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Spurt in den Mai in Büttgen: Strahlendes Comeback eines Radklassikers

Radsport : Strahlendes Comeback eines Radklassikers

Das seit 1980 in Büttgen ausgetragene Bahnrennen „Spurt in den Mai“ begeisterte nach zweijähriger Corona-Pause gut 800 Zuschauer. 

Immer am Limit. „Wir im Radsport sind halt so. Wir können gar nicht anders“, stellte Franziska Brauße nach ihrem Sieg beim seit 1980 zum 41. Mal ausgetragenen „Spurt in den Mai“ im Sportforum Kaarst/Büttgen an der Seite der „Quasi-Lokalmatadorin“ Lea Lin Teutenberg lächelnd fest.

Nach elend langer Zwangspause, 2020 und 2021 hatte Corona dem kuscheligen Bahnrennen an der Olympiastraße die Rote Karte gezeigt, war die 23-Jährige, die bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio mit dem deutschen Bahnvierer auf dem Weg zur Goldmedaille den Weltrekord gleich dreimal förmlich pulverisiert hatte, am Samstag trotz eines glimpflich verlaufenen Sturzes mit leichten Abschürfungen am Arm Hauptdarstellerin eines glänzenden Comebacks, das rund 800 Zuschauer – davon mehr als 300 VIPs (darunter wie fast immer Ex-Weltmeister Berti Vogts) im Innenraum der mächtigen Halle – in seinen Bann zog. Da bekam auch Gesamtleiter Friedhelm Kirchhartz, schon 1963 beim Start der Festspiele im Radsportdorf Büttgen mit dem Straßenrennen dabei, das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht. Sein Fazit: „Diese Resonanz hatte ich nach den beiden coronabedingten Absagen nicht erwartet. Wir sind mehr als zufrieden. Der VfR Büttgen hat was Tolles auf die Beine gestellt.“

 Machen auch auf dem Derny eine gute Figur: Berti Vogts (l.) und Friedhelm Kirchhartz.
Machen auch auf dem Derny eine gute Figur: Berti Vogts (l.) und Friedhelm Kirchhartz. Foto: Dieter Staniek
  • Auch die Jugend trat kräftig in
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  • Carsten Bönig, Vorstand der Landgard eG
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  • Nils Politt (li.) vom Team Bora-hansgrohe
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Damit lag der langjährige Vorstandsvorsitzende der NEW AG auf einer Wellenlänge mit Theo Reinhardt. Der zweifache Weltmeister meinte nach seinem dritten Triumph in Folge auf dem Büttgener Holzoval seit 2018 – diesmal mit seinem Teamkollegen Moritz Malcharek: „Alle waren so ein bisschen wettkampfsüchtig, das hat man auch an der Stimmung in der Halle gemerkt. Die war richtig gut.“ Dreimal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, ist schon klasse, doch nichts im Vergleich zur von Lea Lin fortgesetzten Erfolgsgeschichte der Teutenbergs in Büttgen: Auf dem Konto ihres am Wochenende als Sportdirektor des Team Canyon unabkömmlicher Vaters Lars stehen auf Bahn und Straße insgesamt zehn Siege, Onkel Sven gewann einmal. Dass sie am Samstag das Dutzend vollmachte, war der 22-Jährigen zunächst gar nicht bewusst, freute sie jedoch mächtig, „denn das Rennen in Büttgen hat in unserer Familie einen ganz hohen Stellenwert. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich früher von einer Seite der Bahn zu anderen gerannt bin, um meinen Papa fahren zu sehen.“ Ihr Plan: „Ich hoffe, nächstes Jahr bin ich hier mit meinem Vater und meinem Bruder am Start. Die beiden haben sich ja schon bei der Winterbahnmeisterschaft in Büttgen gebattelt. Da hat mein Bruder gewonnen.

Dass ihm nach seinen vielen Siegen im Jugendbereich mit seinem Partner Benjamin Boos hinter Reinhard/Malcharek der Sieg verwehrt geblieben war, grämte Tim Torn Teutenberg im Übrigen überhaupt nicht. „Unsere Gegner waren ja jetzt auch nicht die schlechtesten – mit einer Menge Erfahrung.“ Eine Einschätzung, die Mieke Kröger komplett teilte. Die 28-Jährige, 2021 Olympiasiegerin sowie Welt- und Europameisterin in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn sowie Weltmeisterin in der Mixed-Staffel auf der Straße, resümierte nach Platz zwei mit Finja Smekal, 2020 mit Teutenberg Vize-Europameisterin der U23 im Bahnvierer, geschafft: „Das war ganz schön anstrengend, zumal ich mich auf der Bahn seit 2014 fast ausschließlich auf die Mannschaftsverfolgung konzentriert habe. Besonders die Wechel im Madison haben mir einige Sorgen bereitet. Aber ich hab‘s einfach mal versucht – und es hat echt Spaß gemacht.“ Den hatte auch Nils Schomber. 2019 in Büttgen mit Theo Reinhardt noch auf Platz eins gefahren, begnügte sich der Olympia-Fünfte von 2016 nun mit der Rolle des stillen Beobachters. Der inzwischen 28-Jährige macht seit dem 1. Oktober bei der Firma CN Racing in Stürzelberg eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und hat im Mai schon Zwischenprüfung. Zudem betreut er gemeinsam mit seiner Freundin Magali Matzner an der Büttger Straße in Neuss das Café „9 Bar Deli“. Seinen recht frühen Ausstieg aus dem Radsport hat er nicht bereut. „Das war die richtige Entscheidung.“