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So treffen die verschärften Corona-Maßnahmen den Sport im Rhein-Kreis

Verschärfte Corona-Regeln : So reagiert der heimische Sport auf Lockdown light

Der deutsche Amateursport wird von den verschärften Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern hart getroffen. Der Betrieb wird eingestellt.

Nun ist es amtlich. Was viele befürchtet haben und sich durch die steigenden Infektionszahlen der vergangenen Wochen abgezeichnet hat, ist seit Mittwoch Realität. Die in Berlin beschlossenen, neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland beinhalten auch, dass der Sportbetrieb nach dem ersten Lockdown ein zweites Mal zum Erliegen kommt – sowohl im Wettkampf- als auch im Trainingsbetrieb. Zunächst zwar nur von Montag bis Ende November, doch bis dahin sollen alle öffentlichen und privaten Sportanlagen sowie Schwimmbäder für den Freizeit- und Amateursportbetrieb nicht mehr zur Verfügung stehen.

Einige Sportverbände haben diese Entwicklung offenbar schon vorausgesehen. Den Anfang machten vorige Woche die Handballer und die Basketballer, deren westdeutschen Landesverbände dem Spielbetrieb vorsorglich eine Pause verordneten. Am Sonntag tat es ihnen dann der Westdeutsche Tischtennisverband (WTTV) gleich. Zurückhaltend hat sich bislang der Fußballverband Niederrhein gegeben, er wollte die Lage beobachten und hat jetzt die Entscheidung von der Politik abgenommen bekommen. Wenn die Sportstätten gesperrt sind, kann auch nicht mehr gespielt oder trainiert werden. Unmittelbar davon betroffen ist zum Beispiel Fußball-Landesligist Holzheimer SG. Die HSG hofft, dass sie am Samstag noch daheim die Erstrundenpartie im Niederrheinpokal gegen Germania Ratingen austragen kann, sieht dann aber auch die Notwendigkeit einer Pause ein. „Natürlich sind wir alle Sportler und wollen gemeinsam unsere Sportart ausüben. Aber die Gesundheit aller geht eindeutig vor“, erklärt HSG-Trainer Hamid Derakhshan und ergänzt: „Viele von uns hatten kein gutes Gefühl dabei, weil wir andere nicht in Gefahr bringen wollen. Deswegen haben wir Verständnis für die Maßnahmen.“

Das sieht bei Dirk Gärtner, Vorsitzender des Fußballkreises Grevenbroich/Neuss nicht anders aus. „Ich bin überzeugt, dass sich die Politik bewusst ist, was es bedeutet, den Sport wieder so stark einzuschränken. Es wird jetzt alles daran getan werden, die Wirtschaft so gut es geht aufrecht zu erhalten“, erklärt Gärtner. Da müsse sich der Fußball und der Sport im Allgemeinen einordnen und solle sich nicht in den Vordergrund spielen. Deswegen sei auch eine Einstellung des Spielbetriebs zweitrangig und zu akzeptieren. Gärtner stellt sich nur die Frage, was es mit Kindern und Jugendlichen macht, die jetzt schon den ganzen Tag in der Schule eine Maske tragen müssen und nachmittags dann keinen Sport in ihrem Verein treiben können. „Ich sehe es an meinen Kindern, wie wichtig für sie der Sport ist. Diese Dinge sind aber auch schon bei der Politik platziert worden“, betont der Vorsitzende des Fußballkreises.

Im Westdeutschen Basketball-Verband (WBV) war am Mittwochabend noch offen, was mit der Regionalliga passiert. In einer Videokonferenz hatten sich die 13 Klubs am Dienstag auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs geeinigt. Allerdings unter Vorbehalt: So setzt, falls die Hallen in den Kommunen und Städten überhaupt freigegeben werden, der Deutzer TV auf jeden Fall für drei Wochen aus. Ihm ist wohl das Risiko zu groß, weil er viele Spieler in systemrelevanten Jobs hat. Auch die Hertener Löwen wollen eigentlich nur dann auflaufen, wenn Zuschauer erlaubt sind. Kann am Samstag noch gespielt werden, empfängt Grevenbroich den Aufsteiger TuS 59 HammStars am Torfstecherweg in Gustorf. Elephants-Coach Ken Pfüller: „Wir wollen auf jeden Fall – und auch Hamm würde kommen.“ Definitiv raus ist der BSV Wulfen wegen einer positiven Corona-Testung. Auch die Rhöndorf Dragons, die in Deutz anzutreten hätten, müssen eine Zwangspause einlegen, obwohl sich der Corona-Verdacht der Vorwoche nicht bestätigt hat.

