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Tennis: "So schnell wie möglich die Weichen stellen"

Tennis : "So schnell wie möglich die Weichen stellen"

Sein Fazit fällt überwiegend positiv aus, trotzdem hat sich Dietmar Skaliks noch nicht entschieden, ob er als Bundesliga-Teamchef weitermacht

Herr Skaliks, Ihre erste Saison als Teamchef des TC Blau-Weiss Neuss in der Tennis-Bundesliga haben Sie vor drei Wochen mit Platz fünf abgeschlossen. Im Urlaub in Spanien hatten Sie Zeit, darüber nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Wie fällt mit etwas Abstand Ihr Fazit aus?

Dietmar skaliks Aufs Ganze gesehen positiv. Auch wenn wir den Verbleib in der Bundesliga erst am letzten Spieltag sichergestellt haben – mit Rang fünf haben wir die beste Platzierung seit Jahren erreicht. Und das angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen, die wir allein schon deshalb hatten, weil wir aufgrund des Wechsels in der Verantwortung für das Team und für die Spielbetriebs-GmbH nur wenig Zeit zur Verfügung hatten. Ich glaube, viele haben uns nicht zugetraut, dass wir das schaffen.

Warum hat es trotzdem geklappt?

Skaliks Sportlich, weil wir trotz einiger Enttäuschungen einen guten Kader beisammen hatten. Vor allem hatten wir viele Spieler, die sich richtig 'reingehangen haben, das hat man auch im letzten entscheidenden Spiel in Bremerhaven noch einmal gesehen. Und organisatorisch, weil wir im Team zusammengearbeitet haben, weitgehend gut zusammengearbeitet haben – da kann ich mich beim Vorstand des TC Blau-Weiss, aber auch bei vielen Klubmitgliedern nur bedanken.

Trotzdem hatte man während der Bundesliga-Saison mitunter den Eindruck, Sie fühlten sich ein wenig im Stich gelassen.

Skaliks Im Stich gelassen nicht. Aber wie ein Einzelkämpfer bin ich mir schon manchmal vorgekommen. Die Verantwortung zu tragen, auch die finanzielle, ist die eine Sache. Für jede Kleinigkeit verantwortlich zu sein, ist die andere. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir alles ehrenamtlich gemacht haben. "Nebenbei" bin ich ja auch noch selbstständiger Unternehmer, und in diesem Bereich hat man schon gemerkt, dass ich in den vergangenen Monaten sehr viel Zeit für Tennis investiert habe.

Was bedeutet das für die nächste Saison?

Skaliks Falls ich weitermache, geht das nur, wenn ich personelle Unterstützung bekomme, wenn die Verantwortung, vor allem aber die organisatorische Arbeit, auf mehr Schultern verteilt wird.

Sie betonen das "falls". Steht denn in Frage, ob es auch zukünftig einen Teamchef Dietmar Skaliks geben wird?

Skaliks Weil ich direkt nach dem letzten Meisterschaftsspiel in Urlaub gefahren bin, haben wir in dieser Hinsicht noch keine Gespräche geführt. Es wäre ja auch denkbar, dass man innerhalb des Klubvorstands zu einer anderen Ansicht kommt. Und auch ich muss darüber nachdenken. Zwar überwiegt das Positive deutlich, auch, weil ich sehr viel Zuspruch von außerhalb bekommen habe und auch jetzt noch bekomme. Aber ich bin dazu nur bereit, wenn sich organisatorisch einiges ändert.

Sie sind ja nicht nur Teamchef, sondern auch alleiniger Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH. Wie ist denn die Saison in wirtschaftlicher Hinsicht gelaufen?

Skaliks Zahlen möchte ich keine nennen, aber ich kann sagen: Es war ein finanzieller Kraftakt, den wir nur mit viel Mühe bewältigen konnten. Es sind noch ein paar Löcher zu stopfe, doch ich bin optimistisch, dass das gelingt. Auch in dieser Hinsicht war das erste Jahr sehr lehrreich für mich.

Was haben Sie gelernt?

Skaliks Dass man, zumindest in einer Spielzeit wie der vergangenen Saison, einen Etat von 200 000 Euro braucht, um vernünftig in der Liga mithalten zu können. Was auch damit zusammenhängt, dass die Liga insgesamt die stärksten Kader aller Zeiten aufgeboten hat – deshalb war der Kampf gegen den Abstieg ja auch bis zuletzt so spannend.

Was bedeutet das mit Blick auf die nächste Saison?

Skaliks Falls ich weiter die Verantwortung trage, neige ich dazu, einen großen Teil des aktuellen Kaders zu halten. Mit Peter Gojowczyk und Antonio Veic würde ich am liebsten gleich Verträge abschließen, auch unsere Spitzenspieler Leonardo Mayer und Filippo Volandri dürfen gerne wiederkommen. Aber ich fürchte, dass seine 5:1-Einzelbilanz und sein starker Auftritt bei den US Open Peter Gojowczyk auch für die zahlungskräftigere Konkurrenz interessant gemacht haben. Unabhängig davon erscheint mir wichtig, gute Doppelspieler zu verpflichten. Letzten Endes hat unsere ausgeglichene Doppelbilanz den Ausschlag gegeben, dass wir die Klasse gehalten haben. Aus all dem folgt, dass wir bis Ende des Jahres die meisten Verträge unter Dach und Fach haben sollten. Deshalb sollten jetzt so schnell wie möglich die Weichen gestellt werden – intern, aber auch, was Sponsoren angeht.

VOLKER KOCH FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(NGZ)