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Spurt in den Mai: Die Teutenbergs sind eine echte Radsport-Familie

Radsport : Kein Radrennen ohne die Teutenbergs

Früher prägte Lars Teutenberg das Geschehen beim „Spurt in den Mai“, jetzt sind seine Kinder Lea Lin und Tim Torn an der Reihe. Den Grundstein hatte ihr im Juni 2021 im Alter von 83 Jahren verstorbener Großvater Horst Teutenberg gelegt.

Es gibt Legenden, die wirklich wahr sind. Während bis heute darüber vereins- und familienintern debattiert wird, ob Andreas Beikirchs Radsport-Karriere, die ihm je einen Welt- und einen Europameistertitel bescherte und zu Deutschlands einstmals erfolgreichstem Sechstagefahrer machte, tatsächlich bei einem „Erste Schritt-Rennen“ auf Büttgens Straßen begonnen hat, ist dies im Fall von Tim Torn Teutenberg eindeutig belegt. Der heute 20-Jährige, der 2020 bei den Junioren-Europameisterschaften Silber und Bronze gewann und ein Jahr später bei der U23-EM Zweiter im Ausscheidungsfahren wurde, trat einst zunächst in die Pedale seines Kinder-Rennrads und feuerte anschließend seinen Vater an, der den „Spurt in den Mai“ ebenso fünf Mal gewann wie das Straßenrennen des VfR Büttgen tags darauf – zuletzt 2013 im fortgeschrittenen Alter von (damals) 42 Jahren.

Jetzt, bei der 41. Auflage des Zweier-Mannschaftsfahrens am Samstagabend im Sportforum an der Olympiastraße, gehört Tim Torn Teutenberg zum Kreis der Mit-Favoriten, schließlich bildet er ein Duo mit dem ein Jahr jüngeren Benjamin Boos, mit dem gemeinsam er 2020 Dritter der Junioren-EM im Zweier-Mannschafsfahren wurde. Ob es reicht, dem favorisierten Duo aus Doppel-Weltmeister Theo Reinhardt und Ex-Europameister Moritz Malcharek die Stirn zu bieten, bleibt abzuwarten – für einen Platz auf dem Treppchen ist der Name Teutenberg aber allemal gut.

 Lars Teutenberg mit Tim Torn nach dessen Sieg 2012 (Klasse U11).
Lars Teutenberg mit Tim Torn nach dessen Sieg 2012 (Klasse U11). Foto: Woitschützke, Andreas (woi)
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Das gilt noch mehr für seine drei Jahre ältere Schwester Lea Lin – und das nicht nur, weil sie im Zweier-Mannschaftsfahren der Frauen ein Gespann mit Olympiasiegerin Franziska Brauße bildet, mit der sie vor zwei Jahren bei den U23-Europameisterschaften Silber im Zweier und im Vierer gewann. Auch ihre weiteren Erfolge, 2018 Bronze mit dem Vierer bei der U23-EM, 2021 Dritte im Omnium bei den U23-Europameisterschaften, sind nicht von schlechten Eltern – was bei den Teutenbergs durchaus im wörtlichen Sinne zu verstehen ist.

 Lea Lin Teutenberg (Team WNT Rotor Pro Cycling) vor der dritten Etappe der Healthy Ageing Tour 2019 in den Niederlanden.
Lea Lin Teutenberg (Team WNT Rotor Pro Cycling) vor der dritten Etappe der Healthy Ageing Tour 2019 in den Niederlanden. Foto: Augenklick/Roth/ROTH/AUGENKLICK

Den Grundstein legte Horst Teutenberg. Der im Juni 2021 im Alter von 83 Jahren verstorbene Großvater von Tim Torn und Lea Linn brachte nicht nur seinen eigenen Kindern, sondern einer ungezählten Schar von Talenten als Vereins-, Landes- und Stützpunkttrainer auf der Bahn im Sportforum das Radfahren bei.

Mit Erfolg: Sohn Lars (51) zählte zwei Jahrzehnte zur nationalen Spitze auf Bahn und Straße, in Büttgen verewigte er sich als Sieger 1997, 1998, 1999, 2003 und 2008 (Bahn) sowie 1996, 2005, 2006, 2012 und 2013 (Straße). Sohn Sven (49) belegte 2001 im Gesamtklassement der Tour de France Platz 81, nahm fünf Mal an der Vuelta teil (beste Platzierung 1997 als 111.) und machte zuletzt als Sportlicher Leiter des Grand Depart der Tour de France 2017 in Düsseldorf von sich reden. Das Büttgener Straßenrennen entschied er 2005 für sich. Und Tochter Ina Yoko (47) hat Platz vier im olympischen Straßenrennen 2012 in London als herausragenden ihrer vielen Erfolge im Lebenslauf stehen – hätte es in Büttgen schon früher ein Frauenrennen gegeben, stünde auch ihr Namen sicherlich in der Siegerinnenliste verzeichnet.

Es gibt Legenden, die wirklich wahr sind. So wie die, dass die Veranstalter des „Spurt in den Mai“ Lars Teutenberg nach seinem Sieg 2008 mit einer Ehrenrunde aus seiner aktiven Laufbahn verabschieden wollten – was der damals 37-Jährige gerade noch verhindern konnte. „Wer hat denn gesagt, dass ich aufhöre?“ fragte er voller Entrüstung. Und so tritt Lars Teutenberg auch mit 51 Jahren immer noch bei Rennen in die Pedale. Wäre er als Sportdirektor des Team Canyon nicht am Maifeiertag beruflich gefordert, „wäre er auf jeden Fall wieder bei uns gestartet,“ sagt Gesamtleiter Friedhelm Kirchhartz. Der überzeugt ist, dass Lea Lin und Tim Torn mehr als nur ein gleichwertiger Ersatz sind.