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Tage wie im Traum bei den Special Olympics in Abu Dhabi

Weltspiele für Menschen mit geistiger Behinderung : Tage wie im Traum bei den Special Olympics

Sportler aus dem Rhein-Kreis kehren mit großen Emotionen von den Weltspielen für Menschen mit Handicap in Abu Dhabi heim.

Kaum sind sie aus Abu Dhabi zurückgekehrt, stand am Montag für die erfolgreichen Neusser Athleten der Special Olympics der erste Pressetermin zu den Weltspielen für Menschen mit geistiger Behinderung an. Dazu hatte Unternehmerin Jutta Zülow die Teilnehmer der Special Olympics auf Gut Gnadental eingeladen, damit sie über ihre Erlebnisse der vergangenen zwei Wochen in Abu Dhabi berichteten.

Dabei konnte man nicht sagen, wer stolzer auf die Erfolge der Neusser war: Gastgeberin Jutta Zülow, Bürgermeister Reiner Breuer, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke oder die anwesenden Sportler selbst, die stolz ihre zahlreichen Medaillen präsentierten. „Das sieht ja so aus, als hättet ihr alles gewonnen“, stellte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bei seiner Ankunft erfreut fest. Grün-Weiß-Tennisspieler Patrick Haberland bestätigte ihm: „Wir haben gut abgeräumt.“ Die Zahlen machen das deutlich: Insgesamt gab es für die Quirinusstädter einmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze. Bürgermeister Breuer bezeichnete die Erfolge als „Krönung der sportlichen Laufbahn. Ich bin stolz darauf, dass wir solche Spieler in Neuss haben.“ So stolz, dass er die Medaillengewinner ins Rathaus einlud, um sich ins Goldene Buch der Stadt Neuss einzutragen.

Olympiasieger Fabian Krummen, der im Tennis triumphierte, kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. „Es ist ein überragendes Gefühl. Im Finale war die Anspannung schon groß, aber was danach kam, war atemberaubend“, erzählte der Goldmedaillengewinner. Atemberaubend, da waren sie sich allesamt einig, war auch die Eröffnungsfeier im Zayed-Sports-City-Stadion zu Beginn der Spiele. Dabei zogen die Delegationen wie bei Olympischen Spielen in das volle Fußballstadion ein, um dort anschließend die Feier mit dem Entzünden des Olympischen Feuers zu verfolgen. Krummen bezeichnete das Einzug mit der deutschen Delegation unter dem Jubel der Zuschauer als „Gänsehautmoment“.  Teamkollege Patrick Haberland faszinierte vor allem die Internationalität der Feier und der Weltspiele. „So viele Leute aus so vielen verschiedenen Ländern – das war schon beeindruckend“, sagte Haberland. Für die Neusser war diese Größenordnung in Abu Dhabi völlig neu. „Die Weltspiele sind mit den nationalen Spielen in Kiel nicht zu vergleichen“, sagte Tennisspieler Jaeschke, „in Abu Dhabi waren es ganz andere Dimensionen.“ 7500 Athleten aus 190 Ländern, 24 Sportarten, 20.000 freiwillige Helfer und etwa 500.000 Zuschauer sprechen eine klare Sprache.

Neben den sportlichen Wettbewerben erwartete die Neusser in Abu Dhabi ein buntes Rahmenprogramm – sei es der Ausflug zur Formel-1-Rennstrecke oder der Besuch einer internationalen Schule im Vorfeld der Spiele. Auch das Gesundheitsprogramm „Healthy Athletes“ war Teil der Spiele. Gerade auf internationaler Ebene wird dem eine große Bedeutung zugeschrieben, da die Athleten, die aus Ländern mit einer schlechten Gesundheitsversorgung kommen, dort einen professionellen Gesundheitscheck erhalten können. Doch auch der Neusser Silbermedaillengewinnerin Beate Heydorn von den Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) half das Programm in Hinblick auf ihre gerade im Tischtennis so relevante Sehschwäche. Mit ihrer neu erhaltenen Brille will sie demnächst wieder angreifen. „Wenn ich die demnächst anhabe, gewinne ich Gold“, scherzte sie.

Die nächsten Weltspiele von Special Olympics finden 2023 in Berlin statt. Tischtennis-Headcoach Thomas Gindra von der GWN regte gestern in Richtung Bürgermeister Breuer an, Neuss als sogenannte „Host Town“ statt der Weltspiele anzumelden. Dabei handelt es sich um Städte, in denen die Sportler aus aller Welt ein Kulturprogramm im Vorfeld der Weltspiele absolvieren. Das gesteigerte Interesse der deutschen Presse sei bereits in Abu Dhabi zu spüren gewesen, erläuterte Gindra. „Durch die kommenden Weltspiele in Berlin ist die Aufmerksamkeit in den deutschen Medien geweckt worden“, so Gindra.

Jutta Zülow nutzte den goldenen Anlass der erfolgreichen Weltspiele, um der Tandem-Gruppe einen neuen Kleinbus zu übergeben. Unter anderem sollen damit Sportler mit geistiger Behinderung zum Training und zu Wettkämpfen gebracht werden. Die Neusser Erfolgsgeschichte der Special Olympics kann also weitergehen.