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Korschenbroich: Schimmel: Mieter ist über Stadt verärgert

Korschenbroich : Schimmel: Mieter ist über Stadt verärgert

Mit seiner schwerbehinderten Partnerin lebt Manuel Klatt in einer städtischen Wohnung. Er fühlte sich dort wohl – bis der Schimmel kam.

Mit seiner schwerbehinderten Partnerin lebt Manuel Klatt in einer städtischen Wohnung. Er fühlte sich dort wohl — bis der Schimmel kam.

Es begann im Oktober mit kleinen dunklen Punkten, zuerst nur in der Küche, dann tauchten sie in allen Räumen der Wohnung an der Straße Am Hallenbad auf. Seit 13 Jahren wohnt dort Manuel Klatt — in einem Haus, das im Eigentum der Stadt steht. Ohne langes Zögern, so schildert der 39-Jährige, habe er den Schimmel gemeldet. Geantwortet habe die Stadt erst nach viereinhalb Wochen.

Anfang Januar schickte sie einen Handwerker, der die Decken mit Fungizid strich, danach mit Farbe. "Ich war zuvor noch bei dem zuständigen Mitarbeiter und habe gefragt, ob das die richtige Maßnahme sei, ob nicht eher die Fassade erneuert werden muss", berichtet Klatt. Er sollte recht behalten: Inzwischen ist das Appartement de facto unbewohnbar, durch mehrere Decken frisst sich der Schimmel, in der Küche zieht er sich gar über eine Wandlänge.

Manuel Klatt lebt nicht alleine in der Wohnung. Seine Partnerin, Sabrina Otte (33), leidet an Multipler Sklerose (MS) und ist schwerbehindert. Ihre Tochter Celine kämpft mit Asthma. Klatt fehlt das Geld, um schnell wegzuziehen — und die Lust. "Ich habe mich hier immer wohlgefühlt, und eigentlich gab es auch früher keine großen Probleme mit der Stadt."

Stutzig allerdings wurde er schon Ende 2011. Die Wohnung war lediglich mit einfachen Holzfenstern ausgestattet. "Es zog, es regnete rein, überall war es feucht", sagt Klatt. Die Stadt reagierte: Sie wechselte die Fenster aus. "Aber bereits damals", erinnert sich der Kleinenbroicher, "haben die Handwerker die Verwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass neue Fenster wahrscheinlich nicht helfen werden. Es würde am alten Mauerwerk liegen."

Mehrere Gespräche führte der 39-Jährige in den vergangenen Monaten mit Mitarbeitern der Stadt. Auch mit Bürgermeister Heinz Josef Dick sprach er persönlich. Klatts Kritik ist massiv: Inzwischen, so betont er, habe er das Gefühl, dass die Stadt ihn aus der Wohnung vertreiben wolle. Dick habe auf den klammen Haushalt verwiesen, ein Mitarbeiter habe ihm mit der Kündigung gedroht. Fahre er keine schweren Geschütze auf, würde ihm die Stadt bei der Miete entgegenkommen. "Aber das Recht steht mir doch sowieso zu", sagt Klatt empört.

Aus Sicht der Stadt stellt sich der Sachverhalt anders dar. Unverzüglich habe man im November eine Firma mit der Beseitigung des Schimmels beauftragt, erklärt Georg Onkelbach. Der Leiter des Technischen Dezernats fährt fort: "Zwischenzeitlich wurden Schlafzimmer, Bad und Flur bearbeitet. Aufgrund eines Einspruchs der Mieter konnten die Arbeiten aber nicht abgeschlossen werden; für die restlichen Bereiche der Wohnung steht die Behandlung somit noch an." Zurzeit werde geprüft, inwieweit die Wohnung noch weiter vermietet werden könne. Außerdem bemühe sich die Stadt um eine Ersatzwohnung für Manuel Klatt, seine Partnerin und ihre Tochter.

Inzwischen lässt sich Manuel Klatt von einem Rechtsanwalt beraten. Bereits um 80 Prozent hat er die Miete gemindert. Ab Februar will er nichts mehr überweisen.

Diese Woche erhielt er ein Schreiben von der Stadtverwaltung: eine Mahnung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schimmel: Stadt lässt Mieter im Stich

(NGZ/rl/ape)