Tandem-Tag auf Gut Gnadental : Sport testen ohne Berührungsängste

Am Samstag steht auf Gut Gnadental bereits die 15. Auflage des Tandem-Tags auf dem Plan. Das integrative Sportfest verspricht den Besuchern mit seinem prallen Programm und seinen hochkarätigen Gästen emotionale Stunden.

Es ist angerichtet für den 15. Tandem-Tag am Samstag von 10 bis 16 Uhr auf Gut Gnadental. Als prominenter Gast hat jetzt auch Sarah Voss ihr Erscheinen angekündigt. Doch die Olympiateilnehmerin von Tokio 2021 schaut beim integrativen Sportfest der Tandem-Stiftung Burkhard Zülow nicht bloß vorbei. Gegen Mittag wird die 22-Jährige im Innenhof eine Kostprobe ihres turnerischen Könnens geben – und allen, die ihre Fähigkeiten selbst auf der Matte ausprobieren möchten, wird sie auch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Genau das macht das Besondere an diesem Sportfest aus: Jeder kann dort alles ausprobieren, was auf dem sportlichen Programmzettel steht, unter fachkundiger Anleitung und ohne die Angst, sich zu blamieren. „Wir bieten Sport für alle, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, egal welchen Alters – und egal, ob talentiert oder nicht,“ sagt Nadia Ehning. Die 2. Vorsitzende der Tandem-Stiftung geht selbst mit gutem Beispiel voran: Sie betreut das Voltigierangebot auf der zum Gut gehörenden Obstwiese. Und wer das Turnen auf dem hölzernen Übungspferd ausprobieren möchte, könnte kaum in besseren Händen sein als bei der dreifachen Welt- und Europameisterin in dieser Disziplin, die sogar ein Buch mit Trainingstipps für Anfänger und Fortgeschrittene geschrieben hat.

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Die große Wiese bietet Platz für weitere Betätigung: Bogenschießen etwa, betreut von der Jugendeinrichtung „Das Haus“, oder das integrative Fußballspiel (Anstoß 11 Uhr) unter Leitung von Markus Bausch, das Aktiven wie Zuschauern gleichermaßen Spaß bereitet. Neu ist eine Boulebahn, auf der Mitglieder der aufstrebenden Bouleabteilung der DJK Gnadental Anfängern und Fortgeschrittenen zur Hand gehen. Gleich nebenan sind ein Tennis-Kleinspielfeld und ein Handballtor aufgebaut. Hauptort des Geschehens ist allerdings der Innenhof, nicht nur, weil hier Würstchen und Kuchen, Wasser und Limo, Kaffee und T-Shirts mit dem Tandem-Logo verkauft werden. Hier gibt’s auch Musik, vom Shanty-Chor Neuss und später von „Super Jazz“, hier wartet der Rollstuhlparcours darauf, ausprobiert zu werden, hier gibt’s Vorführungen und Mitmachangebote wie Tischtennis, Judo und Ringen. Und hier wird am Nachmittag die reich bestückte Tombola verlost, deren Erlös ebenso wie der aus den Verkaufsständen eins zu eins in die ganzjährigen Aktivitäten der ansonsten allein durch Spenden finanzierten Tandem-Stiftung fließt. Hauptgewinn ist eine Reise nach Berlin zur Eröffnung der Special Olympics National Games am 19. Juni, aber auch Eintrittskarten für Fußball-Bundesligaspiele des 1. FC Köln und von Bayer Leverkusen sollten ebenso Kaufanreiz für ein Los (oder mehrere) sein wie ein Fahrrad.

Es ist also alles angerichtet für den 15. Tandemtag, die Wetterprognosen versprechen einen schönen Frühsommertag – und trotzdem treibt Jutta Zülow eine Sorge um. „Ich hoffe nur, dass genügend Menschen mit Beeinträchtigung den Weg zu uns finden, denn für sie machen wir ja das Ganze,“ sagt die Stiftungs-Vorsitzende und Hausherrin auf Gut Gnadental. Keine ganz unberechtigte Sorge, schließlich ist während der vergangenen beiden Jahre der Sportbetrieb in Behinderteneinrichtungen, -werkstätten und Förderschulen fast gänzlich zum Erliegen gekommen.

Die Kanuten jedenfalls haben das Training in der integrativen Gruppe des Neusser Kanu-Clubs unter Leitung von Wolfgang Walter wieder aufgenommen – ihre für 12.30 Uhr geplante Ankunft am „Wiesenwehr“ der benachbarten Erft ist stets einer der emotionalen Höhepunkte eines an Emotionen reichen Tages. Der um 10 Uhr mit der gemeinsamen Tandem-Tour entlang der Erft beginnt. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, beim „Rennen“ am 1. Mai in Büttgen noch nicht in der gewohnten Form, der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer, Kreissportbund-Vorsitzender Hermann-Josef Baaken haben ebenso wie Ex-Innenminister Ingo Wolf, seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender der Sportstiftung NRW, und weitere Prominente zugesagt, auf den Spezial-Tandemrädern in die Pedale zu treten. Das freut Jutta Zülow. Doch noch mehr würde sie freuen, „wenn die Tandems den ganzen Tag über nicht zum Stillstand kommen, weil so viele Menschen, vor allem solche mit Beeinträchtigung, sie ausprobieren möchten.“ Das Fahren ist, wie alles an diesem Tag (mit Ausnahme von Essen und Trinken), ein kostenloses Vergnügen.