Starker Andrang auf der Neusser Galopprennbahn

Galopp : Dieser Galopp-Renntag macht Lust auf mehr

Das neue Konzept des Neusser Reiter- und Rennvereins scheint zunächst einmal aufzugehen: Am Dienstagabend herrschte auf der Bahn am Hessentor ein Betrieb wie seit Jahren nicht mehr.

Die siebte Veranstaltung im 144. Jahr des Neusser Reiter-und Rennvereins wird in der ereignisreichen Geschichte dieses Veranstalters von Galopprennen einen besonderen Platz einnehmen.

Zehn Streetfood-Trucks mit einem virtuosen kulinarischen Angebot sorgten dafür, dass die Parkplätze komplett belegt waren, das Fachblatt „Sport-Welt“ als Informationsgrundlage für das Wetten früh ausverkauft war und die Bahn in der Spitze mit sicher 2000 Besuchern so gut besucht war wie lange nicht mehr. Die kampferprobte und im Laufe der Jahre leidensfähig gewordene Bürochefin Eva-Maria Amdohr stellte erfreut fest: „Ich fühle mich um 20 Jahre zurückversetzt.“

Alle freuten sich über den starken Zuspruch der Besucher am Dienstagabend. Foto: Klaus-Joerg Tuchel

Rennvereinspräsident Jan-Antony Vogel, der gestern bereits in Dresden zum Grasbahnfinale und heute zur Tagung der Nord-West-Rennvereine in Bad Zwischenahn weilte: „Mit dieser Resonanz hatte ich nicht gerechnet. Es war für uns alle eine freudige Überraschung und es ist eine Motivation für die Zukunft. Wir werden sicher noch einige logistische Veränderungen zum nächsten Renntag am 11. Dezember durchführen müssen, aber es war schon sehr wichtig für uns und die Zukunft der Bahn.“

Prominenz bei der Siegerehrung des fünften Rennens: Timo Horn, Torhüter des Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln, Jockey-Champion Andrasch Starke und Trainer Peter Schiergen (v.l.), flankiert von Eva-Maria Amdohr und Peter Ritters. Foto: Klaus-Joerg Tuchel

Die Anlage hatte sich schon früh gefüllt, viele neue Gesichter mit großem Informationsbedarf der erklärungsbedürftigen Materie hatten (bei freiem Eintritt) den Weg zum traditionsreichen Hippodrome gefunden. Zufrieden war auch Marc Pesch, der gemeinsam mit Dustin Thissen den Streeetfood-Markt organisierte: „Viele Foodtrucks waren schon deutlich vor dem Ende der Veranstaltung ausverkauft. Die Reaktionen der Besucher waren sehr positiv. Wir konnten wir zeigen, dass man mit einem guten Konzept auch auf der Neusser Rennbahn erfolgreiche Veranstaltungen machen kann.“ Für den nächsten Renntag sind Absprachen zwischen der Moderation im Führring, dem Rennkommentar und den Informationen im Marktbereich sinnvoll, damit nicht durcheinander geredet wird.

Es waren nicht nur viele Neusser Besucher gekommen, auch aus dem oft nörgeligen Galoppsport-Bereich wollte man sich diesen Rettungsversuch der immer wieder von der Schließung bedrohten Bahn nicht entgehen lassen. Der weitgereiste Trainer und Besitzer Michael Blau: stellte sogar fest. „Das Angebot war in der Vielfalt und auch in der Qualität besser als in Iffezheim.“ Ob es gleich zehn dieser Trucks sein müssen, wird die Zeit zeigen. Die Grundstimmung auf der Bahn war jedenfalls so gut wie lange nicht mehr und sogar die seit Jahren auf der Bahn präsente Johanniter-Unfallhilfe spürte den Andrang. Die aus Neuss stammende, diensthabende Notärztin und Reiterin Nina Clören: „Wir hatten deutlich mehr Einsätze als sonst. Es waren aber nur kleinere Probleme.“ Zu Beginn des Renntages wurde allerdings von den Johannitern auch ein entlaufendes Pferd eingefangen. Diesmal noch auf dem Geläuf und nicht wie zuletzt auf dem Parkplatz eines Möbelcenters.

Im Zweijährigen-Rennen mit vier Pferden von Championtrainer Markus Klug gewann die Stute Diajaka aus dem Gestüt Röttgen mit Andrasch Starke, Es war der 64. Sieg in dieser Saison für Klug. Seine weiteren Starter Jetcologne, Schnucki und Accon belegten die Plätze drei bis fünf. Enttäuschend verlief für Klug allerdings der Auftritt des 15:10 Wettfavoriten Devastar im letzten Rennen. Er verlor gegen den Sandbahn-und Distanz-Spezialisten Kitaneso aus dem Stall des Mannheimer Trainers Marco Klein, den Tommaso Scardino souverän zum Seig ritt. Sein Kollege Jozef Bojko schaffte diesmal zwei Siege mit Giant Grizzly und Tickthebox, beides Sieger aus Dortmund und Neuss. Für Giant Grizzly aus dem Stall von Walter Maurer aus Schmelz im Saarland war es der fünfte Sieg in diesem Jahr. Der auf dem Weg zu seinem neunten Championat nicht zu stoppende Andrasch Starke hatte zuvor schon mit dem Favoriten Epako gewonnen. Direkt vom Training war Timo Horn zur Rennbahn gekommen: „Ich hatte einfach Lust,  auf die Rennbahn zu fahren.“ Der Torhüter des 1. FC Köln ist mittlerweile Pferdebesitzer und durch den Kölner Vereinspräsidenten Eckhard Sauren mächtig vom Galopper-Virus infiziert worden.

Der gute Besuch machte sich auch beim Wettumsatz positiv bemerkbar. Die insgesamt 85.788 Euro (davon 21.488 Euro auf der Bahn) waren das Doppelte von allerdings oftmals erschreckend niedrigen Umsätzen der vergangenen Jahre. Hier ist noch viel Luft nach oben.

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