Korschenbroich: Streit um zentrale Fronleichnamsfeier

Korschenbroich: Streit um zentrale Fronleichnamsfeier

In den fünf Korschenbroicher Pfarren brodelt es: Am 7. Juni wird es nur noch eine zentrale Fronleichnamsprozession geben. Mit Unverständnis reagieren die beteiligten Schützen-Bruderschaften darauf, dass in den Gemeinden vier Prozessionen ersatzlos gestrichen werden.

Mit einer zentralen Fronleichnamsprozession reagiert die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Korschenbroich auf den andauernden Personalmangel im Seelsorgebereich. Und so gab es in einer der jüngsten Sitzungen des GdG-Rates ein einstimmiges Votum für eine zentrale Fronleichnamsfeier.

Erstmals soll es dann in diesem Jahr statt bislang fünf Prozessionen nur noch eine Fronleichnamsprozession im Korschenbroicher Stadtgebiet geben. Das bestätigte Leitender GdG-Pfarrer Frank Josef van de Rieth gestern auf Anfrage der NGZ. Unberührt von der Neuerung ist die Glehner Gemeinde St. Pankratius, die zum Seelsorgebereich Neuss-West/Korschenbroich gehört. Pfarrer Michael Tewes: "In Glehn bleibt es beim vertrauten Prozessions-Rhythmus."

Zentralprozession beginnt in Pesch

Die Zentralprozession beginnt in Pesch auf dem Kirmesplatz "Krampe Dämm" und führt dann bis zur Pfarrkirche St. Andreas in den Ortskern. Mit dem einstimmigen Beschluss des GdG-Rates unter dem Vorsitz von Gabriele Hünemeyer kommt es zu einer Zäsur: Mit der Entscheidung für eine Zentralprozession fühlen sich gleich alle Schützen-Bruderschaften im betroffenen Stadtgebiet übergangen.

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Die Liedberger Sebastianer sind außer sich: "Wir begleiten seit 30 Jahren die Prozessionen, sind seit zehn Jahren maßgeblich an der Organisation beteiligt. Und jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen." Für Heribert Blankenstein ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Der stellvertretende Brudermeister der St.-Sebastianus-Bruderschaft Liedberg schüttelt den Kopf: "So geht das nicht."

Heribert Blankenstein fühlt sich genauso überrollt wie Brudermeister Josef Schnock: "Wir haben schon lange alles organisiert." In diesem Jahr soll die Nachbarschaft in Drölsholz den Altar aufbauen, die Musik ist bestellt, selbst ein Pater wurde organisiert. "Wir waren im Nikolauskloster. Pater Ziffels würde wie im Vorjahr, die Zustimmung von Präses van de Rieth vorausgesetzt, den Abschlussgottesdiensts in St. Georg feiern", sagt Schnock gegenüber der NGZ. "Wir stehen jetzt im Regen und wissen nicht, was zu tun ist." Was Schnock dabei besonders fuchst: "Offiziell wissen wir von nichts." Er wartet seit fast vier Wochen auf einen Gesprächstermin mit van de Rieth. Blankenstein hat die Hoffnung trotz GdG-Beschluss nicht aufgegeben. "Wir haben im Herbst Weihbischof Karl Borsch im Rahmen seiner Visitation gezielt auf Fronleichnam angesprochen. Für ihn war das kein Problem."

Für den 17. Juni hat die St.-Hubertus-Bruderschaft Herrenshoff eine Herz-Jesu-Prozession vorbereitet. Präsident Gerd Tschirner sieht sich daher nur indirekt betroffen. Aber auch er vermisst eine Rückmeldung von van de Rieth. Für Korschenbroichs Sebastianer-Präsident Peter Schlösser ist der Vorgang schon skandalös: "Hier werden Entscheidungen vorbei an den Bruderschaften getroffen, Jahrhunderte alte Traditionen ignoriert und engagierte Altar-Gemeinschaften unwiederbringlich zerschlagen."

(NGZ/rl)
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