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Handball: So macht der Handball keinen Spaß

Handball : So macht der Handball keinen Spaß

Das Niveau der Mannschaften ist in der Dritten Handball-Liga West enorm gestiegen. Das Niveau der Unparteiischen hat damit allerdings nicht Schritt gehalten. Ihre schwachen Leistungen beeinflussen immer öfter den Verlauf der Spiele.

Gibt man in der Internet-Suchmaschine Google das Namenspaar "Behler/Johnen" ein, erhält man unter den ersten sechs Einträgen fünf relativ gleich lautende: "Dass es kein normales Handballspiel gab, lag zuvorderst an den beiden Unparteiischen Behler/Johnen." Die folgenden Spielberichte beziehen sich auf Partien aus Ober- und Verbandsliga.

Trotz solcher Kritik darf das Duo aus Solingen und Beckrath inzwischen Spiele in der Dritten Liga leiten. Am Freitagabend feierten sie Premiere — ausgerechnet beim Aufeinandertreffen zwischen dem TV Korschenbroich und dem Neusser HV. Dass Jan Behler und Marcus Johnen dem Geschehen auf dem Parkett nicht gewachsen waren, zeichnete sich schon früh ab. Sie verteilten — auf beiden Seiten — Zeitstrafen, wo keine nötig gewesen wären und übersahen dafür — auf beiden Seiten — Fouls, die eine gerechtfertigt hätten. Und sie handhabten das Instrument des "Zeitspiels", das den Unparteiischen ohnehin viel zu viel Interpretationsspielraum lässt, extrem unterschiedlich.

Wohlgemerkt: Jan Behler und Marcus Johnen taten dies auf beiden Seiten gleichermaßen. Sie deshalb für die 22:32-Niederlage des Neusser HV verantwortlich zu machen, kommt dessen Trainer nicht in den Sinn. Und doch, sagt René Witte, beeinflussen solche Entscheidungen den Spielverlauf und damit auch den Ausgang einer Partie: "Schiedsrichter können in diesem schnellen Spiel nicht alles sehen, Schiedsrichter machen genau wie wir Fehler, das gestehe ich ihnen zu. Aber Schiedsrichter müssen wenigstens eine Linie haben, auf die man sich einstellen kann. Das war heute nicht der Fall." Seine Mannschaft sei als Aufsteiger in solchen Situationen überfordert: "Meine Jungs verlieren dann die Übersicht." So erklärt er sich auch den katastrophalen Einbruch der 45 Minuten lang ebenbürtigen Gäste, die die letzten 13 Spielminuten mit 4:12 verloren. Wittes Schlussfolgerung: "Wir müssen ganz schnell lernen, damit umzugehen, denn solche Schiedsrichterleistungen werden wir noch öfter erleben."

Spätestens dann, wenn Henning Bargmann und Daniel Stein eine Partie mit Neusser Beteiligung leiten. Denn die Unparteiischen aus Bornheim und Koblenz hinterließen einen Tag später im Lokalduell zwischen ART Düsseldorf und dem TSV Bayer Dormagen einen kaum souveräneren Eindruck — und das, obwohl das Duo sogar über Zweitliga-Erfahrung verfügt. In den ersten elf Spielminuten einer zwar von starken Abwehrreihen beherrschten, aber keineswegs übertrieben hart oder unfair geführten Partie zückten sie gleich fünf Mal "Gelb". Am Ende standen jeweils vier Zeitstrafen für beide Teams zu Buche, ein vergleichsweise harmloser Wert. Doch in puncto Zeitspiel oder Stürmerfoul ließen auch Bargmann/Stein jegliche Linie vermissen. Wobei zwei Tendenzen deutlich erkennbar sind: Je offensiver gedeckt wird, desto schwerer tun sich die Schiedsrichter. Und: Je schneller eine Mannschaft spielt, desto eher sind sie bereit, den Arm zum "Zeitspiel" zu heben — wer von Anfang an seine Angriffe lang ausreizt, kommt oft ungeschoren davon.

Je mehr die Spiele unter solchen Entscheidungen leiden, desto weniger Spaß macht Handball allen Beteiligten. Jan Behler und Marcus Johnen pfiffen am Samstag übrigens die Partie der TSG Bielefeld gegen den OHV Aurich und verhängten dort insgesamt 16 (!) Zeitstrafen.

(NGZ)