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„Stiftung Sport“ im Rhein-Kreis Neuss mit neuer Anlagestrategie

Sportföderung im Rhein-Kreis Neuss : Neue Anlagestrategie für die „Stiftung Sport“

Für Stiftungen sind die Zeiten angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus alles andere als rosig. Dennoch schüttete die „Stiftung Sport“ im vergangenen Jahr fast 180.000 Euro zur Förderung des Leistungssports im Rhein-Kreis aus.

Die „schwarze Null“ hat ausgedient. Wenn Vertreter der Sparkasse in den vergangenen Jahren mit den Verantwortlichen der in ihrer Obhut befindlichen Stiftungen über die Zukunft sprachen, war stets von sinkenden Erträgen und Erlösen die Rede. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) im Frühjahr 2016 den Leitzins auf null senkte, sind andere als die klassischen Instrumente zur Finanzierung einer Stiftung gefragt.

Das gilt auch für die Stiftung Sport der Sparkasse Neuss und des Rhein-Kreises.  „Wir müssen in Zukunft noch stärker auf Aktien und Immobilien statt auf Rentenfonds setzen, um die Finanzierung der Stiftungsziele erreichen und erhalten zu können,“ sagt Volker Gärtner, Vorstandsmitglied der Sparkasse Neuss und ihr Vertreter im Vorstand der „Stiftung Sport“. Diese von Kuratorium und Vorstand „abgesegnete“ Anlagestrategie soll die Sportstiftung in die Lage versetzen, in den kommenden Jahren auf dem gleichen Niveau zu fördern wie im abgelaufenen.

178.908 Euro flossen 2019 in die Förderung des Leistungs- und Spitzensports im Rhein-Kreis. Im laufenden Jahr soll trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie in etwa die gleiche Summe ausgeschüttet werden, auch für 2021 plant Thomas Schütz, Leiter Leistungssport im Rhein-Kreis und Geschäftsstellenleiter der „Stiftung Sport“, mit ähnlichen Zahlen. Auch deshalb, weil das „Olympia-Perspektivteam“, das mit Blick auf die Sommerspiele 2020 in Tokio gebildet worden war, bestehen bleibt und bis zu einer eventuellen Austragung der Spiele im Juli und August kommenden Jahres gefördert wird.

Seine Mitglieder erhalten zusätzlich zu der an die Kaderzugehörigkeit gebundenen monatlichen Förderung durch die Stiftung eine Zusatzzahlung. Insgesamt 26 Sportlerinnen und Sportler aus dem Rhein-Kreis gehören einem Olympia- oder einem Perspektivkader an. Rund 75.000 Euro fließen in diese Individualförderung, der Rest der Fördersumme verteilt sich auf das Teilinternat am Dormagener Höhenberg sowie 15 von der Sportstiftung unterstützte „Projekte“. Die sind weitgehend identisch mit den im Rhein-Kreis vorhandenen zwei Bundesstützpunkten (Säbelfechten und Ringen weiblich) sowie den 13 anerkannten Landesleistungsstützpunkten.

„Das bedeutet, dass für eine funktionierende Sportförderung nicht nur Geld, sondern auch eine vernünftige sportliche Infrastruktur vorhanden sein muss,“ sagt Dieter Welsink. Der Präsident des Stiftungskuratoriums, gleichzeitig Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag, will deshalb das Thema Sportinfrastruktur auf die Tagesordnung der anstehenden Koalitionsgespräche und -verhandlungen setzen. In der Hoffnung, „dass der Kreistag auch in seiner neuen Zusammensetzung ein offenes Ohr für die Belange des Sports hat.“ Gleiches gelte für die neugewählten Ratsgremien der kreisangehörigen Kommunen. Vorrangig ist für Welsink der in Planung befindliche Bau einer Trainingshalle für Säbelfechten auf dem Campus des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden. „Wenn wir den nicht zeitnah vorantreiben, wird der Bundesstützpunkt geschlossen. Und wenn der einmal weg ist, bekommen wir den auch nicht wieder,“ sagt Welsink, der in Gesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erfahren hat, „dass beim DOSB im Zuge einer Zentralisierung eher die Tendenz besteht, Stützpunkte zu schließen oder zusammenzulegen als neue zu gründen“.

Die „Stiftung Sport“ ist dabei nur ein Eckpfeiler in der „Mischfinanzierung“, mit der Verbände, Vereine und Aktive den Sportbetrieb am Laufen halten. „Das funktioniert nur, wenn verschiedene Partner zusammenarbeiten, vom DOSB über die Deutsche Sporthilfe und die Sportstiftung NRW bis hin zu den Partnern für Sport und Bildung,“ sagt Thomas Schütz. Wie wichtig ein solches Netzwerk sei, habe nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt: „Die Sportler waren dankbar, dass alle Partner, auch wir als Stiftung, schon frühzeitig signalisiert haben, dass die Förderung fortgesetzt wird.“ Nicht zuletzt deshalb hat sich ein Großteil entschieden, ihre Karriere bis „Tokio 2021“ fortzusetzen.