Jüchen : Schüler ist Mundart-Experte

Der Realschüler Frederik Held hat ein für sein Alter ungewöhnliches Hobby: Er interessiert sich für Jüchener Platt und macht bei den vielbesuchten Mundart-Abenden in Haus Katz mit. Gelernt hat er die Sprache von den Großeltern.

Ein Text in Mundart geht ihm leicht von den Lippen. "Man muss nur die richtigen Großeltern haben", sagt Frederik Held aus Bedburdyck und lacht. Der 17-Jährige geht in die zehnte Klasse der Realschule Jüchen. Seine Eltern sprechen — natürlich— hochdeutsch mit ihm. Aber sein Großvater, Heinz Faßbender-Schmitz, der vor zwei Jahren gestorben ist, habe in "Jücher Platt" mit ihm gesprochen. "Deshalb klingt der Dialekt gar nicht fremd für mich", sagt Frederik. Auch mit seiner Oma unterhält er sich oft auf Platt — und findet das völlig normal. "Für mich ist es wichtig, dass die heimische Mundart nicht verloren geht", sagt er.

Um die Mundart-Pflege kümmern sich besonders die Mitglieder des Bürgerschützen- und Heimatvereins (BSHV) Jüchen um Präsident Hans-Hubert Krall. Seit 25 Jahren ist er im Amt und weiß: "Mundart-Abende veranstalten wir seit mehr als 20 Jahren." Aus der anfänglich kleinen Veranstaltung ist im Laufe der Jahre ein Publikumsmagnet in Haus Katz geworden. In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur der Gemeinde Jüchen stellen die Schützen jedes Jahr im Januar ein buntes Programm zusammen. "Zuerst haben wir Mundart-Dichter von außerhalb eingeladen", erinnert sich Krall. "Sogar Janus Fröhlich von ,De Höhner' war bei uns zu Gast."

Mittlerweile werde das Programm überwiegend von den eigenen Mitgliedern gestaltet: Hans Müller, Sarah Brenneke, Hubert Klinkhammer und Heinz Luchtmann stehen in bewährter Weise für Jüchener Mundart", sagt der BSHV-Präsident. In diesem Jahr wagte sogar Bürgermeister Harald Zillikens seine ersten Schritte auf der Jüchener Mundartbühne. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Auftritt der "Original Jüchener Bänkelsänger" das sind Franz-Josef Bienefeld, Rudi Kopp und Heinz Luchtmann, die seit Jahrzehnten in Mundart und Jüchener Karneval zu Hause sind.

Realschul-Lehrerin Monika Streger (62) ist seit einigen Jahren immer wieder mit einer Gruppe von Schülern dabei. Auch sie hat sich der Mundart verschrieben und liebt es, Sketche, Dialoge und andere Texte auf Platt zu verfassen und vorzutragen — oder vortragen zu lassen. Auch Frederik ist in dieser Gruppe und hat immer fleißig mitgeprobt. "Leider konnte ich nie auftreten, weil ich beide Male kurz vorher ins Krankenhaus musste", bedauert der Schüler. Aber er weiß: "Mundart-Texte zu lesen ist schwerer, als sie zu sprechen."

Frederik engagiert sich nicht nur in der Mundart-Gruppe. Er macht mit bei allen sozialen Projekten der Schule und ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz.

(NGZ)