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Korschenbroich: Spurensuche in Schloss-Kapelle

Korschenbroich : Spurensuche in Schloss-Kapelle

Criminale Mit drei Lesungen ist Korschenbroich beim niederrheinischen Krimi-Festival vertreten. Mörderisch unterhaltsam ging's in Liedberg zu: Das Schloss wird zum Krimi-Schauplatz und die Schloss-Kapelle zur Bühne.

Die Criminale 2011 findet an ungewöhnlichen Orten am Niederrhein statt. Unter der Überschrift "Skrupellose Gier" lasen am Donnerstagabend drei völlig unterschiedliche Autoren in der Liedberger Schloss-Kapelle. Der Andrang war so groß, dass noch weitere Stühle herbeigeschafft werden, damit alle Besucher im Sitzen den Geschichten von Silvano Cerutti, Arnold Küsters und Manfred J. Schmitz lauschen konnten.

Der Zugang zur ersten Bank auf der rechten Seite war mit rot-weißem Flatterband blockiert — ein Hinweis auf ein Verbrechen, das sich inmitten der Liedberger Idylle ereignet haben sollte. Der Journalist Arnold Küsters aus Mönchengladbach hatte die Kurzgeschichte "Ansichtssache" mitgebracht, eine Liedberger Spezialität: Küsters hatte sich in Liedberg genau umgeschaut, bevor er sich an den PC setzte. Deshalb konnte er jetzt mit sehr viel Lokalkolorit glänzen. Da wurden die Polizeibeamten um Hauptkommissar Carl Maria von Spee, eine Art Schimanski von Neuss, in der Gaststätte "Vennen" nicht gerade zuvorkommend bedient, und auch die Dorfbewohner zeigten sich "ablehnend bis feindselig". Waren sie nicht an der Aufklärung der Mordfälle interessiert? Und was hatte es mit den Postkarten mit Liedberger Ansichten auf sich, die der Täter auf den Leichen zurückgelassen hatte?

Silvano Cerutti aus Solothurn in der Schweiz las aus seinem Kriminalroman "Du nennst das Gier", den der Autor auch als Gesellschaftsroman bezeichnete. Der Schweizer Dialekt und die Art, wie Cerutti sprach, einzelne Silben wie ein Gummiband dehnte, damit zog er die Zuhörer in seinen Bann. Natürlich war er schlau genug, nichts Wesentliches vorzulesen, um so zur Lektüre des Buches zu animieren. "Der Idiot" war ein skurriler Typ, ein gescheiterter Politiker, der sich in einem kleinen Dorf ansiedelt, dort auf Argwohn stößt. "Der Politiker verkommt zum Crashtest-Dummy der Hochfinanz."

Kritisch ging es auch bei Manfred J. Schmitz aus Esslingen zu. Der Radio-Redakteur im Ruhestand las aus seinem zweiten Krimi "Wer weiß denn schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist". Wer vom Titel auf eine komplexe Geschichte schließt, liegt nicht verkehrt. Auch bei dem Esslinger kommt die Finanzkrise vor, im Mittelpunkt steht aber die Entführung einer Frau, die in einem Verhältnis zu ihrem Entführer steht. Ist sie selber Täterin? Schmitz gewährt Einblicke in die Psyche der handelnden Personen — ein anspruchsvoller Kriminalroman. "Wie's weitergeht, steht in diesem Buch", gab der Autor zu verstehen. Und es gibt da noch ein Buch, die Anthologie: "Leichenblass am Niederrhein" enthält 21 Geschichten von Autoren, die sich an der Criminale beteiligt haben.

(NGZ)