TC Blau-Weiss Neuss ist Meister der 2. Tennis-Bundesliga

Tennis : „Wir müssen jetzt viele Gespräche führen“

Auch zwei Tage nach dem 5:4-Sieg in Essen und dem Meistertitel der 2. Tennis-Bundesliga Nord hatte Marius Zay den Triumph des TC Blau-Weiss Neuss noch nicht verarbeitet. „Es ist immer noch unglaublich,“ sagt der Teamchef, der aber weiß, dass vor einem Bundesliga-Aufstieg eine Menge Gespräche geführt werden müssen.

Die Tennis-Bundesliga freut sich offensichtlich auf die Rückkehr ihres Rekordmeisters. Unter den ersten Gratulanten, die Marius Zay am Freitagabend noch auf der Anlage des TC Bredeney anriefen, war Gerald Marzenell, der Teamchef des TK Grün-Weiss Mannheim, der eine Woche zuvor seinen Titel als Deutscher Tennis-Mannschaftsmeisters erfolgreich verteidigt hatte.

Marzenell, der auch Sprecher der Tennis-Bundesligaklubs ist, machte seinem Kollegen Mut, den Schritt ins Oberhaus zu wagen. Bis Ende September müssen sich die Blau-Weissen gegenüber dem Deutschen Tennisbund (DTB) erklärt haben, ob sie das mit dem Meistertitel verbundene Aufstiegsrecht tatsächlich annehmen. Bis dahin, weiß Zay, „müssen wir viele Gespräche führen.“

Denn dass das Meisterteam, das den unverhofften Titelgewinn bis in die Nacht hinein in der Düsseldorfer Altstadt feierte – „die meisten Spieler haben ihre Flugtermine kurzfristig geändert,“ sagt Zay – in dieser Zusammensetzung eine Etage höher nicht konkurrenzfähig ist, ist dem Teamchef durchaus bewusst. „In der Zweiten Liga kannst du viel über den Teamspirit machen,“ sagt Marius Zay, „letztlich sind wir so auch Meister geworden. In der Ersten Liga geht das nicht, zumindest nicht in dem Maße.“

Was dort zählt, sind Spitzenspieler. Und die kosten Geld. Zum aktuellen Kader „müssten wir noch drei, vier Spieler oben drauf verpflichten, die in der Weltrangliste zwischen 100 und 200 stehen,“ sagt der Neusser Teamchef. Der dort am höchsten notierte aus dem aktuellen Kader ist der Finne Emil Ruusuvuori, der mit seinem Zweisatzsieg über Mats Moraing den Grundstein zum Überraschungserfolg beim hoch favorisierten TC Bredeney legte. „Als wir ihn verpflichtet haben, stand er um Position 600,“ erinnert sich Zay – jetzt wird der 20-Jährige auf Rang 209 gelistet, Tendenz weiter steigend.

Was bedeutet: Selbst für eine Weiterverpflichtung des von Jarkko Nieminen trainierten Talents müssten die Blau-Weissen tiefer in die Tasche greifen als bisher, von weiter vorn platzierten Spielern ganz zu schweigen. Eine Verdoppelung des Etats hält Marius Zay deshalb für unabdingbar. Was so viel dann auch nicht ist, denn der bewegte sich in dieser Saison nur im fünfstelligen Bereich. Der von Neuss entzauberte Aufstiegsfavorit aus Essen, mutmaßt Zay, hatte wohl das doppelte zur Verfügung, „und ich weiß von einigen anderen Klubs in unserer Gruppe, die einen höheren Etat hatten als wir,“ sagt der Teamchef.

Die Krux an der Sache: Rund um die Jahnstraße herrscht nicht eben Tennis-Euphorie. Wo einst das komplette deutsche Daviscup-Team nebst internationaler Stars wie Gustavo Kürten, Rafael Nadal oder Magnus Gustafsson im blau-weissen Dress auflief, lockt der Abstiegskampf nur wenige hinterm Ofen hervor. Auf der anderen Seite hat Marius Zay registriert, „dass am Freitag in Essen mehr Neusser Zuschauer waren als bei den meisten unserer Heimspiele.“

Dort wieder eine Tennisbegeisterung zu entfachen, würde bei der Suche nach Sponsoren sicherlich hilfreich sein. Doch um solche Begeisterung zu wecken, braucht es Erfolg und ein paar große Namen. Beides kostet Geld, das wiederum von Sponsoren aufgebracht werden muss – ein Teufelskreis, an dem der zehnfache Deutsche Mannschaftsmeister nicht zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte zu scheitern droht.

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