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Kanu: Supergirl hat das WM-Finale fest im Blick

Kanu : Supergirl hat das WM-Finale fest im Blick

Anna Faber vom WSC Bayer Dormagen geht morgen bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Kanu-Slalom an den Start.

Vor gut anderthalb Wochen war Anna Faber noch als Superwoman im Einsatz - als Mitglied einer Gang von Superhelden, die am Bettina-von-Arnim-Gymnasium in Dormagen ausgelassen ihre Zulassung zum Abitur feierte. Der blauhaarige Clown, ihr mit Abstand schlimmster Feind, kann freilich durchatmen, denn auf Anna "Supergirl" Faber wartet aktuell ein anderes Abenteuer: Morgen beginnen für die 18-Jährige auf der Olympiastrecke von Sydney im australischen Penrith die Junioren-Weltmeisterschaften im Kanu-Slalom.

Gemeinsam mit Karolin Wagner (Leipziger KC), Leo Bolg (Kanu Schwaben Augsburg) und Florian Breuer (Augsburger KV) formiert sie die kleine, aber feine Auswahl des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). "Wie unsere Mannschaft sind auch fast alle anderen Nationen mit relativ kleinen Teams den weiten Weg nach Australien gegangen", sagt DKV-Cheftrainer Michael Trummer: "Wir konzentrieren uns voll auf die Einzel-Entscheidungen dieser WM." Im Kajak-Einer ist Anna Faber damit die einzige Deutsche. Das empfindet sie als Ehre, nicht als Belastung: "Nein, ich spüre keinen Druck. Dann würde ich mich total verrückt machen. Ich habe in der Qualifikation ja schon bewiesen, dass ich zu Recht hier bin." Genau wie ihre drei Teamkollegen in Australien hat sie auch die Fahrkarte für die Junioren-Europameisterschaften Anfang Juli in Skopje (Mazedonien) schon in der Tasche.

Ihre im Winter in intensiven Trainingseinheiten auf der Erft erarbeitete Form stimmt. "Mein Ziel ist erst mal das Finale", sagt sie jedoch vorsichtig, "ich kenne die Konkurrenz ja nicht". Aber eigentlich hat sie durchaus Größeres im Sinn: "Ich weiß, dass dann auch mehr möglich ist". Den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun - eine Taktik, die bislang stets aufgegangen ist. Darum hat die ehrgeizige Mannschafts-Vize-Weltmeisterin der Juniorinnen von 2013 trotz WM-Start ("Das ist schon echt ein Abenteuer!") auch ihre direkt im Anschluss anstehenden Abiturprüfungen in den Leistungskursen Englisch und Sport sowie in Mathe und Pädagogik fest im Blick. Allzu viel Zeit zur Vorbereitung bleibt ihr allerdings nicht. "Aber das ist ja mein Problem", sagt sie selbstbewusst. Es wird schon irgendwie gehen. "Ich bin jetzt nicht super gut", verrät sie - die Vornote 2,0 ist indes mehr als nur okay.

Der Plan für die nah- und mittelfristige Zukunft steht ebenfalls bereits: Als Mitglied der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg will die 18-Jährige mit dem Bachelorstudiengang "Global Business Management" ihre sportliche mit der beruflichen Karriere verbinden. Denn auch, wenn sie dem WSC Bayer Dormagen treu bleiben wird, der Wechsel an den Olympiastützpunkt Augsburg ist unumgänglich. "Wenn man gut sein will, muss man da hin." Das weiß sie genau. Und Anna Faber will gut sein, so gut, dass sie bei Olympia ins Wildwasser steigen darf: "2016 in Rio bin ich zwar schon 20, aber immer noch ein Küken. Die Teilnahme ist nicht unmöglich, aber sehr unrealistisch. Aber 2020 in Tokio könnte es klappen, wenn das auch immer viel mit Glück zu tun hat."

(NGZ)