TSV Bayer und TBV Lemgo - "Mannschaften der Stunde": Stunde der Wahrheit für Dormagens Serie

TSV Bayer und TBV Lemgo - "Mannschaften der Stunde": Stunde der Wahrheit für Dormagens Serie

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Vor ein paar Wochen gehörten sie noch zu den am heftigsten krisengeschüttelten Klubs der Handball-Bundesliga. Doch wenn sich am Mittwoch um 19.30 Uhr der TSV Bayer Dormagen und der TBV Lemgo in der Dormagener Dreifachhalle gegenüberstehen, kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden "Mannschaften der Stunde": Die Gastgeber gewannen zuletzt drei Spiele, die Ostwestfalen sogar fünf Meisterschaftspartien in Folge. Eine der beiden Serien muss also heute Abend unweigerlich zu Ende gehen - fragt sich nur, welche das sein wird. In der Jugend Teamgefährten, nicht nur Mittwoch Abend Kontrahenten: Florian Kehrmann (links) und Mirko Bernau dürften sich auch um die Rechtsaußenposition in der Nationalmannschaft streiten. Heute spielen beide aber im Rückraum.

Gudmundur Gudmundsson hofft, dass es nicht die seine ist: "Wir möchten die kleine Serie zu einer großen machen", sagt er frei heraus, verhehlt aber auch nicht: "Das wird ein ganz schweres Spiel. Ich habe Lemgo jetzt mehrfach auf Video gesehen, die haben sich mächtig gesteigert gegenüber von vor drei oder vier Wochen". Verschmitzt fügt der Isländer an: "Wir aber auch". Offensichtlich haben die so arg gebeutelten Chemiestädter durch die zwei Auswärtssiege in Folge in Wuppertal und Nordhorn deutlich an Selbstvertrauen zugelegt.

"Aber wir stehen immer noch auf einem Abstiegsplatz, und wir haben immer noch zwei Linkshänder nur auf der Tribüne sitzen", warnt Gudmundsson angesichts der Tabellenkonstellation und der immer noch verletzten Christian Ericsson und Holger Beelmann (er hat inzwischen das Krankenhaus verlassen) vor übertriebenen Erwartungen. Auch vor solchen an den vor einer Woche verpflichteten, 40-fachen österreichischen Nationalspieler Viktor Szilagyi: "Er hat am Montag nur kurz mittrainiert und dann am Dienstag. Da müssen wir erst einmal abwarten, wie er spielt".

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Anfangen wird der 22-jährige gebürtige Ungar nicht, der nur im linken Rückraum eingesetzt werden kann. Und das vorzugsweise im Angriff, "hinten können wir ihn höchstens in der 6:0-Deckung bringen", meint Gudmundsson. Und ob er die gegen Lemgo spielt, lässt er offen. Das dürfte ein interessantes Abtasten werden in den Anfangsminuten. denn TBV-Trainer Juri Schewzow will von der Dormagener Deckungsformation abhängig machen, wen er auf die stammspielermäßig verwaiste Mittelposition stellt: Daniel Stephan befindet sich in Reutlingen zu Reha-Maßnahmen für seinen lädierten Daumen, Andrej Siniak musste sich am Sonntag einer Notoperation am Blinddarm unterziehen, während seine Mannschaftskameraden bei Partizan Belgrad mit 20:19 gewannen. Dort führte Linkshänder Florian Kehrmann Regie, wird dies heute wohl dann tun, wenn die Gastgeber auf ihre in Nordhorn mit Erfolg praktizierte 6:0-Formation zurückgreifen.

Lässt Gudmundsson dagegen 3-2-1 decken, erscheint Junioren-Nationalspieler Alexander Koke Schewzow als der geeignetere Mittelmann. Der Ex-Olympiasieger hegt ansonsten den größten Respekt vor den "drei Dormagener B's" Mirko Bernau, Jacek Bedzikowski und Rafal Bernacki. Und auch vor Viktor Szilagyi, der dem TBV vor zwei Monaten im Europapokal, damals noch im Trikot des ATSV Innsbruck, im Hinspiel (16:31) vier, im Rückspiel in Lemgo (29:32) sogar neun Gegentore, davon drei per Siebenmeter, einschenkte. Doch er relativiert auch die Torgefährlichkeit des 1,95 Meter langen Rechtshänders: "Da muss man erst einmal abwarten, wie er sich in der neuen Umgebung zurechtfindet".

Egal, welche Deckungsvariante Gudmundsson wählt, eins steht für ihn fest: "Wir müssen sehr offensiv und sehr aggressiv decken". Auf der anderen Seite "müssen wir versuchen, die langen Kerls in der Lemgoer Abwehr in Bewegung zu halten". Vor der er Respekt hegt: "Lemgo hat eine starke 6:0-Abwehr und gute Gegenstöße". Ähnliches hatte der Isländer auch vor der Partie in Nordhorn gesagt - und die endete mit Dormagens 28:25-Sensationssieg. Dazwischen sind zehn für Dormagen spielfreie Tage vergangen, so dass Gudmundsson feststellt: "Ich bin selbst einmal gespannt auf die heutige Partie".

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