20. Tour de Neuss Stelldichein der Sieger vor großer Kulisse in Neuss

Neuss · Bei der Tour de Neuss kommt es „Titelverteidiger“ Nils Politt neben den Top-Sprintern Pascal Ackermann und Phil Bauhaus auch mit Nico Denz, im Mai zweifacher Etappensieger beim Giro d’Italia, zu tun.

Nico Denz bejubelt seinen Sieg auf der 14. Etappe beim Giro d‘Italia über 194 Kilometer von Sierre nach Cassano Magnago.

Nico Denz bejubelt seinen Sieg auf der 14. Etappe beim Giro d‘Italia über 194 Kilometer von Sierre nach Cassano Magnago.

Foto: dpa/Massimo Paolone

Die Profis des deutschen WorldTour-Teams Bora-hansgrohe stießen am Sonntagabend mit Sponsoren und Familie auf einem Schiff in der französischen Hauptstadt an und feierten damit den überraschenden Sieg ihres belgischen Sprinters Jordi Meeus zum Finale der Tour de France in Paris.

Mittendrin Nils Politt, der am Mittwoch ebenso wie Nikias Arndt und der auf der hammerharten 17. Etappe nach zuvor famoser Vorstellung völlig entkräftet vom Rad gestiegene Phil Bauhaus (beide Team Bahrain Victorious) quasi direkt von der rund 3400 Kilometer langen Frankreich-Rundfahrt zur 20. Schindler Tour de Neuss kommt. Genug Körner für die 62 Runden über insgesamt 80,6 Kilometer mit Start und Ziel auf der Kaiser-Friedrich-Straße sollten indes übrig geblieben sein. ,„Das sind Energiebündel“, beruhigt Ralph Denk, Teamchef von Bora-hansgrohe. Trotz der Strapazen in den zurückliegenden Wochen und zum Teil übermenschlichen Anstrengung vor allem in den Pyrenänen und den Alpen fanden Politt und Arndt am Abschlusstag auf den Champs-Elysées sogar noch Gelegenheit, um vor den Mikrofonen der übertragenen TV-Stationen Werbung für die Tour de Neuss zu machen.

Politt, in der Quirinusstadt 2018 und 2022 ganz oben auf dem Siegertreppchen, könnte sich am Mittwochabend auch den Frust vom Desaster beim Radwechsel auf der 19. Tour-Etappe von der Seele fahren. Dem 29-Jährigen war 90 Kilometer vor dem Ziel, als er sich in der Ausreißergruppe des Tages befunden hatte, die Kette gerissen. Zwar war der neutrale Materialwagen schnell zur Stelle, doch beim ersten gereichten Rad passte die Pedale nicht, das zweite erwies sich dann als viel zu klein für den 1,92 Meter großen Hürther. So verlor er viel Zeit und büßte alle Chancen auf den möglichen zweiten Etappensieg seiner Karriere ein. Die Posse um seinen Flucht-Spezialisten kommentierte der Sportliche Leiter Rolf Aldag kopfschüttelnd. „Da kriegt Nils zwei Ersatzräder – ein Kinderfahrrad, ein Dreirad. Und bis er dann wieder auf seinem Rad war, ist natürlich Game over gewesen.“

Für das Rennen in Neuss gibt ihm der im Auftrag des Neusser Radfahrervereins als Sportlicher Leiter für die Zusammenstellung des Fahrerfeldes zuständige Markus Fothen darum schmunzelnd mit auf den Weg: „Ich hoffe, die neue Kette hält.“

Nicht zu halten war beim Giro d‘Italia im Mai Nico Denz. Das von Fothen zum ersten Mal für die Tour de Neuss verpflichtete Arbeitstier aus dem Team Bora-hansgrohe triumphierte auf der 14. Etappe nach 194 Kilometern von Sierre nach Cassano Magnago im Sprint einer Ausreißergruppe hauchdünn vor dem Kanadier Derek Gee. Nur zwei Tage vorher hatte der Radprofi aus dem Schwarzwald die zwölfte Etappe in Rivoli – ebenfalls als Ausreißer – gewonnen. „Das war pure Emotion für mich“, sagte 29 Jahre alte BWL-Student danach: „Ich habe seit fünf Jahren auf diesen Moment gewartet.“

In Neuss trifft der zweifache Vater auf harte Konkurrenz – allen voran Pascal Ackermann (UAE Team Emirates). Der 29-Jährige hatte beim Giro im Massenspurt nach Foto-Finish seinen ersten Etappensieg seit 2019 gefeiert. Dafür, dass er auf der Strecke im Wettstreit mit der hochkarätigen Konkurrenz um die beste Ausgangsposition nicht ganz ohne Unterstützung ist, könnte als „Edelhelfer“ sein für das Team Lotto Dstny tätiger Trainingspartner und ehemalige Teamkollege (Bora-hansgrohe) Michael Schwarzmann sorgen. Der wohnt nämlich in Kempten nur eine Stunde von dem gebürtigen Pfälzer entfernt. Ackermann lebt am Bodensee in der Nähe von Bregenz. Deswegen verbringen die Radprofis viel Zeit miteinander. Im Sommer sind die Freunde öfters zu Fuß und im Winter mit Tourenski in den Bergen unterwegs. Auch teilen sie sich eine Wohnung im spanischen Girona, um den kalten Wintermonaten im Allgäu zu entfliehen.

Die Bühne für ein packendes Sprintfinale ist also angerichtet. „Ein bisschen Sorge“ bereitet Fothen nur das Wetter, doch am Mittwoch soll es ja trocken bleiben.

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