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Sportvereine im Rhein-Kreis Neuss mit Problemen wegen verlängertem Lockdown

Verlängerter Lockdown : Sportvereine benötigen Solidarität

Der verlängerte Lockdown fordert die Geduld der Amateur- und Freizeitsportler, sorgt aber auch dafür, dass Pläne für die Fortsetzung des Spielbetriebs platzen. Gut sieht es jedoch für die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss aus.

In den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz zusammen mit der Bundesregierung am Dienstag hat der Sport zwar keine gesonderte Erwähnung gefunden. Doch durch die Verlängerung des Lockdowns bis mindestens zum 31. Januar ist klar, dass sich auch die Amateur- und Freizeitsportler im Rhein-Kreis Neuss weiter gedulden müssen, ehe sie wieder Vereinsangebote in Anspruch nehmen können. Auch die Pläne der meisten Fachverbände für eine Rückkehr zum Spiel- und Wettkampfbetrieb sind mit den Entscheidungen in Berlin plötzlich wieder Makulatur.

Wobei sich durch die Entwicklung der Infektionszahlen in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet hatte, dass es so kommen würde. Deswegen hält sich die Überraschung im heimischen Sport auch in Grenzen. „Was ich so aus den Vereinen höre, ist, dass es dort eine unheimliche große Geduld gibt und die schwierige Situation mit großer Stärke getragen wird“, weiß Hermann-Josef Baaken als Vorsitzender des Kreissportbundes Rhein-Kreis Neuss (KSB) und des TSV Norf zu berichten. Gleichwohl seien die Vereine natürlich erpicht darauf, sofort wieder loszulegen, wenn die Politik es erlaube. Sein Appell: „Bleibt mutig, es gibt Licht am Ende des Tunnels. Ich hoffe mit Hilfe der Impfstoffe, können wir irgendwann im Frühjahr wieder loslegen.“

Dass die Vereine in dieser schweren Zeit auch Solidarität benötigen, betonte Baaken schon vor ein paar Wochen, als er davon berichtete, dass etwa sein TSV Norf wegen der Lockdowns Mitglieder verloren habe. „Der Mitglieder-Rückgang ist aber je nach Verein total unterschiedlich“, weiß der KSB-Vorsitzende. Besonders stark betroffen davon ist die Turngemeinde als Neuss’ größter Sportverein. Ende vorigen Jahres sank die Mitgliederzahl um rund 700 auf 5100, Anfang Januar sind schon wieder ein paar gegangen. „Mut macht uns aber, dass eine Umfrage ergeben hat, dass 50 Prozent zurückkommen wollen, wenn die Krise vorüber ist“, erklärt TG-Geschäftsführer Klaus Ehren.

Im Kampf gegen den Mitgliederschwund will die Turngemeinde noch stärker auf Online-Angebote setzen. Neben den allgemeinen Videokursen auch für Nicht-Mitglieder wird auch an sportartspezifischen Trainingsvideos etwa für Judoka, Schwimmer und Triathleten gearbeitet. Zudem schult die TG seine Geschäftsstellenmitarbeiter, um helfen zu können, wenn immer häufiger Mitglieder anrufen, die nicht verstehen, wieso der Verein bestimmte Dinge nicht mehr anbieten kann.

Dennoch, es gibt Abgänge und die bedeuten auch finanzielle Verluste, die der Turngemeinde richtig wehtun. „Unsere Neubaupläne an der Schorlemerstraße sind davon allerdings nicht betroffen“, sagt Klaus Ehren beruhigend. Auf dem Vereinsgelände sollen unter anderem eine neue Turnhalle errichtet und bestehende Räume renoviert werden. Eigentlich nicht betroffen vom Lockdown für den Sport sind auch die Basketballerinen der TG Neuss, denn in der 2. Bundesliga gelten für sie die Sonderregelungen für den Profisport. Dass sich die Liga Anfang Dezember dennoch eine Pause bis zum 10. Januar verordnete, geschah angesichts zahlreicher Corona-bedingter Spielausfälle auf freiwilliger Basis.

Jetzt sieht es aber so aus, als werde der Spielbetrieb in der 2. Basketball-Bundesliga wie geplant, am Wochenende 16./17. Januar fortgesetzt, das teilte der Verband laut Ehren am Mittwoch mit. Die TG Neuss Tigers sind seit dem 4. Januar in Zweiergruppen wieder im Training und haben laut Klaus Ehren auch die behördliche Bestätigung, Meisterschaftsspiele in der Elmar-Frings-Halle austragen zu dürfen.

Die Amateurfußballer müssen mit dem verlängerten Lockdown dagegen ihre Pläne über Bord werfen, die Saison am Wochenende 23./24. Januar fortzusetzen. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass nur noch eine Einfachrunde ausgespielt wird, weil sonst die Zeit zu knapp werden könnte. Schließlich steht im Sommer eine EM an und vor der Amateursaison wurde beschlossen, dass mindestens die Hälfte alle Spiele absolviert werden müssen, damit sie gewertet werden kann. „Wobei eine pauschale 50-Prozent-Regel am einfachsten, aber nicht am besten für die Vereine wäre“, sagt Dirk Gärtner, Vorsitzender des Fußballkreises Grevenbroich/Neuss. Jede Staffel müsse individuell betrachtet werden, weil sonst nachher die Anzahl der anstehenden Spiele viel zu unterschiedlich sei. Wobei es Gärtner am Ende sogar wichtiger wäre, zunächst einen Trainingsbetrieb zu ermöglichen: „Dabei ist insbesondere für die Kinder Bewegung so wichtig.“ Der Fußballverband Niederrhein stimmt sich aktuell in seinen Gremien und mit den Vereinen ab, wie es weitergehen soll. Eine Entscheidung soll bald verkündet werden.

Der Handballverband Niederrhein war so weitsichtig, bei seiner Saisonunterbrechung gleich zwei Szenarien festzulegen. Szenario eins mit einem Trainingsstart am 11. Januar und einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 6. Februar ist mit der Verlängerung des Lockdowns hinfällig. Noch möglich ist Szenario zwei mit einem Trainingsstart am 15. Februar und einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 13. März. Dann würde aber nur die Hinrunde beendet. Das hat auch die Handball-Regionalliga mit dem TV Korschenbroich und dem Neusser HV geplant. Dort soll es am 6. März weitergehen. Sollte wegen Corona eine Fortsetzung der Meisterschaft bis zum Wochenende 20./21. März nicht möglich sein, haben sich die Regionalligisten auf eine Annullierung der Saison verständigt.

Auch noch umsetzbar ist der Plan der Basketball-Regionalliga, wo die Elephants Grevenbroich einen blendenden Start erwischt hatten, dann aber von Corona ausgebremst wurden. Dort soll die Saison am 5. März fortgesetzt werden. Nach Abschluss der Hinrunde ist eine Play-off-Runde geplant, um einen Meister zu ermitteln.