Saison. Die Bundestrainerin fand zunächst keine Worte. Noch beim Auslaufen der Equipe aus dem Zirkel hatte die Warendorferin ganz fest mit dem WM-Titel gerechnet. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagte die 49-Jährige.

Auch Doppel-Weltmeister Kai Vorberg aus Köln, der in Le Mans als Co-Bundestrainer unterwegs war, zeigte sich enttäuscht. "Neuss hat eine Wahnsinns-Kür gezeigt. Die Mädels haben mich heute zum Weinen gebracht", sagte der 30-Jährige. Er empfand es als "schade, dass diese Leistung nicht belohnt wurde".

Auf Rang drei landeten die Gastgeber aus Frankreich, die sich überraschend vor die Mitfavoriten aus Österreich setzten. Auch bei dieser Entscheidung gab es anschließend Diskussionen angesichts der undurchsichtigen Benotung. "Das Offensichtliche sollte sich auch im Wertungssystem widerspiegeln", sagte Vorberg, der die Alpenrepublik von der Leistung her vor Frankreich sah.

(Daniel Kaiser)
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