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Korschenbroich: St. Andreas: Orgel schimmelt

Korschenbroich : St. Andreas: Orgel schimmelt

In der Orgel von St. Andreas wuchert gefährlicher dunkler Flaum. Rund 1000 Holzpfeifen sind befallen, Ende Juni werden sie ausgebaut und gereinigt. Auch die Heizung wird saniert. Kosten: 70 000 bis 90 000 Euro.

Vier Meter breit, 2,50 Meter hoch und vier Meter tief ist das Schwellwerk in der Orgel von St. Andreas. Ein Holzkasten mit nur einer Öffnung, dessen Aufgabe es ist, die Lautstärke der Töne zu regulieren. Rund 1100 Orgelpfeifen sind darin untergebracht, von ein paar Millimetern bis 3,50 Meter hoch, größtenteils aus Holz — und größtenteils mit Schimmel befallen.

Der neue Kantor Martin Sonnen und sein Vorgänger Henning Dembski hatten Flaum entdeckt, als Dembski dem Kollegen zum ersten Mal die Orgel zeigte. Sie zogen einen Orgelbauer zu Rate, der den Schimmel-Verdacht bestätigte. Die Gesundheit der Kirchgänger sei nicht gefährdet, sagt Martin Sonnen. "Jetzt müssen die Pfeifen alle einzeln raus. Wenn möglich, wird der Kirchenbauer sie vor Ort mit einem Schimmel-Vernichtungsmittel und einem Mittel gegen den Wiederbefall behandeln." Vom 25. Juni bis zum 9. Juli soll das geschehen, rund 10 000 Euro kostet die Prozedur.

"Wenn wir mit der Behandlung warten, verbreitet sich der Schimmel und das Holz verliert an Stabilität", sagt Sonnen. "Dann müssen Holzstücke rausgeschnitten und ersetzt werden, und das wird dann richtig teuer." Sind die Pfeifen ausgebaut, fällt für den Kantor eins von vier Tastenwerken weg. "Die übrigen bleiben bespielbar, die Lautstärke lässt sich aber nicht mehr richtig regulieren."

Schimmel sei heutzutage die neue "Volkskrankheit" in Kirchen, erzählt Sonnen. Eine Ursache sei das unregelmäßige Heizen in den Gotteshäusern. In St. Andreas bescherte wohl ein Defekt der Heizungsanlage den Sporen den Nährboden: "Kurz vor Beginn der Heizperiode ist uns im vergangenen Herbst die Anlage für sechs Wochen ausgefallen", sagt Rita Mielke, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands.

Damals habe Dembski bereits darauf hingewiesen, dass sich Probleme ergeben könnten. "Uns ist es wichtig zu betonen, dass der Schimmel in der Orgel nicht auf schlechte Pflege zurückzuführen ist", sagt sie. Damit im kommenden Herbst nicht Ähnliches droht, soll die Heizung im Sommer für 60 000 bis 80 000 Euro komplett erneuert werden.

Gesamtkosten von 70 000 bis 90 000 Euro für Orgel und Heizung — "für eine Kirchengemeinde ist das kein Pappenstiel", sagt Rita Mielke. Das Bistum Aachen beteilige sich, zudem hoffe sie auf Spenden. Schließlich sei die Orgel eine der größten im Rheinland. "Über den sakralen, liturgischen Nutzen hinaus spielt sie eine wichtige Rolle in unserem Kulturleben." Davon zeugten der Orgelwettbewerb und die Orgelwoche.

(NGZ)