Jüchen : Solarstrom für Jüchen

Schon in der kommenden Woche will die Gemeinde eine Bürgersolar-Genossenschaft gründen. Über Anteile sollen die Jüchener Bürger eine 300 KW-Anlage mitfinanzieren und dafür eine Rendite von rund fünf Prozent erhalten.

Die Zeit drängt. Spätestens am 1. Juli, wahrscheinlich früher, will die Bundesregierung die Förderung für Solarstrom noch einmal reduzieren. Die Stromgewinnung aus Photovoltaikanlagen ist dem Wirtschaftsminister nicht effizient genug. Dennoch will die Gemeindeverwaltung künftig mit Solarstrom Geld verdienen und den Bürgern eine interessante Geldanlage anbieten. Schon in der kommenden Woche soll die Bürgersolargenossenschaft eingetragen werden. Der Hauptausschuss stimmte einem entsprechenden Antrag am Donnerstagabend zu.

Getragen wird die Genossenschaft von vier Säulen: der Gemeinde, der Raiffeisenbank Grevenbroich, der NEW Re GmbH und den Bürgern. Dabei ist insbesondere die Aufgabe der Gemeinde durchaus problematisch. Sie stellt geeignete Dächer für die Solaranlage zur Verfügung und bekommt dafür eine symbolische Nutzungsgebühr. Doch statisch ausreichende Dächer sind kaum zu finden. Bürgermeister Harald Zillikens deutete an, dass die noch zu errichtende Dreifachhalle in Bedburdyck als möglicher Standort geprüft wird. Geeigneten Standorte sind laut Zillikens die Realschule Jüchen und das Schwimmbad Stadionstraße. Tatsächlich konzentrieren sich die Bemühungen auf sechs Dächer. "Zwei entsprechen den Anforderungen, bei vier weiteren werden wir noch einmal prüfen", sagt Markus Palic, Geschäftsführer der NEW Re.

Die Tochter des Mönchengladbacher Energieversorgers ist für den technischen Part der Genossenschaft verantwortlich. Sie wird die Solaranlagen bauen, warten und übernimmt vorläufig den Eigenanteil von rund 25 Prozent der gesamten Investitionskosten. Diese belaufen sich auf etwa 400 000 Euro. "Wir werden entsprechende Anteile der Genossenschaft zeichen", sagt Palic. Den restlichen Betrag übernimmt die Raiffeisenbank mit einem zinsgünstigen Darlehen. Den Vorbildern in Willich und Mönchengladbach folgend, sollen Jüchens Bürger rund 100 000 Euro über eigene Anteile finanzieren. Dafür erhalten sie eine garantierte Verzinsung.

Die Laufzeit richtet sich nach der garantierten Förderung für Solarstrom. Sollten die Solaranlagen wie geplant im Sommer ans Netz gehen, würde die Genossenschaft ihren Strom mit 21,98 Cent pro Kilowattstunde vergütet bekommen. Die Gesamtleistung der Anlage soll zwischen 250 und 300 KW betragen. "Damit könnten wir eine Rendite von etwa fünf Prozent garantieren", sagt Palic.

Jüchens neue Wirtschaftsförderin, Olivia Weidemann, hofft, viele Jüchener für die Idee zu begeistern: "Damit wird Solarstrom für alle interessant." Die Gemeinde selbst will sich mit 2500 Euro an der Genossenschaft beteiligen.

(NGZ)