Galopp : Suborics steigt aus dem Sattel

Überraschend gab Starjockey Andreas Suborics am Sonntag seinen Abschied aus dem Rennsattel bekannt. Die Ärzte hatte ihm von einer Fortsetzung seiner Laufbahn abgeraten. Auf der Neusser Galopprennbahn gehörte der gebürtige Wiener zu den Publikumslieblingen.

Auch bei den Rennen in Neuss war Andreas Suborics immer einer der Publikumslieblinge. Und er kam auch zu den Rennen, als er verletzt war und nicht reiten konnte. Sein letzter Ritt am Hessentor war sogar ein Sieg. Geschehen am 9. März 2008 mit dem Wallach Le Big aus dem Gestüt Wittekindshof.

Nun ist seine große Jockeylaufbahn vorbei und das Ende seiner erfolgreichen Sattelkünstlerzeit mit insgesamt 1540 Siegen in 23 Jahren verkündete er dort, wo er in Deutschland am 1. November 2009 seinen letzten Ritt auf einer deutschen Galopprennbahn absolvierte. Es war am Sonntag vor dem Großen Preis der Mehl-Mülhens-Stiftung auf der Neuen Bult in Langenhagen bei Hannover, als der 38 Jahre Wiener dem etwas überraschten Moderator berichtete: "Ich werde keine Rennen mehr reiten. Die Ärzte haben mir davon dringend abgeraten. Daran halte ich mich. Aber ich werde weiter im Galopprennsport bleiben. Er ist mein Leben, er hat mir so viel gegeben, das will ich nicht aufgeben."

Auf Anraten der Ärzte

Die Ratschläge der Ärzte mit dem Verbandsmediziner Dr.Peter Wind aus Hamburg an der Spitze sind nicht verwunderlich. Suborics hat Unfälle hinter sich, die im Grunde keine andere Entscheidung zuließen. Ein doppelter Schlüsselbeinbruch bei einem Sturz am 24.September 2005 in Köln war dabei noch eine Harmlosigkeit. Am 29. Januar 2005 zog er sich in Japan schwerste und lähmungsgefährdende Brustwirbelverletzungen zu, wurde mit dem ADAC-Hubschrauber nach Köln geflogen und dort an einem Karnevals-Dienstag erfolgreich operiert. Danach war nichts mehr wie vorher. Er wurde zunehmend vorsichtig und auch ängstlich. Im März 2010 verunglückte er beim Morgentraining auf der Bahn von Sha Tin in Hongkong: "Zunächst habe ich an eine harmlose Gehirnerschütterung geglaubt. Deshalb bin ich auch erst später operiert worden."

Zwei Mal wurde ihm der Schädel aufgesägt, es hatte sich ein Hämatom in der Schädeldecke gebildet, innere Blutungen kamen hinzu. Der Sohn eines Konditors aus dem 15.Wiener Bezirk erholte sich auch davon wieder und wollte wieder Rennen reiten. Bis die Ärzte das Schlusswort sprachen.

1987 gewann er in Wien mit Donjana sein erstes Rennen. Drei Mal war er Deutscher Champion, das Deutsche Derby gewann er 2004 mit dem Hengst Shirocco. In München-Riem hat er an einem Tag sieben Rennen gewonnen und insgesamt 81 Rennen der Europa-Gruppe-Kategorie siegreich beendet.

Suborics gilt als einer der Sympathieträger der Szene, wird gern zu VIP-Talks in Baden-Baden gebucht. Über seine Zukunft denkt er dennoch kritisch: "Das wird kein einfacher Weg. Ich werde aber nicht verhungern. Auf keinen Fall werde ich Trainer, das macht in diesen schweren wirtschaftlichen Zeiten keinen Sinn." Suborics wird sich zum Team der neuen Betreiber der Rennen in Baden-Baden/Iffezheim gesellen, eine Agentur für Rennpferde-Transfers gründen und sich als Rennstallmanager versuchen.

Das macht er derzeit schon für den ehemaligen Fußball-Profi Markus Münch, der in Langenhagen zwei Rennen gewonnen hatte. Eigentlich wollte Suborics auch Fußballprofi werden, war über Viktoria Wien in der Jugend Leihspieler bei der Wiener Austria, doch bei der Größe von nur 1,64 Meter zog es ihn zu den Rennpferden, weil er mit Puderzucker und Schlagobers aus dem elterlichen Betrieb wenig anfangen konnte.

(NGZ)
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