Jüchen : Schüler lernen in der Natur

Mit allen Sinnen lernen: Das können Schüler bei hundert Kursen pro Jahr im "Grünen Klassenzimmer" von Schloss Dyck. Dort bietet die Stiftung unterschiedliche Projekte an, etwa Forschen im Miscanthusdorf oder Lehmhüttenbau.

Mit den eigenen Händen im Lehm wühlen — und dabei konstruktiv arbeiten: Daran hatten die mehr als 50 Zweitklässler der Katholischen Grundschule Grevenbroich große Freude. Im Miscanthusdorf bauten sie Hütten.

Die Stiftung Schloss Dyck bietet Klassen aller Schulformen und Altersstufen sowie Kindergeburtstagsgruppen rund 100 Kurse, bei denen sie die Umgebung des Schlosses als "Grünes Klassenzimmer" nutzen können. Ein sehr beliebter Ort für den lehrreichen Ausflug ist das Miscanthusdorf. "Die Schüler erfahren die Bedeutung von traditionellen Bauweisen, die sich auf natürlich vorkommende Rohstoffe stützen", erklärt Kulturpädagogin Eva Bongartz (46). Der nachwachsende Rohstoff Miscanthus — auch bekannt als Chinaschilf — wird mit Lehm und Sand zur Auskleidung eines Holzfachwerks aus rohen Baumstämmen genutzt. So entstehen unter den Händen der Grundschüler, angeleitet von Dozent und Künstler Norbert Hompesch (47), in mehreren Arbeitsschritten feste Räume. "Es ist interessant, wie man Häuser bauen kann. Aber der Lehm ist ganz schmutzig", sagt Schülerin Aurora. Trotzdem packt sie mit ihrer Schwester Viviana kräftig mit an, knipst Miscanthushalme, verwebt sie und schaufelt den Lehm in eine Wassertonne. Erika Klerx, Klassenlehrerin der 2b, ist begeistert: "Das Thema Häuserbauen behandeln wir gerade im Sachunterricht. Es ist schön, dass sie bei einem so großen Projekt in der freien Natur mitmachen können."

Norbert Hompesch legt Wert auf die sinnliche und handwerkliche Arbeit, bei der die Kinder mit unbehandeltem natürlichen Material umgehen. "Für viele ist es die erste Erfahrung, in der Natur und mit der Natur zu arbeiten", sagt er.

Doch das Miscanthusdorf ist nur eines von zahlreichen Angeboten des "Grünen Klassenzimmers". Unter dem Motto "Bäume — Räume — Träume" sollen neue Lernprozesse angestoßen werden. Außerdem sollen die Kinder die Verbindung von Kultur und Natur wahrnehmen.

Erste Erfahrungen in der Natur

Bei der "Schlossrallye" lernen die Kinder spielerisch das barocke Wasserschloss kennen, können eine Schatzsuche durch die Neuen Gärten im Dycker Feld veranstalten oder auch im Hochseilgarten gut gesichert nicht nur Schluchten, sondern auch Ängste überwinden. Bambusflöten herstellen oder Apfelsaft pressen gehören ebenso zum Programm wie das Erforschen des empfindlichen Lebensraumes, in den das Wasserschloss Dyck eingebettet ist. "Ein Kursus im Park oder Wald fördert alle Sinne und soziale Kompetenzen", sagt Bongartz.

(NGZ)