Korschenbroich : Stadt kämpft gegen Herztod

Tag für Tag sterben bundesweit 270 Menschen an plötzlichem Herzversagen. In Korschenbroich wollen jetzt Vereine, Geschäftsleute und Sponsoren gegensteuern. Bis Herbst werden 15 Defibrillatoren installiert.

Der kleine Lebensretter ist eine Maschine für Laien und Ersthelfer, sprachgesteuert und leicht im Umgang. Sein Name ist Defibrillator — kurz: Defi. Bei plötzlicher Bewusstlosigkeit oder Herzstillstand kommt er zum Einsatz. Die Ursache ist oftmals Kammerflimmern. Zu den bereits zwölf vorhandenen Geräten sollen jetzt im Korschenbroicher Stadtgebiet weitere 15 Defis öffentlich installiert werden. "Wichtig ist, dass die Standorte für viele Menschen jederzeit zugänglich sind", sagte Dietmar Mittelstädt gestern im Kreise der Sponsoren.

Der DRK-Vorsitzende ist begeistert über die für ihn unerwartet große Resonanz. Dass er auf noch viele Nachahmer hofft, gibt Mittelstädt dann auch offen zu. "Wir planen eine Stadtkarte mit allen Standorten, damit jeder weiß, wo im Notfall ein Defi zu finden ist." Die Standorte sind für Rewe und Edeka ebenso geplant wie für das Liedberger Landgasthaus, die Gaststätte Vennen, die Andreas-Schule, für das Foyer der Sparkasse oder für den Eingang der Alten Schule in Steinforth-Rubbelrath. DRK-Schatzmeister Raimund Steigels und DRK-Chefin Karin Scheffler kümmern sich um Einkauf und Umsetzung. Dank ihres Verhandlungsgeschickes konnte der Defi-Einzelpreis auf 1800 Euro gedrückt werden. Das wiederum macht auch Bürgermeister Heinz Josef Dick Mut, dass sich weitere Defi-Paten bei der Stadt oder dem DRK melden werden.

Die Initialzündung geht übrigens auf den Bürgermeister zurück. Dick, regelmäßiger Besucher der Herzseminare — eine Aktion der Deutschen Herzstiftung und unserer Zeitung —, hatte 2012 beim DRK-Vorsitzenden Dietmar Mittelstädt eine "flächendeckende Versorgung des Stadtgebietes mit Defis" angeregt. "Ich habe von Professor Haude gelernt, im Ernstfall muss alles ganz schnell gehen", sagte Dick. "Die flächendeckende Installation von Defibrillatoren in der Stadt Korschenbroich ist ein beispielhaftes und zur Nachahmung anregendes Modellvorhaben, wodurch Patienten vor dem plötzlichen Herztod gerettet werden können. Hierdurch wird eine Optimierung der Rettungskette herbeigeführt", lobte Professor Haude, Chef-Kardiologe am Neusser "Lukas". Und für die Herzstiftung betonte er: "Sie befürwortet die Etablierung solcher Versorgungsstrukturen."

Der Defi soll den plötzlichen Herztod vermeiden. Und wie funktioniert er? Wenn das Gerät eingeschaltet ist, wird der Patient vom Ersthelfer mit den beiden Klebeelektroden verbunden. Sofort erfolgt die automatische Rhythmusanalyse durch das Gerät selbst. Nur, wenn ein Rhythmus vom Defibrillator als Kammerflimmern erkannt wird, wird der Helfer zur Schockauslösung aufgefordert. "Der Helfer kann nichts falsch machen", versicherte Dr. Lothar Schmitz.

(NGZ)