Jüchen: "Smoothfood"-Erfinder serviert Salat als Creme

Jüchen : "Smoothfood"-Erfinder serviert Salat als Creme

Markus Biedermann verwandelt komplette Mahlzeiten in leicht verzehrbaren Schaum. Wie's geht, zeigte der Schweizer jetzt in Jüchen.

Ein vollständiges Frühstück, geraspelter Möhrensalat, frische Erbsen — wer an diese Speisen denkt, erwartet sie nicht als luftig-schaumige Creme in einem Gläschen. Genau dies ist die Zubereitung, auf die der Schweizer Koch und Gerontologe Markus Biedermann setzt.

Markus Biedermann, Initiator von "Smoothfood" aus der Schweiz, zeigte Küchen- und Pflegepersonal diese Art der Speisenzubereitung. Foto: L. Berns

Speziell für Ältere hat er gemeinsam mit Herbert Thill "Smoothfood" kreiert. Die Idee dahinter: "Durch diese Art der Zubereitung können sich auch Menschen, die nicht mehr kauen oder schlucken können, schmackhaft und nährstoffreich ernähren", sagt Biedermann.

Und auch das Auge wird verwöhnt, wenn der ganz in Schwarz gekleidete "Smoothfood"-Papst mit charmantem Schweizer Zungenschlag auf niedlich-leckere "Apfelküchli" oder "Käsestängli" verweist. Für zwei Tage war er jetzt im Jüchener Seniorenzentrum "Haus Maria Frieden" zu Gast, leitete dort eine Fortbildung für Küchen- und Pflegemitarbeiter von Seniorenheimen im Bistum Aachen.

Für Richard Sachse, Leiter im "Haus Maria Frieden", ist dies der zweite Besuch von Markus Biedermann. Er verspricht sich davon "zahlreiche Impulse, auch durch Kommunikation zwischen den Mitarbeitern aus Pflege und Küche". Von den 120 Menschen, die in der Einrichtung leben, brauchen 27 speziell zubereitete Mahlzeiten. Sie können nicht mehr kauen, haben Probleme beim Schlucken oder können nicht mehr die Menge an notwendigen Nährstoffen aufnehmen.

"Es wird immer mehr ältere Menschen geben. Deshalb wird auch das Interesse an speziell für ihre Bedürfnisse zubereiteter Nahrung steigen", meint Richard Sachse. Ellen Backhaus, Hauswirtschaftsleiterin im Seniorenheim, freut sich nach den beiden Fortbildungstagen besonders über die "zahlreichen Rezepte": "Das bringt neue Anregungen für den Alltag."

Genau das ist es auch, was Markus Biedermann erreichen will. "Die Menschen sollen auch im letzten Abschnitt ihres Lebens Freude am Essen, Spaß am Genießen spüren." Essen müsse daher mehr sein als die bloße Kalorien- und Nährstoffzufuhr: Deswegen setzt der Schweizer auf hochwertige Zutaten und möchte den Senioren mehr bieten als "Einheitsbrei". Dass der Aufwand bei "Smoothfood" höher sei als bei konventionell zubereiteten Mahlzeiten, leugnet Markus Biedermann nicht. Er verweist etwa auf den Sahne-Siphon aus Edelstahl, unverzichtbar zum Aufschäumen. Einfacher wird Essen und Trinken für Senioren auch durch spezielles Geschirr, etwa Trinkbecher mit einer Öffnung für die Nase.

Und Markus Biedermann? Er kann sicher sein, bei den 16 Mitarbeitern aus Küche und Pflege auf Zustimmung gestoßen zu sein. Sie nutzten zum Abschluss der Fortbildung gern die Möglichkeit, den Karottensalat als leuchtend orangefarbene Creme oder das vollständige Frühstück als luftigen Schaum zu probieren. "Mmmmh, das schmeckt", lautete das Urteil.

(NGZ/rl)
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