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Leichtathletik: Selbst Willi Wülbeck ist Citylauf-Fan

Leichtathletik : Selbst Willi Wülbeck ist Citylauf-Fan

Vor dreißig Jahren wurde Willi Wülbeck Weltmeister über 800 Meter, sechs Jahre später gewann er den ersten City-Lauf in Korschenbroich. Das Jubiläum am Sonntag, für das bereits 3819 Anmeldungen vorliegen, hält er für "hoch attraktiv".

Nein, sagt Willi Wülbeck und lacht dabei ein bisschen verlegen, mitlaufen werde er am Sonntag sicher nicht. "Ich laufe nur noch freizeitmäßig, so fünf, sechs Kilometer am Stück", sagt der Mann, der vor dreißig Jahren Leichtathletik-Geschichte schrieb, als er in Helsinki Weltmeister über 800 Meter wurde.

Seine damalige Zeit von 1:43,65 Minuten ist immer noch deutscher Rekord über die zwei Stadionrunden. "Eigentlich unglaublich", findet der 58-Jährige, dessen Bestzeit über 1000 Meter (2:14,53 Minuten) ebenfalls noch von keinem deutschen Läufer unterboten wurde: "So ist das in der Leichtathletik: Einige Disziplinen entwickeln sich weiter, andere nicht", meint der gebürtige Oberhausener, der als Fitnesstrainer arbeitet und in 18 nordrhein-westfälischen Städten mit Schülern ein spezielles Training für eine Serie von Staffelläufen über 8x100 Meter absolviert.

Weiter entwickelt hat sich auf jeden Fall der Korschenbroicher City-Lauf. Während zur Premiere am 16. April 1989, bei 15 Grad und Sonnenschein, nur 550 von 700 gemeldeten Teilnehmern das Ziel erreichten, hatten für die 25. Auflage am Sonntag bis gestern Mittag bereits 3819 Läuferinnen und Läufer gemeldet. "Und etliche Nachmeldungen werden gerade noch erfasst", weiß Jörg Herold, der zusammen mit Hans-Peter Walther das sechsstündige Laufspektakel organisiert. Behält Walther, der nur bei der Premiere noch nicht dabei war, mit seiner Wetterprognose – "14 Grad, Regenwahrscheinlichkeit null Prozent, wolkenloser Himmel" – Recht, könnte am Sonntag angesichts der Nachmeldemöglichkeit bis eine Stunde vor dem jeweiligen Start die "Viertausendermarke" fallen. Die bisherige Bestmarke steht bei 3905 Meldungen und 3420 "Finishern", beide aus dem Jahre 2011.

Für Willi Wülbeck kein Zufall: "Die Mischung stimmt, das Gesamtpaket ist hoch attraktiv", sagt der Ex-Weltmeister über den Lauf, in dessen Annalen er sich an jenem 16. April 1989 als erster Sieger im "Lauf der Asse" verewigte. "Das tat ganz schön weh damals", weiß er noch heute, "schließlich waren die acht Kilometer eigentlich viel zu lang für mich." Und auf der Zielgeraden, damals wie heute auf der Hindenburgstraße, musste er mächtig "beißen", denn Ralf Kionke sah da bereits wie der sichere Sieger aus, ehe Wülbeck seine Spurtqualitäten ausspielte und mit vier Zehntelsekunden Vorsprung vor dem Früheren Deutschen Juniorenmeister über 3000 Meter Hindernis im Trikot der DJK Gnadental gewann.

Vor 2500 Zuschauern übrigens. Am Sonntag wird die fünffache Zahl erwartet. "Ich weiß, dass es nach der Premiere Diskussionen unter den Einzelhändlern gab, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt", erinnert sich Christoph Kamper. Für den Vorsitzenden des City-Rings Korschenbroich, dessen 60 Mitgliedsgeschäfte am Sonntag ab 13 Uhr ihre Pforten zum "verkaufsoffenen Sonntag" öffnen, stellt sich diese Frage längst nicht mehr: "Wir sind froh, dass es den City-Lauf gibt. Für uns gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, auswärtigen besuchern die Attraktivität von Korschenbroich als Einkaufsstadt zu präsentieren."

Hans-Peter Walther hört vo viel Lob gerne. Er hat sich für die Jubiläumsauflage am Sonntag ab 11.45 Uhr einen persönlichen Wunsch erfüllt: Läufer und Läuferinnen aus 27 Nationen haben gemeldet. Eigentlich waren dem Anlass entsprechend 25 sein Ziel. "Doch wenn wieder irgendwelche Flüge ausfallen, sind wir auf der sicheren Seite." Der Mann denkt vorausschauend.

(NGZ)