19. Internationaler Quirinus-Cup des Neusser HV: Super-Cup zum dritten Mal an Ausrichter

19. Internationaler Quirinus-Cup des Neusser HV : Super-Cup zum dritten Mal an Ausrichter

Die Mischung, sie stimmte erneut beim bereits 19. Internationalen Quirinus-Cup des Neusser HV: Hier eine Spur Finesse, verkörpert durch die männliche C-Jugend von Dukla Prag, dort eine ordentliche Portion Power-Handball aus deutschen Landen, dargeboten vom Nachwuchs des Bundesligisten TuSEM Essen, und als Dessert schließlich den dritten Quirinus-Super-Cup in Folge für den Neusser HV als verdiente Bestätigung für eine sowohl sportliche als auch organisatorische Klasseleistung.

Für gut gefüllte Hallen wie hier in der mit 1200 Zuschauern "rappelvollen" Stadionhalle an der Jahnstraße sorgte der Cup. Fotos: Andreas Woitschützke

Folglich durfte Schirmherr Monsignore Dr. Hans Dieter Schelauske getrost feststellen: "Unter den zahlreichen sportlichen Aktivitäten in Neuss nimmt der Quirinus-Cup eine besondere Stelle ein. Er war von Anfang an als Internationale Jugendbegegnung geplant, und diese Idee besteht auch nach neunzehn Jahren fort." Ein Treffen auf höchstem sportlichen Niveau. "Das ist für viele Mannschaften fast wie eine kleine Weltmeisterschaft", meinte der für die Pressearbeit zuständige Klaus Wehling stolz.

"WM-reif" präsentierte sich einmal mehr auch der Neusser HV: Turniersiege der weiblichen B-Jugend und der gemischten E-Jugend (siehe dazu Text am Fuß dieser Seite), abgerundet vom dritten Rang der männlichen C-Jugend und Platz vier der A-Junioren erbrachten in der Addition satte 65 Punkte und damit zum fünften Mal seit 1996 den Quirinus-Super-Cup. Haarscharf am zweiten Titel nach 1989 schrammte Dunaferr SE vorbei. Die Ungarn aus der Industriestadt Dunaujvaros kamen ebenfalls auf 65 Zähler, erzielten in den Finalspielen jedoch insgesamt vier Treffer weniger als der NHV. Rang drei sicherte sich TuSEM Essen mit 40 Punkten.

Monsignore Schelauske überrascht dem Kapitän der E-Jugend des Neusser HV den Pokal.

Das packendste Duell der Finalrunde am Pfingstsonntag in der wie stets zum Bersten gefüllten Stadionhalle an der Jahnstraße lieferten sich sicherlich die weiblichen B-Juniorinnen der Gastgeber und von Sokol Pisek aus Tschechien. Beim Zwischenstand von 8:5 im zweiten Abschnitt schien das von Jörg Hermes betreute NHV-Team, im vergangenen Jahr schon bei der C-Jugend siegreich, einem klaren Triumph entgegenzusteuern, zumal die später zurecht als beste Torhüterin ausgezeichnete Vera Kraft auch noch einen Siebenmeter von Katerina Dvorakova parierte. Dann aber musste ausgerechnet Jugendnationalspielern Maike Daniels nach allzu energischem Protest für zwei Minuten auf die Strafbank. "Da haben wir ein bisschen den Faden verloren", räumte Wehling ein.

Die erfolgreiche weibliche B-Jugend des Neusser HV vor dem Finale.

Pisek konterte eiskalt, glich durch Tore von Katerina Kuclikova (2), die hinterher zur besten Spielerin der weiblichen B-Jugend gekürt wurde, und Lanka Razabkova zum 8:8 aus. Anna Mostert besorgte für Neuss das 9:8, doch nach dem 9:9 von Razabkova vier Sekunden vor Schluss deutete alles auf eine Verlängerung hin. Denkste! Mit nur noch "Vierzehnteln" auf der Spieluhr setzte Linksaußen Alexandra Wehling das Leder zum 10:9-Sieg ins Netz. NHV: Kraft; Lissy Wagner (2), Julia Henneberg, Miriam Patock, Sandra Möller, Jagoda Wydra (2), Maike Kuhnert (1), Daniela Schmidt, Maike Daniels (1), Anna Mostart (3), Alexandra Wehling (1) und Helen Klein (1). Weniger Dramatik, dafür aber Jugendhandball auf hohem technischen Niveau bot das Finale der männlichen C-Jugend zwischen MSS Lugansk und Dukla Prag.

Jagoda Wydra, hier beim Tempogegenstoß, erzielte im Finale zwei Treffer, rechts Auswahlspielerin Maike Daniels.

Die Ukrainer stellten mit Oleksandr Kyrilenko zwar den besten Akteur, konnten aber den 14:11-Erfolg Duklas nicht verhindern. Einen schweren Stand hatte mit dem Team Pskov auch ein anderer Vertreter aus der ehemaligen Sowjetunion. Der Nachwuchs aus der Neusser Partnerstadt musste sich bei der männlichen D-Jugend mit dem dritten Platz zufrieden geben - trotz fünf Trainingseinheiten in der Woche. Kein Wunder, dass der technische Direktor Wladimir Bannikow, mit elf Teilnahmen beim Cup fast schon zu einer Institution geworden, anerkennend bilanzierte: "Das Niveau ist besser geworden." Schmerzlich am eigenen Leib erfahren musste dies auch der Nachwuchs des Bundesligisten TuSEM Essen, der in zwei Endspielen stand - und beide verlor.

