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Sport im Rhein-Kreis Neuss: Zum Gedenken an Willi Esser

Sport allgemein : Er führte „die Gewerkschaft des Sports“

Willi Esser, Kreissportbund-Vorsitzender, Stadtdirektor und Citylauf-Erfinder, wäre am 13. Juli 80 Jahre alt geworden. Eine Erinnerung.

Liest man das Interview mit Willi Esser in der Festschrift „25 Jahre Kreissportbund“ aus dem Jahre 1987, kann man zu zwei Schlüssen kommen. Entweder hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht vieles (zum Guten) verändert, was den Sport im Rhein-Kreis Neuss anbetrifft. Oder der damalige Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB) war seiner Zeit weit voraus.

„Um hochkarätige Sportveranstaltungen ausrichten zu können, fehlt es einfach an den entsprechenden Räumlichkeiten“. – „Was fehlt, ist doch ein echtes Sportzentrum, das Spitzensportlern zu jeder Zeit zur Verfügung steht.“ Zwei Feststellungen, die heute genau so aktuell sind wie vor 33 Jahren. Der Unterschied: Sie kamen aus dem Mund eines KSB-Vorsitzenden, der die gesellschaftliche Rolle seines Verbandes klar definierte: als „Mittler und Meinungsbildner.“

Esser, sechs Jahre an der Spitze der Interessenvertretung aller sporttreibenden Vereine im Rhein-Kreis, mischte sich ein, wenn es um die Belange des Sports ging. So, wie es vor ihm Philipp Meuter getan hatte, den er 1984 im Amt (und in der Ausrichtung des KSB) beerbte. Willi Esser war ein Mann des Sports, wie es sie inzwischen nur noch selten gibt. Der einstige Sprinter, dem man später nicht mehr ansah, dass er einst 100 Meter in 10,9 Sekunden gelaufen war, gründete bereits als 19-Jähriger die Leichtathletik-Abteilung des TSV Bayer Dormagen, die in den 60 Jahren ihres Bestehens so viele Titel und Medaillen gesammelt hat wie kein anderer Sportverein im Rhein-Kreis.

Als Stadtdirektor von Korschenbroich (von 1981 bis 1999, vorher war er von 1969 bis 1973 Gemeindedirektor in Norf und von 1975 bis 1981 Gemeindedirektor in Korschenbroich) hatte er sicher anderes zu tun als sich um die sportliche Entwicklung des Kreises zu kümmern. Doch diese „wesentlich mitgestalten zu können, das reizte mich sehr,“ sagte er zu seiner Motivation, sich 1984 zur Wahl zu stellen. Und fügte an: „Wir sind die Gewerkschaft des Sports“.

Das hat so deutlich keiner gesagt von denen, die ihm nachgefolgt sind. Spätestens, als Dieter Welsink vor elf Jahren den KSB-Vorsitz zugunsten eines Engagements in der Politik aufgab, ist der KSB eher Dienstleister als Gewerkschaft. Wesentliche sportpolitische Impulse sind von ihm seither kaum ausgegangen.

Wobei Esser die Rolle des „Sport-Gewerkschaftlers“ nie darin sah, zu polarisieren. „Mit ihm verlieren wir nicht nur einen Motivator in Sachen Sport, sondern auch einen wichtigen Moderator, der ständig um Ausgleich bemüht war, ohne die Sache aus den Augen zu verlieren,“ sagte Dieter Welsink, als Willi Esser am 6. September 2004 nach kurzer, aber schwerer Krankheit für viele unerwartet im Alter von nur 64 Jahren verstarb.

Mit seiner „Erfindung“ des Korschenbroicher City-Laufs hatte er sich da längst ein Denkmal gesetzt. Stadtläufe gibt es viele in Deutschland, doch die Mischung aus Breiten- und Spitzensport mit dem Charakter eines Volksfestes, die Willi Esser 1989 auf den Weg brachte und bis zu seinem Tod aktiv gestaltete und begleitete, sucht ihresgleichen.

„Keiner hat sich so um die Sportszene insgesamt im Kreis in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdient gemacht wie Willi Esser,“ stellte Volker Staufert, von 1996 bis 2002 KSB-Vorsitzender, damals fest. Daran hat sich in den 16 Jahren seit Essers Tod nichts geänder. Am heutigen Montag wäre der gebürtige Hackenbroicher, für den Korschenbroich mehr als nur eine Wahl-Heimat war, 80 Jahre alt geworden. Hätte er diesen Tag erlebt, hätte er sicherlich bedauert, aufgrund der aktuellen Umstände nicht ausgiebig feiern zu können – denn das war neben dem sportlichen Engagement und seiner Familie seine andere große Leidenschaft. Seine früheren Mitstreiter und -arbeiter vermissen ihn nicht nur deshalb auch nach 16 Jahren noch.