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Fußball: Spruchkammerurteil darf nur der erste Schritt sein

Fußball : Spruchkammerurteil darf nur der erste Schritt sein

Nach Tumulten: Zwei Kicker des SVG Grevenbroich für ein Jahr gesperrt - plus Geldstrafe. Straberg soll 200 Euro zahlen.

Das Urteil ist gesprochen, doch die konstruktive Aufarbeitung der betrüblichen Geschehnisse rund ums Meisterschaftsspiel der Fußball-Kreisliga B am 16. November zwischen dem FC Straberg und dem SV Gençlerbirligi Grevenbroich fängt gerade erst an. Dass es bis zur Normalität noch ein sehr weiter Weg ist, zeigten die Augenblicke nach dem Urteilsspruch: In der ersten Erregung wollten beide Vereine die Entscheidung nicht widerspruchlos hinnehmen.

Obgleich die Schuldfrage selbst nach mehr als einstündiger Beweisaufnahme im voll besetzten Sitzungssaal des Gasthauses "Zur Königslinde" in Grevenbroich-Neuenhausen nicht eindeutig geklärt werden konnte, verkündete der Vorsitzende Horst Planz nach gut 60-minütiger Beratung dieses Urteil: Wegen der unmittelbar nach Spielschluss ausgebrochenen Tumulte, die sogar den Einsatz der Polizei nötig gemacht hatten, zahlt als Gastgeber der für den "mangelhaften Ordnungsdienst" verantwortliche FC Straberg 200 Euro Strafe und ein Drittel der Verfahrenskosten. Da die Spruchkammer den Gästen einen wesentlich größeren Anteil an den Zuschauerausschreitungen anlastet, wird der SVG mit 500 Euro zur Kasse gebeten. Zudem hat der Klub zwei Drittel der Verfahrenskosten zu tragen.

Dazu kommen die individuellen Strafen des von Gençlerbirligi mit 2:0 gewonnenen Spitzenspiels, in dem Schiedsrichter Yunis Duran (TJ Dormagen) insgesamt acht Gelbe (je vier für beide Teams), vier Gelb-Rote (Straberg/1, Grevenbroich/3) und drei Rote Karten (Straberg/1, Grevenbroich/2) verteilte: Wegen "massiver Bedrohung" des Unparteiischen für ein Jahr gesperrt sind Selcuk Savas und der im Nachhinein als Aktiver identifizierte Zuschauer Erkan Akyüz (beide SVG). Ihrem Teamkollegen Ibrahim Cesur werden Handgreiflichkeiten mit Zuschauern zur Last gelegt - dafür muss er drei Monate abbrummen. Das Verfahren gegen den vom SVG inzwischen ausgeschlossenen Keeper Ismail Karatas (Rote Karte in der Nachspielzeit, weil er einem Gegenspieler den Ball an den Kopf warf), wird ausgesetzt. Bis zum 19. Januar aus dem Verkehr zog die Kammer die nach der Begegnung auffällig gewordenen Mark-Felix Kahlhardt und Meikel Kupper, zwei Monate muss Rotsünder Irfan Kesti (alle FC Straberg) abbüßen.

Das Problem: Trotz aller Mühe gelang es der mit Planz, Peter Krause, Georg Lenz, Reiner Schmitz und Günter Bierbaum besetzten Kammer in der Beweisaufnahme letztlich nicht, den Auslöser für die Tumulte, an denen insgesamt rund 40 Zuschauer beteiligt gewesen sein sollen, herauszufiltern. "Trotzdem musste es ein Signal geben, dass diese Dinge nicht geduldet werden", stellte Lenz in der Urteilsbegründung klar, ermutigte die Parteien indes ausdrücklich, das Gespräch zu suchen. In einer vor allem durch gegenseitige Beleidigungen in den sozialen Netzwerken vergifteten Atmosphäre kein leichtes Unterfangen. SVG-Geschäftsführer Ramazan Kavgaci: "Wir werden da als Terroristen abgestempelt."

Wege, wie es nun - unabhängig von den angekündigten Einsprüchen gegen das Urteil - sportlich weitergehen kann, muss die Führungsmannschaft des Fußballkreises Grevenbroich/Neuss aufzeigen. Genau das war Thema der gestrigen Vorstandssitzung. "Denn bei allem Verständnis für Mannschaften wie den FC Delhoven II, der aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus zum neuangesetzten Spiel gegen den SVG Grevenbroich nicht angetreten ist, kann das nicht die Lösung sein", gibt Schiedsrichter-Obmann Dirk Gärtner zu bedenken. Ein Anti-Aggressionstraining wäre womöglich ein guter Anfang ...

(NGZ)