Bei der männlichen B-Jugend fand der Westdeutsche Vizemeister um den impulsiven Trainer Ion Bondar kein Mittel gegen die Spielkünste eines Gabor Czaszar, der ebenso die Auszeichnung zum besten Spieler seiner Altersklasse verdient gehabt hätte wie Teamkollege Gyözö Tomori. Dunaferr SE gewann deutlich mit 13:9. Die hart zupackende Abwehr der Ungarn hielt Zubai Szabolcs zusammen, auf den bei der Siegerehrung noch ein ganz besonderes Schmankerl wartete: Der Beau mit den blondgefärbten Haaren heimste den Ehrentitel "Mister Quirinus" ein, was ihm immerhin das Vergnügen bescherte, auf Tuchfühlung zu Agnes Hornyas (Dunaferr), der schnuckeligen "Miss Quirinus", zu gehen. Keine Zeit für derlei Kinkerlitzchen hatte die männliche A-Jugend aus Essen.

Das Team aus der Ruhrgebietsmetropole, das, so war zu hören, in der kommenden Saison ernsthaft am Thron des im Jugendbereich führenden SC Magdeburg rütteln soll und deshalb mit einem üppigen Etat ausgestattet sei, hatte beim 12:10 im Halbfinale die Hoffnungen des Neusser HV auf eine erneute Finalteilnahme zerstört. Gegen die DJK/BTB Aachen aber waren die "Kraftbolzen" mit ihrem Latein am Ende. Die körperlich deutlich unterlegenen Mannen um Coach Erik Wudtke zerlegten Essen genüsslich in alle Einzelteile, konnten sich dabei auch auf die Dienste ihres reaktionsschnellen Torwarts Tim Schmitz verlassen. Vorne führte Matthias Flohr glänzend Regie. Eigentlich ein Mann für den TSV Bayer Dormagen, der in Neuss unter anderen durch Trainer Kai Wandschneider und den sportlichen Leiter Uli Derad vertreten war.

Doch das Riesentalent, dem NHV-Trainer Uli Schmitz eine "sehr gute Zukunft" prophezeit, ist sich bereits mit dem Zweitligisten Ahlener SG einig. Höhe- und zugleich Schlusspunkt der sehenswerten Vorstellung des BTB war ein von Richard Graefe initiierter und von Flohr und David Breuer abgeschlossener doppelter Kempa-Trick. So macht Handball Spaß. Den hatte auf den Rängen auch der Anhang des VfL Oldenburg. Die mit sechs Leistungsmannschaften angereisten Gäste aus Norddeutschland - mit dem Quirinus-Cup beendete der Klub seine Saison - sorgten auf den Rängen für mächtig Wirbel, lieferten sich beim Finale der weiblichen A-Jugend ein lautstarkes Fan-Duell mit den Anhängern aus Dunaujvaros. Die vom Stahlwerk "Dunaferr" gesponsorten Ungarinnen hatten in Agnes Hornyak eine ebenso robuste wie wurfgewaltige Spielführerin in ihren Reihen.

Tränen: Piseks B-Jugend nach der Niederlage im Finale.

Die 18-jährige hatte sich bereits im Vorjahr beim Finalsieg über HSG Menden-Lendringsen als beste Spielerin hervorgetan. Beim VfL, deren Top-Torjägerin Svenja Blancke sich in keiner Phase der ihr verpassten kurzen Deckung zu entziehen wusste, machte sich schnell Resignation breit, so dass am Ende der 2x12-Minuten ein ungefährdeter 13:6 von Dunaferr SE stand. Dass das spielerische Niveau nicht in allen Endspielen Spitzenwerte erreichte, konnte die Experten nicht weiter verwundern. "Am Ende eines dreitägigen Turniers sind Kraft und Konzentration eben fast aufgebraucht", warb Uli Schmitz um Verständnis. Immerhin hatten für viele Mannschaften nach den anstrengenden Gruppenspielen freitags und samstags am Sonntagmorgen noch die Halbfinals auf dem Programm gestanden. Das schlaucht.

"Mister" und "Miss Quirinus": Zubai Szabolcs und Agnes Hornyak.

Wolfgang Spangenberger, Jugendleiter des NHV und seit vielen Jahren für die Organisation des Mammut-Turniers mit an die 2.500 Sportler aus 14 Nationen zuständig, war trotzdem zufrieden. "Wir haben wieder mal guten Handball gesehen." Mit Freude registrierte er außerdem, dass sogar noch mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr den Weg in die Stadionhalle gefunden hatten. Dass die sich in Geduld fassen mussten - das erste Endspiel begann erst mit rund 90-minütiger Verspätung - gehört mittlerweile fast schon zum Charme des Cups. Trotz ihrer ihrer Größenordung ist die Veranstaltung bis heute das geblieben, was sie schon immer war. "Ein Turnier mit Herz", brachte es NHV-Vorsitzender Holger Trappen auf den Punkt.