Lokalsport : Stehende Ovationen für DHC

Fast hätte der DHC Rheinland GWD Minden gestern einen Strich durch seine Aufstiegsrechnung gemacht. Bei der unverdienten 27:31-Niederlage sorgten die Dormagener erstmals seit langem für Begeisterungsstürme bei 763 Fans

Am Ende fehlte nur die Kraft zur Sensation: Mit der wohl besten Leistung des letzten halben Jahres hatte der zum Zwangsabstieg verurteilte Handball-Zweitligist DHC Rheinland Tabellenführer GWD Minden am Rande einer handfesten Blamage. Obwohl die Dormagener kurzfristig auch noch auf den an der Schulter verletzten Bartosz Konitz verzichten mussten, hielten sie gegen die favorisierten Gäste bis in die Schlussphase mit und verdienten sich trotz der 27:31-Niederlage (Halbzeit 13:13) die stehenden Ovationen ihrer Fans unter den 763 Zuschauern vollkommen zu Recht.

Den Mindenern fehlt nach den beiden Siegen in dieser Woche gegen die insolventen Klubs aus Düsseldorf (35:17) und Dormagen nur noch ein Sieg, um den Aufstieg auch rein rechnerisch unter Dach und Fach zu bringen. In der Verfassung des gestrigen Abends dürften die Mindener allerdings in der Ersten Liga nichts verloren haben. Das sah wohl auch Trainer Ulf Schefvert so, der schon in der ersten Auszeit beim Stande von 4:2 für den DHC nach zehn Minuten wie Rumpelstilzchen durch die Halle hüpfte und nach dem Schlusspfiff auch der Pressekonferenz fern blieb.

Zur Ehrenrettung der Mindener muss freilich gesagt werden, dass sie auf hoch motivierte und bestens eingestellte Dormagener traf. "Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie nicht nur für Geld Handball spielt," meinte Trainer Richard Ratka. Das nährt seinen Optimismus, dass die Partie am kommenden Samstag in Saarlouis nicht der letzte Auftritt in dieser Saison sein wird. "Die Jungs haben es verdient, die Saison zu Ende zu spielen", meint der Trainer, doch das letzte Wort in dieser Angelegenheit spricht der Insolvenzverwalter.

Schade wäre es vor allem für Max-Henri Herrmann, falls er keine weiteren Gelegenheiten bekäme, sein großes Talent zu zeigen: Der Abiturient zwischen den Dormagener Torpfosten glänzte gestern Abend mit 14 gehaltenen Bällen und hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Hausherren zeitweise sogar mit drei Toren (9:6, 19.) in Führung lagen. Dagegen konnte sich Minden erst beim 20:16 (40.) absetzen und schien beim 25:20 (44.) einem standesgemäßen Sieg entgegen zu streben. Doch die Dormagener bewiesen oft vermisste Moral und kämpften sich, angetrieben vom Ex-Mindener Michael Hegemann, aufopferungsvoll wieder auf 24:25 (52.) heran. Doch diese Aufholjagd kostete zu viel Kraft - Kraft, die dem DHC dann in der Schlussphase zur nicht unverdienten Sensation fehlte.

(NGZ)