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Korschenbroich: Sportvereine: Zahlen lohnt sich

Korschenbroich : Sportvereine: Zahlen lohnt sich

Neues Konzept der Sportförderung: Manfred Schmidt vom Landessportbund empfiehlt Korschenbroichs Sportvereinen, Nutzungsgebühren für Sportstätten und Umsatzsteuer zu zahlen. Umso mehr käme wieder zurück.

Gegen Nutzungsgebühren für Sportstätten pflegen sich Vereine in aller Regel zu wehren. Auch sind sie tunlichst bemüht, nicht umsatzsteuerpflichtig zu werden. Falsch, hält Manfred Schmidt vom Landessportbund entgegen: Auf Einladung des Stadtsportverbands (SSV) Korschenbroich präsentierte er jetzt eine völlig andere Strategie der kommunalen Sportförderung. Gebühren seien ebenso nötig wie die Zahlung der Umsatzsteuer – weil nämlich am Ende bei der Rückzahlung deutlich mehr herauskommt, erklärte Schmidt. "Sie wissen gar nicht, was Sie verschenken, und das möglicherweise schon seit Jahrzehnten", betonte Schmidt.

Vorschläge getestet

Er selbst hat seine Vorschläge lange in der Praxis getestet. Bis 2010 war Manfred Schmidt bei der Stadt Recklinghausen für alle Abgaben- und Steuerfragen sämtlicher kommunaler Einrichtungen zuständig. Neben der Bereitschaft zum Umdenken sind für das von ihm empfohlene Konzept Kenntnisse des Steuerrechts ebenso nötig wie die Entschlossenheit "sich vom Finanzamt nicht ins Bockshorn jagen zu lassen", sagte Schmidt. Auch die Kommunen sind natürlich gefragt: Voraussetzung dafür, "die Sportförderung aus der Vorsteuer" bestreiten zu können, ist Schmidt zufolge die Bereitschaft, Bäder, Sporthallen und -plätze künftig nicht mehr hoheitlich zu betreiben, sondern sie zu "Betrieben gewerblicher Art" zu machen, die von den Vereinen als gleichsam "wirtschaftlichen Eigentümern" geführt werden. Dabei geht es keineswegs darum, Gesetzeslücken auszunutzen. "Der Gesetzgeber hat dies gezielt so geregelt, weil er den Sport fördern wollte", betonte Schmidt.

Politiker und Publikum zeigten Interesse an dem neuen Ansatz. Gerd Krappa (CDU) erklärte, das Modell für sei hochinteressant. Er hält es für denkbar, dass "wir das auch im Kreis der Politik noch einmal erörtern". Ähnlich sieht es SPD-Fraktionschef Paul Jahny: "Wir sind immer bemüht, neue Wege zu gehen und Synergien zu schaffen." Durchaus vorstellbar ist es dem Sozialdemokraten zufolge, Manfred Schmidt in den Hauptausschuss einzuladen. Dort könnte dann auch die Verwaltung Stellung nehmen.

Dass Bürgermeister Heinz Josef Dick, Kämmerer Bernd Dieter Schultze und Sportamtsleiter Hans-Peter Walther trotz Einladung bei dem Treffen fehlten, ärgerte insbesondere den SSV-Vorsitzenden Rainer Türke: "Ich bin maßlos enttäuscht. Man könnte fast zu dem Schluss kommen, dass die Stadt an etwaigen Haushaltsverbesserungen gar nicht interessiert ist."

(NGZ)