Während den Korbjägern aus Grevenbroich noch nicht klar ist, ob sie als Regionalligist von einer Sonderregelung als Profibasketballer profitieren können, steht das bei den Zweitliga-Damen der TG Neuss fest. „Die 2. Bundesliga zählt für den Profibereich“, stellt TG-Geschäftsführer Klaus Ehren klar. Er geht darum davon aus, „dass am Wochenende auch gespielt wird“. Am zweiten Spieltag müssten die Tigers, die zum Saisonstart daheim das als Geisterspiel ausgetragene Topmatch gegen die Avides Hurricanes aus Rotenburg mit 91:76 gewonnen hatten, beim Neuling ASC Göttingen ran. Noch ist freilich nicht bekannt, ob die Lage in Niedersachsen den Anpfiff zulässt. Ehren: „Spätestens am Freitag muss die Heimmannschaft ihrem Gast mitteilen, ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen gespielt werden kann.“ Abteilungsleiterin Angela Krings will erstmal abwarten, was der Verband entscheidet, ist sich aber sicher: „Wenn zwei, drei Spiele wegfielen, würde wir das trotzdem hinbekommen, die Saison zu Ende zu spielen.“

Ohne jeden Zweifel zählen die Handballer des Zweitligisten TSV Bayer Dormagen zum Profibereich. Deswegen ist Handball-Geschäftsführer Björn Barthel auch felsenfest überzeugt, dass die Handball-Bundesligen von den aktuellen Beschlüssen in Berlin nicht betroffen sind. „Das ist unser Beruf, ich sehe keinen Grund uns an der Ausübung zu hindern“, erklärt Barthel. Für ihn stellt sich nur die Frage, ob zumindest eine kleine Anzahl Zuschauer zugelassen werden oder ob es Geisterspiele geben wird. Aus seiner Sicht gibt es keinen Grund, kein Publikum zuzulassen. Die Vereine hätten ihre Hausaufgaben in Sachen Hygiene gemacht. Es sei kein Fall bekannt, bei dem es im Sport einen Infektionsherd gegeben habe.

Dass es jetzt die Argumentation gebe, die Menschen könnten sich aber nach dem Spielbesuch noch treffen, seit etwas, das den Profivereinen nicht auch aufgebürdet werden könne. „Wir haben unseren Job gemacht und können genau belegen, wer wo bei uns in der Halle gesessen hat. Da ist alles nachvollziehbar“, betont Barthel.

Vom Profitum sind die meisten Tischtennteams aus dem Rhein-Kreis ganz weit weg, dennoch ist die Zuständigkeit für die einzelnen Ligen in Deutschland so geregelt, dass schon ab der Oberliga der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) verantwortlich ist. Im Gegensatz zum WTTV hat der DTTB aber noch keine generelle Pause verordnet. Er räumt den Teams allerdings die Möglichkeit ein, Partien in „Risikogebieten“ abzusetzen. Davon hat die 3. Bundesliga der Frauen mit der DJK Holzbüttgen fürs Wochenende schon komplett Gebrauch gemacht. Die Team der DJK in der Herren-Oberliga zog am Mittwoch nach und wird am Samstag  nicht zum Derby beim SC Bayer Uerdingen antreten. Übrig geblieben ist jetzt noch die Partie in der Damen-Regionalliga zwischen der DJK Holzbüttgen II und dem TTC Grün-Weiß Fritzdorf. DJK-Kapitänin Sandra Förster geht aktuell noch davon aus, dass gespielt wird. „Ich bin von den Fritzdorfern angeschrieben worden und habe geantwortet, dass wir aus unserer Sicht spielen würden.“