Skaterhockey-Bundesliga Crash Eagles Kaarst

Skaterhockey: Die Skaterhockey-Hochburg

Vor fünf Jahren dümpelten die Crash Eagles noch in der Zweiten Liga herum, jetzt fehlt den Kaarstern ein Sieg, um zum dritten Mal in Folge das Finale um die Deutsche Skaterhockey-Meisterschaft zu erreichen. Doch der Erfolg ruft offenbar auch Neider auf den Plan.

Was waren das doch für herrliche (Sport-)Zeiten, als es noch keine Internet-Foren und sozialen Netzwerke gab. Inzwischen müssen sich selbst Sportverbände mit den dort geäußerten Vorwürfen und Spekulationen auseinander setzen.

So geschehen im Fall der Halbfinalspiele um die Deutsche Skaterhockey-Meisterschaft zwischen den Crash Eagles Kaarst und den SHC Rockets Essen. Auf Grund „der großen Zahl an negativem Feedback, an unbewiesenen Spekulationen und unhaltbaren Verschwörungstheorien“ sieht sich der Vorstand der ISHD – die Abkürzung steht für Inline-Skaterhockey Deutschland und ist die Sportkommission für Inline-Skaterhockey des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes – genötigt, Stellung zu beziehen. Vordergründig geht es um die – vom Spielausschuss annullierte – Matchstrafe gegen den Kaarster Moritz Otten, um die Freistellung von drei Eagles-Spielern vom Lehrgang der Junioren-Nationalmannschaft und den „Verdacht, ein Schiedsrichter hätte enge persönliche Beziehungen zu einem der beiden Vereine der Serie.“

Wer mag, kann das alles auf der Internetseite der ISHD (www.ishd.de) nachlesen. Er (oder sie) muss das aber nicht tun. Denn im Kern geht es wohl eher darum, dass der kometenhafte Aufstieg der Crash Eagles vielerorts Neid hervorruft. Das kommt nicht von ungefähr. Vor gerade mal sechs Jahren mussten die Kaarster als Gründungsmitglied den Abstieg aus der Skaterhockey-Bundesliga hinnehmen. Zwar stiegen sie direkt wieder auf, wären ein Jahr später aber gleich wieder abgestiegen, wenn es genügend aufstiegswillige Zweitligisten gegeben hätte. Jetzt fehlt ihnen ein Sieg (am 17. November im Entscheidungsspiel gegen Essen), um zum dritten Mal in Folge ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft einzuziehen, die sie vor Jahresfrist durch zwei Siege und eine Niederlage gegen die Samurai Iserlohn gewannen. Kometenhafte Aufstiege sind so selten nicht im Sport. Das Besondere an dem der Kaarster: Er hat nichts damit zu tun, dass irgendein Mäzen, Gönner oder Sponsor plötzlich sein Herz für die Eagles entdeckt und eine schöne Stange Geld in das „Projekt“ gesteckt hätte, um ein Mal Deutscher Meister zu werden (so etwas soll in manchen Sportarten durchaus schon vorgekommen sein).

Die Wandlung vom Kellerkind zur Skaterhockey-Hochburg hat allein mit der Jugendarbeit zu tun, die anderswo kaum so intensiv betrieben wird wie in Kaarst. Jüngster Beleg: Wenn die Junioren-Nationalmannschaft am Wochenende als Titelverteidiger zur U19-Europameisterschaft ins schweizerische Lugano reist, tut sie das mit fünf Spielern der Crash Eagles – darunter auch jenes Trio, das vom Vorbereitungslehrgang in Iserlohn direkt zum Halbfinal-Rückspiel in Essen fahren durfte. Ein sechster, Torhüter Falk Schumacher, musste wegen Verletzung absagen.

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Kein anderer Klub hat so viele Spieler im Aufgebot. Die Miners Oberhausen bringen es immerhin auf drei, der Crefelder SC und die Bissendorf Panther auf jeweils zwei. (Nur nebenbei: Von den Rockets Essen ist keiner dabei). Und bei der Europameisterschaft der Herren vom 23. bis 25. November in Rossemaison/Schweiz sind drei Kaarster mit von der Partie. Das Erfolgsgeheimnis ist gar kein so großes. „Wir führen die jungen Spieler schon so früh wie möglich ans Bundesliga-Team heran,“ sagt Georg Otten, der in Personalunion Trainer des Deutschen Meisters und Vorsitzender des knapp 350 Mitglieder starken Vereins ist. So wie den 16-jährigen Tim-Niklas Wolff, der in beiden bisherigen Halbfinalpartien eine wichtige Rolle spielte. Oder wie Trainersohn Lennart Otten, der zum 12:10-Sieg in Essen drei Treffer beisteuerte, darunter den entscheidenden zum 11:10, mit dem er die Gäste knapp drei Minuten vor Schluss erstmals in Führung brachte.

Dass der Nachwuchs so stark ist, kommt nicht von ungefähr. Die Kaarster schicken ein Juniorenteam sowie jeweils zwei Jugend- und Schülermannschaften ins Punkterennen. Junioren und Schüler haben ihre Saison als Tabellenführer beendet und sind beide Deutscher Pokalsieger geworden, die Jugend landete im Abschlussklassement auf Rang fünf. Nur mal zum Vergleich: Die Rockets sind im Unterbau allein mit einer Schülermannschaft (5.) vertreten. Dafür fahren sie auf ihren Trikots Werbung für überregional bekannte Unternehmen wie innogy und Stauder.

Die Kaarster bestreiten ihren Etat dank der Unterstützung örtlicher Handwerker oder Einzelhändler. „Die Eltern der Spieler nicht zu vergessen,“ sagt Georg Otten. Geld, versichern die Spieler übereinstimmend, fließt sowieso keins. Im Gegenteil: „Für Ausrüstung und Trainingslager zahlst du am Ende einen vierstelligen Betrag drauf,“ sagt Top-Scorer Thimo Dietrich, findet das aber „bei einem Hobby ganz normal.“ Dass da mitunter Neid aufkommt, ist nachvollziehbar.

Ach ja: Im anderen Halbfinale –zwischen HC Köln-West und den Duisburg Ducks steht es übrigens auch 1:1 – und das ganz ohne Neiddebatten im Internet.

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