Korschenbroich: Schritt in Richtung Stadtwerke

Korschenbroich: Schritt in Richtung Stadtwerke

Die Stadt Korschenbroich bezieht den Strom von NVV und RWE. Die Konzessionsverträge laufen Ende 2012 aus. Macht es Sinn, eigene Stadtwerke zu gründen? Mit dieser Frage befasste sich gestern Abend die Politik.

Korschenbroich Wie sich die Stadt künftig in Sachen Stromversorgung positioniert, muss die Politik jetzt zeitnah entscheiden. Die Frage, ob eine Gründung eigener Stadtwerke sinnvoll und wirtschaftlich ist, soll zunächst die Kölner Beratungsgesellschaft "Rödl & Partner" beantworten. Gestern gab's für die Fraktionsvertreter im Hauptausschuss einen ersten Vorgeschmack auf die Möglichkeiten, wie Korschenbroich mit der Stromversorgung nach 2012 verfahren kann.

Zum Verständnis: Die Korschenbroicher Bürger beziehen ihren Strom seit fast 20 Jahre von der NVV und dem RWE. Die Verträge für die Stromlieferung laufen Ende 2012 aus. Bei einer Verlängerung würde sich die Stadt erneut für 20 Jahre festlegen. Dies hatte Bürgermeister Heinz Josef Dick zum Anlass genommen, bereits in der Dezember-Ratssitzung auf das Stadtwerke-Thema hinzuweisen. Und auch aus Mönchengladbach gab's schon erste Signale, gemeinsam mit der Stadt Korschenbroich das Experiment Stadtwerke zu wagen. "Wir sind nicht abgeneigt", gab NVV-Vorstandsvorsitzender Friedhelm Kirchartz im Januar gegenüber der NGZ zu Protokoll. Der Mitbewerber schläft auch nicht: Ein RWE-Vertreter hat bereits bei der SPD einen Termin erfragt und sich bei den Aktiven für April angekündigt.

Ist eine Netzübernahme für die Stadt wirtschaftlich? Dies war für Matthias Koch (42), Ingenieur und Betriebswirt, gestern Abend die zentrale Frage. Als Möglichkeit für die Kommune gibt es für ihn vier Optionen: die Stadtwerke-Gründung in Eigenregie, die Stadtwerke-Gründung mit einem Partner, die Verpachtung der Stromnetze, oder den Abschluss eines neuen Konzessionsvertrages mit einer Laufzeit von erneut 20 Jahren. Koch machte den Mitgliedern des Hauptausschusses gestern Abend klar: "Bevor Sie sich nicht für eine der Möglichkeiten entschieden haben, kann auch keine Wirtschaftlichkeitsanalyse erstellt werden."

Matthias Koch empfahl den Politikern, aus wirtschaftlichen Aspekten auf eine Stadtwerke-Gründung in Eigenregie zu verzichten. Der Betriebswirt aus Köln machte auch deutlich, dass die Zeit für eine Entscheidung begrenzt sei. Sollte sich die Stadt Korschenbroich für die Gründung der Stadtwerke – in welcher Form auch immer – entscheiden, muss das Konzept bis zum Jahresende auf dem Tisch liegen. "Dann muss die Ausschreibung im Bundesanzeiger erfolgen, um Bewerber zu bekommen", skizzierte Koch die Dringlichkeit. Für die Verhandlungen mit einem Partner reiche die Zeit bis 2012 aus.

Dass Handlungsbedarf besteht, war gestern anhand der vielen Fragen aus der Politik erkennbar. Nachdem Bürgermeister Heinz Josef Dick von einem "komplexen Thema" sprach, regte Albert Richter (SPD) an: Matthias Koch möge schnellstmöglich eine Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen, damit die Politik wenigstens einige Anhaltspunkte für ihre künftige Diskussion erhalte.

(NGZ)