TC Blau-Weiss Neuss startet in die Tennis-Bundesiga

Tennis: Blau-Weiss will kein Fahrstuhlteam werden

Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel für den Wiederaufsteiger in die Tennis-Bundesliga in der am 8. Juli startenden Saison.

 Die vergangene Spielzeit, sagt Clinton Thomson, sei schön und erfolgreich gewesen. Doch die Zweite Bundesliga, durch die der TC Blau-Weiss Neuss ohne eine Niederlage zum direkten Wiederaufstieg marschierte, sei eher eine Art Fortsetzung der Medenspiele. „Die Tennis-Bundesliga“, sagt der 34-Jährige, der als Spielertrainer nicht nur auf dem Platz der verlängerte Arm von Teamchef Marius Zay ist, „die Bundesliga ist dagegen ein Event.“

Davon können sich die Tennisfans aus Neuss und Umgebung  ab dem 8. Juli wieder überzeugen.  Dann startet der Immer-Noch-Rekordmeister der Bundesliga gegen den TK Grün-Weiss Mannheim in die Saison. Es ist seine insgesamt 37. im Oberhaus des Deutschen Tennis-Bundes, mehr Spielzeiten (42) hat nur der Auftaktgegner vom Neckarplatt auf seinem Vereinskonto. Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten der beiden Bundesliga-Dinos.

Denn während Marius Zay die Mannheimer gemeinsam mit Titelverteidiger Blau-Weiss Halle zu den Top-Favoriten zählt, sagt der Neusser Teamchef über die eigenen Ambitionen: „Für uns hat der Klassenerhalt oberste Priorität. Wir wollen kein Fahrstuhlteam werden.“

Die Chancen dazu sind nach eigener Einschätzung so schlecht nicht. Zwar sind die Blau-Weissen von der Papierform her mit Mitaufsteiger TV Reutlingen der Underdog der zehn Vereine umfassenden Liga. Zwar befürchtet Clinton Thomson ein Hauen und Stechen zwischen diesen, um nicht auf einem der beiden Abstiegsplätzen zu landen. „Denn absteigen will keiner, und von unten drängen im Gegensatz zu den Vorjahren jede Menge Vereine hoch“, weiß der Routinier, der selbst an Position 14  gemeldet ist.

  • Lokalsport : Blau-Weiss Neuss startet als Außenseiter

Dem wollen die Neusser das entgegen setzen, was sie schon in der vergangenen (Zweitliga-)Spielzeit stark machte: den „Teamspirit“. Dabei geht es nicht allein um den Zusammenhalt unter den Spielern, sondern vor allem um die Zusammenarbeit zwischen Teamleitung und aktivem Kader. „Wenn Marius und Clinton nicht so gute Kontakte und einen direkten Draht zu den Spielern hätten, würden wir nicht eine solche Mannschaft aufbieten können,“ ist Dietmar Skaliks, Zays Vorgänger im Amt des Teamchefs überzeugt. Das entlastet den Etat, über den  BW-Vorsitzender Abraam Savvidis nur sagt: „Über weitere Unterstützer würden wir uns freuen.“

Und das soll  eine Mannschaft auf die inzwischen mit städtischer Hilfestellung wieder Bundesliga-tauglich gemachte Asche an der Jahnstraße bringen, die konkurrenzfähig statt Kanonenfutter sein  soll. Dass deren Besetzung eher ost-europäisch geprägt ist – zwei Rumänen, zwei Ungarn, zwei Tschechen, ein Pole und ein Weißrusse werden ergänzt durch zwei Niederländer, einen Dänen, einen Chilenen, einen Spanier und den Deutsch-Australier Clinton Thomson – nimmt der Teamchef bewusst in Kauf: „Wir haben auch mit jungen deutschen Spielern verhandelt, aber deren finanzielle Vorstellungen passen nicht zu unserem Etat.“ Dazu macht Abraam Savvidis  eine einfache Rechnung auf: „Für ein deutsches Nachwuchstalent bekomme ich drei von unseren Spielern.“

Für die Identifikation mit Team und Verein spiele die Nationalität ohnehin keine Rolle, sagt der Vereinschef, sondern die Frage, ob ein Spieler sich im Klub wohlfühle. Bestes Beispiel ist Adrian Ungur: Der Rumäne geht nicht nur in seine x-ste Saison an der Jahnstraße, er lotste auch seinen Freund und Landsmann Marius Copil als Spitzenspieler dorthin. Ähnlich verhält es sich mit den Tschechen: Zdenek Kolar bringt nach seinem Kurzgastspiel aus dem Vorjahr den bislang beim TC Iserlohn tätigen Vaclav Safranek gleich mit.

Neu im Aufgebot sind ebenfalls der binnen kurzer Zeit um 300 Weltranglistenplätze gekletterte Pole Hubert Hurkacz, der ungarische Daviscup-Spieler Attila Balasz, der Weißrusse Uladzimir Ignatik und der „chilenische Sandplatzwühler“ (Zay) Gonzalo Lama, der ebenso wie Balasz in Neuss auch sein Trainingsquartier aufschlägt. Aus dem Aufstiegsteam sind neben Ungur und Kolar auch Publikumsliebling Botic Van De Zandschulp, sein niederländischer Landsmann Niels Lootsma, der Däne Frederik Nielsen, 2014 Wimbledonsieger im Doppel, der Ungar Mate Valkusz und der Spanier Bernabe Zapata Miralles wieder gemeldet. Letztere hatten zwar auch den Teamchef nicht unbedingt überzeugt, aber „um ihren Platz im Team gekämpft. Deshalb haben sie eine zweite Chance verdient.“ Wenn die zum Klassenerhalt führt, hat Marius Zay alles richtig gemacht.

Mehr von RP ONLINE