Tennis : Grün-Weiß Mannheim ist das Maß der Dinge

Am Sonntag geht die Tennis-Bundesliga in ihre 47. Saison seit 1972. Die gemeldeten Weltstars sind zumeist wohl nur Papiertiger.

Keine Frage: Es liest sich gewaltig, was die Tennis-Bundesligisten da für die am 8. Juli beginnende Saison aufbieten. Der Düsseldorfer Rochusclub fährt mit Alexander Zverev, deutscher Nummer eins und weltweiter drei, schweres Geschütz auf. Grün-Weiss Mannheim, Auftaktgegner von Blau-Weiss Neuss, macht es mit Österreichs French-Open-Finalist Dominic Thiem kaum weniger dick. Kurhaus Aachen gönnt sich den Weltranglisten-14. Robert Bautista Agut, Rot-Weiss Köln mit dem „verrückten Fabio“ Fognini (Italien/ATP 16) einen der buntesten Vögel der Tour.

Einsatz der Topstars ist mehr als fraglich Weltklasse im Klub bietet die 47. Saison der Bundesliga seit 1972 also. Zumindest in der Theorie. Die Praxis im Oberhaus sieht seit Jahren anders aus: Je größer der Name, desto unwahrscheinlicher ein Einsatz – die Topleute der Topteams sind zumeist Papiertiger, wenn nicht gar reine Werbegags. Die erwähnten Zverev, Thiem, Bautista Agut und Fognini fanden sich schon im Vorjahr allesamt in der Meldeliste. Zusammen genommen brachten sie es auf einen einzigen Einsatz: Bautista Agut lief einmal für Aachen auf. Wirkliche Weltstars auf dem Höhepunkt ihres Schaffens wie Michael Stich, der 1991 für Iphitos München an der proppevollen Neusser Jahnstraße aufspielte, werden eine Seltenheit in der Bundesliga bleiben, ein Einsatz von Mannheims Aushängeschild Thiem in Neuss beispielsweise ist praktisch ausgeschlossen – zumal die wirkliche Elite zeitgleich in Wimbledon spielt. Meister wird somit wieder derjenige werden, der die stärkste zweite Reihe regelmäßig aufbietet. Immerhin also: Weltklässchen im Klub.

Mannheim hat ein starkes Team beisammen Auch wenn hoch spekulativ ist, wer nun wirklich in den zum Einsatz kommt: Dauerbrenner Mannheim, seit 42 Jahren im Oberhaus, ist ein ganz heißer Titelkandidat und will dies gleich zum Auftakt bei Aufsteiger Neuss unterstreichen. „Wir dürfen Neuss nicht unterschätzen. Das wird ein schweres Spiel“, sagt Teamchef Gerald Marzenell. Seine Mannschaft ist allerdings bis in die unteren Positionen mit aktueller oder ehemaliger Spitzenklasse durchsetzt. Ob der Bosnier Damir Dzumhur (ATP 30), der Argentinier Federico Delbonis, Peter Gojowczyk (ATPb39) – wie Delbonis einst in Neuss – und dessen Davis-Cup-Kollege Maximilian Marterer, dazu Bundesliga-Haudegen wie Tobias Kamke und, Andreas Beck. Besser geht es kaum.
Der Titelverteidiger aus Wesrfalen ist diesmal wohl nur Außenseiter Nicht nur deswegen sieht sich Titelverteidiger Blau-Weiß Halle, immerhin dreimal Meister in den vergangenen vier Jahren eher als Außenseiter. „Wir haben eine sehr ambitionierte Mannschaft, mit der wir möglichst lange oben mitspielen wollen“, sagte Teamchef Thorsten Liebich: „Mehr zu fordern, ist angesichts ganz starker Konkurrenten wie Mannheim, Gladbach oder Krefeld einfach vermessen.“ Gleichwohl bietet Liebich in den Ex-Neussern Robin Haase und Nikolos Basilaschwili sowie den beiden deutschen Davis-Cup-Spielern Jan-Lennard Struff und Tim Pütz tatsächlich einiges an Klasse auf.
Die rheinischen Klubs Im Vergleich der fünf rheinischen Klubs ist der TC BW Neuss, der im Rumänen Marius Copil über nur einen Top-100-Spieler verfügt, die kleinste Nummer. Der Gladbacher HTC, Meister 2016, hat um die früheren Neusser Philipp Kohlschreiber und den Spanier Albert Ramos Vinolas einen hochklassigen wie tief besetzten Kader beisammen. Düsseldorf meldete nicht nur Sascha und Mischa Zverev, sondern installierte an unteren Positionen Top-Doppelspieler wie den Tschechen Lukas Rosol und den Austro-Chilenen Hans Podlipnik-Castillo, der Neuss im Vorjahr zum Aufstieg verhalf. Blau-Weiß Krefeld ist derweil längst nicht mehr ein notorisches Kellerkind, sondern mit French-Open-Halbfinalist Marco Cecchinato (Italien) und dem früheren Top-Ten-Spieler Jürgen Melzer (Österreich) ein Top-Drei-Anwärter. „Es ist eine Bombenmannschaft“, sagt Teamchef Olaf Merkel, der auf die Heimauftritte setzt: „Da werden wir die bestmöglichen Mannschaften aufstellen und jedes Heimspiel zu einem absoluten Event machen.“

Köln könnte indes schon eher Neusser Kragenweite sein, doch die Veteranen Fognini (31) Andreas Seppi (34) und Dustin Brown (33) bringen einiges an Klasse mit. Aachen, zwischen 2008 und 2013 in sechs Jahren fünfmal Meister, muss mittlerweile finanziell kleiner Printen backen. Selbst mit dem eingangs erwähnten Bautist Agut ist das Team eher ein Kandidat für Platz vier bis acht.

Die vermeintlichen Abstiegskandidaten Das süddeutsche Duo TC Weinheim mit dem Australier John Millman und TV Reutlingen mit dem Serben Viktor Troicki, vor einer Dopingsperre die Nummer 12 der Welt, dürften hingegen mit Neuss die beiden Absteiger aus dem deutschen Oberhaus unter sich ausmachen. Doch auch hier ist kaum vorherzusagen, wen die mutmaßlichen Kellerkinder wirklich ins Rennen schicken. Vor allem an den letzten Spieltagen gilt: Das Portmonnaie stellt auf.