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Stabhochsprung-Olympiazweiter Björn Otto verliert Job als Pilot

Leichtathletik : Der Überflieger ist jetzt arbeitslos

Einst gefeiert, jetzt gefeuert: Björn Otto, vor acht Jahren Silbermedaillengewinner im Stabhochsprung bei den Olympischen Spielen in London, steht nach dem „Aus“ für den Ferienflieger Sun Express als Pilot vor dem beruflichen Nichts.

Im März hat Björn Otto zum letzten Mal im Cockpit eines Flugzeugs gesessen. Wann das nächste Mal sein wird, weiß er nicht. Inzwischen hat der Stabhochsprung-Olympiazweite von London 2012 sogar Zweifel, ob es überhaupt noch einmal dazu kommen wird.

Dabei war Fliegen der große Traum des 42-Jährigen. Schon als er sich im Trikot des TSV Bayer Dormagen in luftige Höhen schraubte, mit 6,01 Metern einen deutschen Rekord aufstellte, den seit acht Jahren keiner überbieten konnte, sprach Björn Otto immer davon, Pilot zu werden. Und hängte nach seinem mit Diplom abgeschlossenen Biologie-Studium kurzerhand die entsprechende Ausbildung hinten dran.

 Björn Otto mit seiner Silbermedaille von London
Björn Otto mit seiner Silbermedaille von London Foto: dpa/Michael Kappeler

Jetzt haben ihn die Auswirkungen der Corona-Pandemie voll erwischt. Seit April befindet sich Björn Otto „zu 100 Prozent“ in Kurzarbeit. Das sind andere auch, vor allem in der schwer gebeutelten Reise-, Flug- und Touristikbranche. Doch Björn Otto sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Denn seit er vor dreieinhalb Jahren seine Lizenz als Pilot für Passagiermaschinen erhielt, fliegt Björn Otto für SunExpress Deutschland. Meistens deutsche Urlauber nach Ägypten, ans Rote Meer und in andere Mittelmeerländer. Der Ferienflieger ist eine gemeinsame Tochter von Lufthansa und Turkish Airlines und soll jetzt eingestellt werden.

 Björn Otto als Flugzeug-Bastler in jungen Jahren im Keller des elterlichen Hauses in Straberg.
Björn Otto als Flugzeug-Bastler in jungen Jahren im Keller des elterlichen Hauses in Straberg. Foto: red
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„Der Flugbetrieb der SunExpress Deutschland, Gesellschaft der türkischen SunExpress, wird in Kürze eingestellt und ein geordneter Liquidationsprozess vorbereitet,“ teilte die Airline am 23. Juni auf ihrer Internetseite mit. Dort heißt es weiter: „Die strategisch richtige Entscheidung, den Fokus ausschließlich auf unser Kerngeschäft zu legen, ist gleichzeitig auch bitter. Für alle Betroffenen ist das eine traurige Nachricht, die erst nach umfassender und intensiver Bewertung der Situation erfolgt ist. Gleichzeitig stellt dies jedoch einen wichtigen Schritt in die Zukunft dar, um die Marktposition der SunExpress in der Krise zu halten und aus der Krise gestärkt hervorzugehen. Wir übernehmen Verantwortung für unsere knapp 1200 betroffenen Mitarbeiter, indem wir in den kommenden Wochen mögliche Lösungen in vertrauensvollen Gespräche mit unseren Mitarbeitern und Sozialpartnern erarbeiten werden. Für unsere Passagiere haben wir Lösungen gefunden und werden den Großteil der wegfallenden Flüge mit der türkischen SunExpress sowie weiteren Airline-Partnern wie Eurowings durchführen“, so Max Kownatzki, Chief Executive Officer von SunExpress.

Im Klartext heißt das für Björn Otto: „Ich warte auf meine Kündigung.“ Zwar habe die Personalvertretung einen Kündigungsschutz bis zum 31. August erwirkt. „Aber dann kommt sie halt im September,“ sagt der 42-Jährige. Was er danach macht, weiß er nicht. „Bewerbungen schreiben, was sonst,“ meint er achselzuckend.

Große Hoffnungen verknüpft er damit nicht: „Ich bin ja nicht der einzige auf dem Pilotenmarkt, der bald eine neue Stelle sucht.“ Im Gegenteil. „Wenn das mit den Reisebeschränkungen noch einige Zeit anhält, wird da bald riesiges Gedränge herrschen,“ ist Björn Otto überzeugt. Erschwerend für ihn kommt hinzu: Bei SunExpress ist er ausschließlich eine Boeing 737-800 geflogen. Will oder muss er auf einen anderen Maschinentyp wechseln, muss er zunächst ein so genanntes „Type-Rating“ absolvieren, wohinter sich die Einweisung auf einen bestimmten Flugzeugtyp verbirgt. Die dauert zweieinhalb Monate „und kostet mindestens 20.000 bis 30.000 Euro,“ sagt Björn Otto, „und die gibt man nicht mal eben so aus.“

Über Alternativen hat er sich schon reichlich Gedanken gemacht. Bisher ohne konkretes Ergebnis. „Ich kenne nicht viele Leute, die einen Piloten brauchen,“ sagt er ein wenig sarkastisch. Bliebe ein anderer Job im Flugsektor, doch die sind von den Auswirkungen der Pandemie nicht weniger betroffen als die Plätze im Cockpit. Oder die Rückkehr zu dem, was er studiert hat: „Ich bin ja Diplom-Biologe, vielleicht wäre das eine Möglichkeit.“

Seine Silbermedaille von London hilft ihm bei der Jobsuche genau so wenig wie das Silberne Lorbeerblatt, das ihm 2012 verliehen wurde. Trotzdem freut es Björn Otto, wenn ihn acht Jahre später noch jemand erkennt. Kurioserweise ist ihm das ausgerechnet auf seinem bisher letzten Flug passiert – so bleibt ihm wenigstens eine gute Erinnerung.