Radsport : Sportdorf als Talentschmiede

Beim "Spurt in den Mai" setzt der VfR Büttgen auf die Anziehungskraft des Nachwuchses. Das kommt nicht von ungefähr, denn Jugendarbeit wurde im Sportdorf schon immer groß geschrieben, wie 13 Deutsche Jugendmeistertitel aus den vergangenen fünf Jahren belegen

Gelb-schwarz dürften nicht nur die Farben des kommenden Deutschen Fußball-Meisters sein. Im Radsport steht diese Farbkombination für herausragende Nachwuchsarbeit. "Eine der besten in Deutschland", sagt Friedhelm Kirchhartz mit berechtigtem Stolz.

Der Organisationschef der beiden traditionsreichen Büttgener Radsporttage mit dem "Spurt in den Mai", der morgen zum 31. Mal ausgetragen wird, und dem Straßenrennen, das am Sonntag bereits seine 49. Auflage erlebt, muss es wissen. Schließlich war der 59 Jahre alte Jurist, als Vorstandsvorsitzender der NVV AG Chef über fast 1400 Mitarbeiter, die knapp 600 000 Menschen mit Strom und 260 000 mit Trinkwasser versorgen, selbst in jungen Jahren im gelb-schwarzen Renndress des VfR Büttgen unterwegs.

Und das nicht ohne Erfolg: Kirchhartz ist einer von 29 Namen in der umfangreichen "Hall of fame" des VfR, die mit den Olympiasiegen von Udo Hempel und Günther Schumacher beginnt und mit den jüngsten Titeln, den von Nils Schomber in der Mannschafts-Verfolgung auf der Bahn und dem Jugend-Mannschafts-Zeitfahren auf der Straße aus dem vergangenen Jahr, endet.

Vorerst, denn Kirchhartz und Co. sind überzeugt, dass ihre Nachwuchsarbeit weiterhin Früchte trägt. Dass sie nach eher mageren Jahren — zwischen 1994 und 2003 gab es keinen Titel — inzwischen wieder blüht, was 13 Deutsche Jugendmeistertitel aus den vergangenen fünf Jahren eindrucksvoll belegen, macht Friedhelm Kirchhartz an einem Mann fest: Hans-Peter Nilges, selbst erfolgreicher Straßenfahrer, in dessen Siegesliste unter anderem "Rund um Düren" verzeichnet steht, kümmert sich als Trainer intensiv um den Nachwuchs. So intensiv, dass er Max Stahr, der alleine zwischen 2005 und 2009 sieben DM-Titel einfuhr, bei sich zu Hause wohnen ließ, damit der es näher zum Training hat.

Stahr startet inzwischen für das Team Nutrixxion — und muss mit diesem am Sonntag "Rund um den Henninger Turm" fahren. Deshalb fehlt er ebenso beim "Heimatrennen" wie die Brüder Markus und Thomas Fothen, die zu Jugendzeiten gleichfalls für den VfR in die Pedale traten. Dafür sind beim "Spurt in den Mai" in Gestalt von Patrick Oeben, Christoph Schübbe und Daniel Scherring gleich drei Fahrer mit VfR-Wurzeln am Start. Und auch der Favorit fürs Straßenrennen, der Uedesheimer Joachim Tolles, trug einst das gelb-schwarze Trikot — und wird immer noch von Hans-Peter Nilges trainiert.

Zurück zu Friedhelm Kirchhartz: Der war 1969 Deutscher Juniorenmeister mit dem Bahnvierer und ein Jahr später im 500-Meter-Zeitfahren, nahm drei Mal an Junioren-Weltmeisterschaften teil. Seine damaligen Rennfarben haben sich freilich nicht auf seine Fußball-Leidenschaft übertragen — er ist Fan der anderen Borussia.

(NGZ)