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Korschenbroich: Statt Pflegeheim - Wohnpark fürs Alter

Korschenbroich : Statt Pflegeheim - Wohnpark fürs Alter

Monika und Wolfgang Buchholz wagen im Alter noch einmal einen Neuanfang. Sie haben sich in einen Wohnpark in Wassenberg eingekauft. Ihr Vorschlag: "So ein Angebot sollte es auch in der Stadt Korschenbroich geben."

Vor 18 Jahren kamen sie nach Neersbroich: Monika (62) und Wolfgang (65) Buchholz. Sie machten den Ortsteil zu ihrem Lebensmittelpunkt, ihre Doppelhaushälfte zu ihrem kleinen Reich. Allerdings sind ihre Tage im Eigenheim an der Rheydter Straße gezählt. Die Wohnfläche ist zu groß, der Garten ist schon jetzt zu pflegeintensiv und die Treppenstufen in den Keller oder ins Obergeschoss sind scheinbar höher als noch vor zehn Jahren. Der Gang ist jedenfalls schon jetzt beschwerlicher. Damit die Stufen sich nicht irgendwann einmal zu einem unüberwindbaren Hindernis entpuppen, haben sich Monika und Wolfgang Buchholz für einen Umzug entschieden.

Die beiden rüstigen Senioren lassen Familie, Freunde und Nachbarn zurück, um sich in einem altengerechten Wohnpark in Wassenberg einzukaufen. "Wenn alles klappt, ziehen wir schon Ende Mai um", erklärt Wolfgang Buchholz. Er freut sich auf die neue Herausforderung. Allerdings sagt er auch: "Wir wären gerne in Korschenbroich geblieben, hätten wir hier ein vergleichbares Angebot vorgefunden."

Die Eheleute fühlen sich in der Stadt wohl. Zunächst wohnten sie in Kleinenbroich, bis sie sich vor 18 Jahren für ein Eigenheim in Neersbroich entschieden. Doch mit Blick aufs Alter will das Ehepaar frühzeitig vorsorgen. Sie wollen weder ihrer Tochter zur Last fallen, noch an ein Altenpflegeheim denken. "Wir haben uns ganz bewusst für diesen Wohnpark entschieden", sagt Wolfgang Buchholz. Der Bauträger, die Elmo Massivhaus GmbH, spricht in ihrer Beschreibung "Seniorenpark am Waldrand" von "Kurhaus"-Bungalows. Das kann der pensionierte Bankkaufmann nur bestätigten. "Wir sind dort unser eigener Herr. Haus und Grundstück gehören uns", versichert Buchholz. Das Ehepaar hat sich für die Hausvariante mit 85 Quadratmetern entschieden. "Alles ebenerdig und barrierefrei", so der 65-Jährige. "Und wenn etwas benötigt wird, können wir alles dazu buchen, bis hin zur Vollpflege."

Wolfgang Buchholz, der sich auch als Fahrer im Bürgerbus-Verein engagiert, spricht den demografischen Wandel offen an. "Es gibt immer weniger junge und immer mehr ältere Menschen. Darauf muss sich auch eine Stadt einstellen." Und weil der (Noch-)Neersbroicher von dieser Wohnform im Alter überzeugt ist, hat er bereits im vergangenen Sommer Bauamtsleiter Dieter Hoffmans auf derartige Wohnprojekte aufmerksam gemacht: "Das neue Baugebiet Korschenbroich-West wäre geradezu ideal für ein solches Vorhaben."

Überzeugt von der altengerechten Wohnform auf einer barrierefreien Ebene zeigt sich auch CDU-Ratsmitglied Raymond Opszalski. Er hat mehrfach mit dem Ehepaar Buchholz konferiert. Seine Begeisterung ist so groß, dass er bereits in der jüngsten Ratssitzung offiziell angefragt hat, wie die Verwaltung zum "Neuen Wohnen im Alter" steht. "Ich finde den Ansatz gut, sich im Alter kleiner zu setzen, aber dabei nicht auf das eigene Haus verzichten zu müssen." Und so gibt der 56-Jährige auch offen zu: "Mit den Erfahrungen von heute hätte ich privat auch anders geplant."

Für Raymond Opszalski macht es Sinn, dass die Stadtverwaltung derartige Wohnangebote in ihre Planungen integriert. "Das wäre für Korschenbroich dauerhaft ein Gewinn. So wie die Stadt junge Familien fördert, sollte sie auch die ältere Generation unterstützen." Dabei will er das Senioren-Wohnprojekt nicht nur auf das Baugebiet "Korschenbroich-West" beschränkt wissen. Opszalskis Idee: "Die Stadt könnte im Rahmen des Baulandmanagements Flächen für derartige Wohnprogramme zur Verfügung stellen."

Der CDU-Politiker ist auf die nächste Ratssitzung gespannt. Dann will Bürgermeister Dick seine Anfrage beantworten. "Viel Zeit bleibt nicht", ist sich Opszalski bewusst: "Die Familie Buchholz müssen wir leider schon ziehen lassen."

(NGZ/ac)