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SV Rosellen: Tobias Haitz spielt bei Kleinfeldfußball-WM

Socca-Weltmeisterschaft 2022 : Deutsche Kleinfeld-Fußballer ganz groß

Bei der Socca-WM in Budapest mit acht Spielen binnen acht Tagen über zweimal 20 Minuten scheitert Tobias Haitz, Trainer der Landesliga-Fußballerinnen des SV Rosellen, mit der Nationalmannschaft des DKFV erst im Halbfinale.

Bei ihrem Sturm an die Tabellenspitze der Landesliga mussten die Fußballerinnen des SV Rosellen auf ihren Cheftrainer verzichten. Während das Team um die in drei Spielen schon wieder sieben Mal erfolgreiche Torjägerin Selina Görres Siege über den Düsseldorfer SC 99 (8:0) und Viktoria Anrath (1:0) feierte, schnürte Tobias Haitz nämlich für Deutschland die Stiefel und schaffte es mit der Nationalmannschaft des Deutschen Kleinfeld-Fußball-Verbandes (DKFV) beim in Budapest ausgetragenen Turnier um den World Cup auf Platz vier.

Nicht schlecht für den erst vor zehn Jahren gegründeten Verband, dessen Wurzeln im Universitätssport liegen (dort existiert auch ein Ligenspielbetrieb mit Standorten etwa in Düsseldorf, Bonn, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Konstanz, Kiel, München und Potsdam) und der dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) weder angehört noch von ihm unterstützt wird. Und doch: 2018 in Lissabon ging der Titel bei der erstmals ausgespielten Weltmeisterschaft der International Socca Federation (ISF) an die deutsche Mannschaft, die im Finale Polen vollkommen überraschend mit 1:0 bezwang.

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Da war Tobias Haitz noch nicht dabei. Seine Karriere im Trikot der deutschen Socca-Auswahl begann erst 2020 und dem Ende seiner Profilaufbahn, die der ehemalige U19-Nationalspieler nach Stationen bei Bayer Leverkusen II, NEC Nijmegen, Viktoria Köln und Alemannia Aachen sowie dem Drittligisten Sportfreunde Lotte, für den er wegen eines Risses der Gelenkklippe in der Hüfte indes kein Spiel mehr bestritt, im Sommer 2018 mit nur 26 Jahren hatte ausklingen lassen. Vom Fußball wollte der inzwischen als selbstständiger Vertriebspartner für den Finanzberater Swiss Life Select tätige Verteidiger aber nicht ganz lassen. Aktuell kickt er direkt vor der Haustür für den Bezirksligisten TSV Solingen, gibt bei Spielkollisionen jedoch den Mädels des SV Rosellen den Vorzug. Die hatte er schon in der vergangenen Spielzeit als Nachfolger der von Bord gegangenen Melanie Hasselbring übernommen.

Auf dem Kleinfeld, das nur rund halb so groß ist wie ein normaler Fußballplatz, gehört er mittlerweile zu den Etablierten. Seit seinem Debüt vor zwei Jahren war er in allen 15 Länderspielen dabei, besitzt unter seinen eher selten höher als Oberliga spielenden Teamkollegen mit zehn Einsätzen in der niederländischen Eredivisie quasi einen Sonderstatus. Im Kick auf das nur vier mal zwei Meter große Tor mache ihn das aber per se keineswegs zu einem besseren Spieler, räumt er ein. „Das ist ein ganz anderes Spiel. Weil der Kunstrasenplatz so klein ist, ist die Intensität extrem hoch. Du hast permanent Druck, stehst immer im Zweikampf.“

Doch obwohl der Sport in Osteuropa ähnlich wie seine Hallenvariante Futsal professionell betrieben wird – in Polen gibt es sogar eine Art Bundesliga – schlugen sich die Amateure mit dem Adler auf der Brust in Budapest wacker. Als Sieger der Vorrunde warf der schon 2019 auf Kreta entthronte Weltmeister (Aus in der Vorrunde) im Achtelfinale Gastgeber Ungarn aus dem Turnier. Die Erinnerung an den in einem Hexenkessel erst im Penalty-Shootout eingebrachten 3:2-Erfolg löst ihn Tobias Haitz immer noch ein gewaltiges Glücksgefühl aus. „Das war unglaublich!“ Über die Ukraine zog er mit seiner Mannschaft ins Halbfinale ein. Dort wartete in Brasilien der Topfavorit auf die nur mit neun Feldspielern (erlaubt war ein 15-Mann-Kader) angetretene und mit vielen Debütanten bestückte Auswahl von Bundestrainer Malte Froehlich. „Die WM hätte eigentlich im Juni in Mexiko stattfinden sollen, war dann kurzfristig aber in den September verlegt worden, und da hatten einige Stammspieler keinen Urlaub mehr“, erklärt Haitz. Zur Pause führten die Deutschen zwar mit 1:0, doch in den zweiten 20 Minuten gingen ihnen schlichweg die Körner aus. Als sie beim 1:2 ihren Torwart durch einen sechsten Feldspieler („Flying Goalkeeper“) ersetzten, machten die einfach wesentlich frischeren Südamerikaner mit drei weiteren Treffern alles klar. Auch das fast direkt im Anschluss ausgetragene Spiel um Rang drei gegen Polen endete mit einer Niederlage.

Und damit richtet Tobias Haitz seinen Blick bereits aufs nächste Jahr. 2023 findet die Kleinfeldfußball-WM nämlich in Essen statt.