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Korschenbroich: Stadt bekämpft sexuelle Gewalt

Korschenbroich : Stadt bekämpft sexuelle Gewalt

Eine neue Broschüre klärt Frauen auf, wie sie sich gegen sexuelle Gewalt wehren können. Gleichstellungsbeauftragte Angelika Brieske kämpft noch an einer zweiten Front: für den beruflichen Wiedereinstieg Alleinerziehender.

Ein Faltblatt, vier Seiten, beidseits bedruckt mit Notfall-Telefonnummern, Informationen und Tipps wie "Schreien Sie laut, wenn Sie in Gefahr sind": Gemeinsam mit der Frauenberatungsstelle Neuss und der Kreispolizeibehörde Neuss haben die Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Kreises jetzt eine Broschüre gegen sexuelle Gewalt herausgegeben.

"Dieses Thema beschäftigt uns schon sehr lange", sagt Korschenbroichs Gleichstellungsbeauftragte Angelika Brieske. Zwei Zwecken dient die Broschüre: Sie soll erstens darüber informieren, wie Betroffene sich gegen sexuelle Gewalt wehren können. Zweitens listet sie Ansprechpartner und Verhaltensregeln für den Notfall auf.

"Müssen Kurs halten"

Seit sechs Jahren ist Brieske Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Bisher meldete sich bei ihr noch kein Opfer eines sexuellen Übergriffs. "Allerdings gibt es darüber keine Statistik, da die Frauen vielleicht in Krankenhäusern in Mönchengladbach oder Neuss behandelt worden sind", sagt Brieske. An die weiterführenden Schulen, an den Stadtsportbund, auch an die Frauenärzte hat die Stadt das Faltblatt geschickt.

Ebenfalls auf der Internetseite der Stadt ist es abzurufen. "Es richtet sich eigentlich nicht nur an Mädchen und Frauen, sondern auch an Kinder und Jungen", erklärt Brieske. "Es ist wichtig, dass sie lernen, mit welchen Techniken man Fremde in die Flucht schlagen kann." Bei entsprechender Nachfrage will die Gleichstellungsbeauftragte auch wieder Seminare in Selbstbehauptung anbieten.

Noch ein weiteres Thema steht bei Angelika Brieske zurzeit weit oben auf der Agenda: der berufliche Wiedereinstieg von alleinerziehenden Frauen. Noch bis Ende des Monats können sich beim Rhein-Kreis Firmen um den Titel "Familienfreundliches Unternehmen" bewerben. "Es ist viel geschehen", sagt Brieske. "Aber immer noch finden viele alleinerziehende Mütter keine Anstellung. Wir würden deshalb gerne einen Leitfaden für Unternehmen herausbringen, um Hemmschwellen abzubauen."

Hoch motiviert seien die Frauen, sie ließen sich schulen, besuchten Informationsveranstaltungen — und gingen doch schließlich leer aus. Nicht nur in Diskussionsrunden greift Brieske das Thema regelmäßig auf. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen im Rhein-Kreis hat sie eine "Allianz für den Wiedereinstieg" gebildet, die sich verstärkt dem Problem widmet.

"Kurs halten" — unter diesem Motto wird der nächste Internationale Frauentag stehen. Das Motto beinhaltet für Angelika Brieske auch eine Art Bilanz. "Es hat sich vieles zum Positiven gewendet, aber diesen Kurs müssen wir jetzt auch halten."

(NGZ/rl)