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Korschenbroich: Schuh-Rätsel noch ungelöst

Korschenbroich : Schuh-Rätsel noch ungelöst

Die eingemauerten Schuhe, die bei der Sanierung des Turms von Schloss Liedberg gefunden wurden, sind längst wieder an ihrem Platz. Aber die Forschung rätselt noch immer über die Bedeutung des kuriosen Fundes.

Möglicherweise gibt es eines Tages diesen Moment, in dem Forscher sagen: "Ohne Liedberg würden wir noch immer im Dunkeln tappen." — Zwei Jahre ist es her, dass bei Sanierungsarbeiten im Turm von Schloss Liedberg eingemauerte Schuhe auftauchten. Ein kurioser Fund, der für die lange, bei weitem noch nicht abgeschlossene Forschung von immenser Bedeutung ist. Kristin Dohmen, Bauforscherin beim Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), hat die Schuhe damals untersucht. "Der Fund hat große Aufmerksamkeit erregt", sagt Dohmen. "Seither melden sich immer wieder Bürger, die bei Restaurierungsarbeiten ebenfalls auf eingemauerte Schuhe stoßen."

Die Bauforscherin weiß, dass hinter dem ominösen Brauch ein spannendes Kapitel Kulturgeschichte steckt. Allerdings stockt die Forschung. "Es mangelt schlicht und einfach an schriftlichen Quellen", erklärt Dohmen. Sicher sei, dass es sich um einen Brauch gehandelt habe, der im 20. Jahrhundert offenbar in Vergessenheit geriet. Denn der Fund von Liedberg war nicht der erste, aber ein exemplarischer.

Alle bislang entdeckten eingemauerten Schuhe — die ältesten stammen aus dem 14., die jüngsten aus dem 19. Jahrhundert — waren mit der Spitze in Richtung Außenwand in einem Hohlraum verborgen. "Die Forschung geht davon aus, dass es sich um einen so genannten Abwehrzauber zum Schutz des Gebäudes handelt", sagt Kristin Dohmen.

Diese Mutmaßung deckt eine Überlieferung aus England, wo der Brauch ebenfalls weit verbreitet war. Dort erfasst das Northampton Museum die Schuh-Funde. Dessen frühere Kuratorin June Swann sieht die These vom Schutz- beziehungsweise Abwehrzauber im britischen Volksglauben verwurzelt: Demnach habe der im 13. Jahrhundert lebende Prälat John Schorne einst seinen Heimatort North Marston vor dem Teufel bewahrt — indem er ihn mit einem Stiefel einfing.

Auf dieser Überlieferung basierend könnte der Schuh für die im Mittelalter lebenden Menschen zu einem Symbol der Sicherheit geworden sein. Kristin Dohmen verweist darauf, dass die eingemauerten Schuhe oftmals im Bereich von Türen, Dächern, Kaminen oder — wie in Liedberg — Fenstern gefunden wurden. Dies könnte ein Indiz für die Deutung des Brauches als so genannter Abwehrzauber sein, der zu den Traditionen beim Bau eines Hauses zählte.

Die Forschung rätselt dennoch weiter über die Ursprünge des Brauches. "Bis jetzt ist alles reine Mutmaßung", sagt Bauforscherin Dohmen. "Wir hoffen, eines Tages eine schriftliche Überlieferung zu finden."

(NGZ)