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Korschenbroich: Stadt könnte mehr für Behinderte tun

Korschenbroich : Stadt könnte mehr für Behinderte tun

Im Gespräch erklärt der Behindertenbeauftragte Siegbert Schmitz, weshalb er Korschenbroich noch nicht für behindertenfreundlich hält, welche Probleme es gibt und warum er im vergangenen Jahr einmal darüber nach gedacht hat, das Ehrenamt niederzulegen.

Herr Schmitz, Sie sind seit sieben Jahren ehrenamtlich Behindertenbeauftragter der Stadt Korschenbroich. Wie kamen Sie zu diesem Amt?

Schmitz Die Stadt hat damals sämtliche Vereine angeschrieben. Es bestand über die damalige Behindertensportgemeinschaft bereits Kontakt zu mir. Meine Frau hat mich dann überredet, das Amt zu übernehmen.

Weil auch Sie schwerbehindert sind?

Schmitz Ja, auch das war ein Grund. Als ich neun Jahre alt war, verlor ich bei einem Unfall meinen Unterschenkel und musste amputiert werden. Ich kann mich daher gut in Behinderte und ihre Probleme einfühlen. Erst vor acht Wochen habe ich noch zusätzlich eine künstliche Hüfte bekommen.

Mit welchen Problemen kommen die Behinderten zu Ihnen?

Schmitz Das ist ganz unterschiedlich. Ich helfe Menschen zum Beispiel dabei, barrierefreie Wohnungen zu bekommen oder ihre Behindertenausweise zu beantragen. Oft brauchen Betroffene in bürokratischen Angelegenheiten meine Unterstützung. Wenn sie nicht mobil sind, dann fahre ich sie auch zu den zuständigen Behörden.

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Wie viele Behinderte leben in Korschenbroich?

Schmitz Das kann ich nur schätzen. Vielleicht sind 2000 Menschen in Korschenbroich behindert.

Ist die Stadt Korschenbroich behindertenfreundlich?

Schmitz Nein, das würde ich nicht sagen. Fahren Sie doch mal nach Venlo oder allgemein in die Niederlande. Wir müssen noch viel lernen.

Was ärgert Sie besonders?

Schmitz Zunächst einmal freue mich, dass bald endlich die Bahnhöfe in Korschenbroich und Kleinenbroich barrierefrei gestaltet werden. Dort ist jahrzehntelang nichts geschehen. Viele fahren nach Büttgen, um von dort aus etwa mit dem Zug nach Düsseldorf zu fahren.

Hoffen Sie noch darauf, dass irgendwann auch der Eingang des Sozialamtes im alten Bürgermeisteramt behindertengerecht gestaltet wird?

Schmitz Nein, ich denke nicht, dass ich das noch erleben werde.

Erst neulich baten Sie den Rat, die Behindertenparkplätze in Glehn vor einem Supermarkt umzumarkieren...

Schmitz Ja, dort sind fünf Parkplätze für außergewöhnlich schwerbehinderte Menschen reserviert. Vollständig besetzt sind sie nie. Währenddessen müssen jene, die "nur" gehbehindert sind oder einen Rollator benutzen, weit entfernt parken. Warum reserviert man nicht drei Stellplätze nur für Gehbehinderte? Die Stadt sagt, ihr fehle das nötige Geld. Das verstehe ich nicht.

Fühlen Sie sich insgesamt von der Stadt genügend unterstützt?

Schmitz Nein. Im vergangenen Jahr habe ich darüber nachgedacht, das Amt niederzulegen. Es ist oft frustrierend: Man macht Vorschläge, die Politik zeigt Verständnis. Aber umgesetzt wird nichts. Dabei habe ich schon immer klar gemacht, dass ich will, dass Dinge auch realisiert werden.

Sie entschieden sich dann aber um...

Schmitz Ja, meine Frau sagte: "Wenn du den Job nicht machst, vielleicht findet sich niemand, der ihn übernimmt?" Außerdem übe ich dieses Amt aus, um den Menschen zu helfen und nicht der Stadt.

Wie lange wollen Sie denn noch Behindertenbeauftragter bleiben?

Schmitz Solange Heinz Josef Dick Bürgermeister ist. Ich verstehe mich mit ihm gut. Nur treffen wir uns leider zu selten zum Gespräch.

Fabian Eickstädt führte das Gespräch.

(NGZ)