Fußball : Spieler stehen (noch) zum VfR

Obwohl der Neusser Traditionsverein beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hat, hält das kickende Personal samt Trainer die Füße still – bis auf weiteres ...

Obwohl der Neusser Traditionsverein beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hat, hält das kickende Personal samt Trainer die Füße still — bis auf weiteres ...

Montagmorgen klingelte bei Denis Zagorica das Handy. Der in Diensten des Fußball-Bezirksligisten TuS Germania Hackenbroich stehende Torjäger Jens Skrzypczyk erkundigte sich nach dem Studium der NGZ höflich, ob der Kapitän des wieder mal in akuten Zahlungsnöten steckenden Landesligisten VfR 06 Neuss nicht in der Winterpause an die Hackhauser Straße wechseln wolle. Kein unmoralisches Angebot, schließlich hat Präsident Reinhard Josef Wendt für den mit Schulden in Höhe von rund 128 000 Euro belasteten Traditionsverein in der vergangenen Woche beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Am Freitagabend hatte Wendt die Neusser Kicker informiert und ihnen freigestellt, den Klub mit sofortiger Wirkung zu verlassen. Den großen Exodus befürchtet Trainer Jörg Ferber freilich nicht. "50 Prozent der Mannschaft kriegt sowieso kein Geld." Er sei jedenfalls fest davon überzeugt, dass der als Schlusslicht der Landesliga auch sportlich ins Wanken geratene VfR 06 in der Rückrunde ein wettbewerbsfähiges Team aufbieten könne.

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Erste Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Grün-Weißen der drohenden Insolvenz wie zuletzt 2004, als den Verein Verbindlichkeiten von etwa 100 000 Euro drückten, entgehen. Staffelleiter Reinhold Dohmen, der am Montag aus der NGZ von den aktuellen Entwicklungen rund um den VfR erfuhr, teilte nach einem raschen Blick in die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit: "Paragraf 6 der Spielordnung besagt, das ein Verein, über den vor dem letzten Spieltag das Insolvenzverfahren eröffnet wird, als erster Absteiger feststeht." Sollte der ehemalige Regionalligist den Kopf aber tatsächlich mal wieder aus der Schlinge ziehen können, könnte sich der sturmerprobte Ferber durchaus vorstellen, das Unternehmen Klassenerhalt weiter als Trainer zu begleiten. "Ich bin jetzt im vierten Jahr hier und habe in dieser Zeit schon so einiges mitgemacht. Ich wäre nicht abgeneigt, will aber abwarten, was sich in nächster Zeit tut."

Auch Zagorica, der beim FC Wegberg-Beeck eine solche Situation bereits erlebt hat, verspürt keinen Druck. "Gott sei Dank bin ich auf das Geld nicht mehr angewiesen. Jeder weiß doch, dass du in Neuss nicht viel bekommst." Er könne jedoch verstehen, wenn sich Akteure wie Hasan Er, der in Aachen arbeitet und in Mönchengladbach wohnt, oder Boubacar Coulibaly, der in Viersen zu Hause ist, anderweitig orientieren würden.

Obwohl er "woanders mehr verdienen könnte", wird der Kapitän wohl bleiben. Teamkollegen wie Selcuk Eren, in dem großes Potenzial stecke, rät er: "Die sollten das halbe Jahr hier beim VfR noch durchziehen und die Zeit nutzen, sich für andere Vereine zu empfehlen."

(NGZ)