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Sorgen bei Trainern aus dem Rhein-Kreis Neuss wegen Corona-Spielabsagen

Fußball : Corona-Spielabsagen bereiten Trainern Sorgen

Weil immer mehr Amateur-Fußballspiele wegen Verdachtsfällen verlegt werden, sehen viele Verantwortliche die Saison in Gefahr. In der Kreisliga A steht die erste englische Woche der Saison an, der FC Delhoven muss bis auf Weiteres pausieren.

In der Kreisliga A steht die erste englische Woche an. Am heutigen Mittwoch und am Donnerstag sind die heimischen Teams gefordert. Das gilt aber nicht für die Fußballer des FC Delhoven. Denn vergangene Woche meldete der Verein, dass ein Spieler positiv auf Corona getestet wurde. In der Folge schickte das örtliche Gesundheitsamt sechs weitere Spieler in Quarantäne – trotz negativer Testergebnisse. Das Beispiel zeigt: Mit den derzeitigen Regelungen wird es schwer, die Saison wie geplant über die Bühne zu bekommen.

Dabei hatte Dennis Kessel, 2. Geschäftsführer des FC Delhoven,  eigentlich positive Neuigkeiten: Der mit Corona infizierte Spieler weist keinerlei Symptome auf und auch bei den sechs Kameraden, die mit dem Erkrankten im direkten Kontakt standen, fielen die Testergebnisse negativ aus. Trotzdem wurde das Meisterschaftsspiel am Wochenende gegen den 1. FC Grevenbroich-Süd abgesetzt. „Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll. Wir schieben die Spiele ja nur auf und haben so schon viele englische Wochen“, sagt Kessel. Auf die tatsächliche Länge der Quarantäne, so Reinhold Dohmen, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses, habe der Fußballkreis keinen Einfluss: „Das entscheidet einzig und allein das zuständige Gesundheitsamt.“ An eben dieses Gesundheitsamt musste sich auch der FC Delhoven in Eigenregie wenden, um die weitere Vorgehensweise nach dem bestätigten Fall zu erfahren. „Da gab es vorher kein richtiges Konzept für die Vereine. Die Regelung vom Verband ist zwar klar, die Schritte danach aber nicht nachvollziehbar. Das alles zu managen, war die erste Herausforderung“, berichtet Kessel.

Auch Bezirksliga-Trainer Frank Lambertz vom TSV Bayer Dormagen wünscht sich für diesen Fall mehr Hilfe für die Vereine. „Es gibt keine klaren Richtlinien, wie der Verein sich bei einem Verdachtsfall verhalten muss“, sagt Lambertz, der die Schuld jedoch in dieser „für alle neuen Situation“ bei niemanden speziell suchen will. An dem Begriff „Verdachtsfall“ scheiden sich zurzeit die meisten Geister. Die derzeitige Regelung des Fußballverbands sieht Folgendes vor: Bei einem Verdachtsfall kann der betroffene Verein eine Absetzung des kommenden Spiels erbitten, sofern noch kein Ergebnis feststeht. Alles, was für eine in diesem Fall rechtmäßige Absetzung erforderlich ist, ist eine Bescheinigung über den absolvierten Test. „So können wir alle einpacken. So macht die Saison keinen Sinn“, betont Marcel Winkens, Trainer des Bezirksligisten VfL Jüchen-Garzweiler.

Auch Dennis Kessel befürchtet, dass man unter diesen Umständen nicht bis zur Winterpause durchkommen wird: „Langsam kommen wir auch in eine Zeit, in der es kaum möglich sein wird, Corona anhand der Symptome noch von einer Grippe unterscheiden zu können.“ Klar ist, die Amateurfußballer müssen in jedem Fall Kompromisse eingehen, sie haben nicht die Möglichkeiten der Bundesligisten und müssen sich stets an den Vorgaben von Politik und Ämtern orientieren.

Die Frage, die sich die Verantwortlichen stellen müssen, bringt Jüchens Trainer Marcel Winkens auf den Punkt. „Wollen wir damit leben, dass ein Corona-Verdachtsfall den Spielbetrieb lahmlegt oder lockern wir die Regeln auf und ziehen vielleicht nur vorerst den Spieler raus?“. Auch die Befürchtung, dass Vereine die Regelung zu ihren Gunsten ausnutzen könnten, um einen Spielausfall zu provozieren, schließt er nicht gänzlich aus.

Bei all den Unbekannten, die zurzeit herrschen, stellt Reinhold Dohmen vom Fußballkreis eines klar. „Das Saisonende am 20. Juni 2021 steht fest. Sollten bis dahin mehr als 50 Prozent der Spiele absolviert worden sein, entscheidet die Quotientenregel über Auf- und Absteiger.“