"Schicksalsspiel" gegen punktgleiche Hildesheimer: Sieg ist erste Bayer-Pflicht

"Schicksalsspiel" gegen punktgleiche Hildesheimer: Sieg ist erste Bayer-Pflicht

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Gehen morgen Abend schon die Handball-Lampen aus beim TSV Bayer Dormagen? Oder beschert das Gastspiel des punktgleichen Aufsteigers Eintracht Hildesheim Saisonsieg Nummer zwei und damit wenigstens ein Fünkchen Licht am Ende des Abstiegs-Tunnels für die Chemiestädter? Die müssen morgen (19.30 Uhr, Dreifachhalle) möglicherweise auf vier verletzte oder erkrankte Spieler verzichten. Doch Jammern hilft nicht: Wenn nicht Hildesheim, wen will der TSV denn überhaupt noch schlagen in dieser Saison?

Da macht sich auch Gerald Oberbeck, von Amts wegen Trainer und Geschäftsführer von Eintracht Hildesheim in Personalunion, nichts vor: "Das ist ein kritisches Spiel für beide. Dormagen steht doch schon mit dem A..... zur Wand". Er findet es "überraschend, dass die so weit unten stehen. Ich hatte denen eine ruhige Saison zugetraut".

Nun, davon kann am Höhenberg keine Rede sein: "Das ist unser Schicksalsspiel, das müssen wir unter allen Umständen gewinnen", sagt Bayer-Trainer Gudmundur Gudmundsson. Nur sind die Umstände nicht gerade dazu angetan, den zweiten doppelten Punktgewinn dieser Saison nach dem 30:26 über Aufsteiger SG Solingen einfach unter der Rubrik "Pflichtsieg" einzusortieren.

Denn neben dem Langzeitverletzten Christian Ericsson drohen morgen drei weitere Ausfälle: Rechtsaußen Holger Beelmann plagt sich seit dem Spiel in Nettelstedt mit geschwollenem Knöchel am rechten Fuß herum, "muss möglicherweise am Saisonende operiert werden", wie Gudmundsson weiß. Alex Bommes hat nach seinem Rippenbruch erste Trainingsversuche wegen zu starker Schmerzen wieder abbrechen müssen.

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Und zu allem Überfluss meldet sich auch gestern Nachmittag noch Henrik Andersson mit einer fiebrigen Erkältung krank. Fällt auch er aus, steht Gudmundsson ganz dumm da. Denn dann sind seine Pläne, drei Rechtshänder (Andersson, Bedzikowski, Rigault) im Rückraum auflaufen zu lassen und Bernau auf seine angestammte Rechtsaußenposition zu schicken, natürlich Makulatur. Helfen könnte da Bommes, der als Rechtshänder auch in der vergangenen Saison bereits auf Rechtsaußen spielte.

Fällt auch der aus, wird's zappenduster, denn in der Zweitvertretung gibt's nicht mal einen regionalliga-tauglichen Linkshänder. Da bleibt nur die Möglichkeit, mit Andreas Kottwitz als Mittelmann zu agieren - oder ihn an den gegnerischen Kreis zu beordern und Robert Sighvatsson auf Rechtsaußen zu schicken. "Das alles macht die Sache nicht einfacher", gibt sich Gudmundsson keinen Illusionen hin, "aber wir müssen gewinnen, egal wie wir das bewerkstelligen".

Zumal sein Gegenüber auch nicht gerade frei von Personalsorgen ist: Gerald Oberbeck plant "ohne Fünf": Der Ex-Dormagener Jörg Scheuermann musste nach einer Schulteroperation seine Handball-Karriere beenden, Lars Klüttermann (Knieoperation) und Lars Rühmland (Bänderriss) fallen noch Monate aus. Am Mittwoch beim 26:30 gegen Solingen (Halbzeit 10:15) fehlte bereits Linksaußen Jörg Sonnefeld (Achillessehnenanriss), in dieser Partie verletzte sich auch noch der als spielender Co-Trainer tätige Linkshänder Thomas Brandes.

Doch im Vergleich zum TSV Bayer Dormagen scheint die Hildesheimer Handball GmbH über bessere Drähte zu ihren zahlreichen Sponsoren (alleine vier auf dem Trikot) zu verfügen, so dass sie in der laufenden Saison gleich drei Nachverpflichtungen tätigen konnte. Von denen haben Mittelmann Dimitri Karlow, vor Saisonbeginn erst vom VfL Bad Schwartau zu Süd-Zweitligist HG Erlangen gewechselt, und der norwegische Kreisläufer Roger Kvannli bestens eingeschlagen; in dieser Woche gesellte sich auch noch der erstliga-erfahrene Michael Altenbeck (HC Bad Salzuflen, vorher TuS Nettelstedt) hinzu.

Für Hildesheim ist die morgige Partie das dritte Kellerduell binnen einer Woche. Wobei sich die Euphorie nach dem ersten Erstliga-Sieg, dem 25:21 über den HC Wuppertal, nach der 26:30-Niederlage gegen Solingen (das schon 27:19 führte), schnell wieder gelegt hat: "Ein schlechtes Spiel, wir haben viel zu viele Fehler gemacht", analysierte Oberbeck, "außerdem haben beide Torhüter fast keinen Ball angefasst". Wobei die Nummer eins der in Dormagen nie über die Rolle des Bankdrückers hinausgekommene Matthias Reckzeh ist. Kinder bis 14 Jahre haben morgen übrigens mit einer Begleitperson freien Eintritt beim TSV.

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